Plauderei im Cafe mit dem Schriftsteller

Das Cafe war wieder mal sehr gut besucht.
Ganz vorne saß der Herr Moser, es war Monatsanfang und der Wechsel seiner Fotografien stand an.
Er hatte seine Mappe mit und zeigte dem Jo seine neuesten Werke, aus denen  der Jo die Fotos für den folgenden Monat aussuchen kann.
Irgendwie war das dem Jo ja fast egal, soll der Herr Moser halt aufhängen was er will, aber der Fotograf bestand darauf, dass der Jo die Fotos zuerst begutachtet und dann entscheidet.

Ganz hinten, also im Gegenteil zum Herrn Moser, saß ein anderer Mann, auch schon ein älteres Semester, vor sich hat er einen Block liegen, in der Hand einen Bleistift und neben dem Block einen Radiergummi.
Da er neben dem Fenster saß, hob er ab und zu den Kopf um einen Blick raus zu werfen, dann flitzte der Bleistift wieder übers Papier. Er vermittelte den Eindruck, als ob er, das was er da drußen sah, gleich niederschreibt.
Der junge Mann, der neben ihm am Tisch saß verrenkte sich ein wenig den Hals, weil er offenbar sehen wollte, was der Mann mit dem Bleistift da schreibt. Das brachte ihm einen erstaunten Blick des Schreibers ein und der junge Mann zog schuldbewusst den Kopf wieder ein.

Jo interessierte es auch, was der Mann da am Fenster treibt, aber ihn einfach fragen, das wäre ihm zu indiskret gewesen, also räumte er persönlich die leere Teetasse ab und fragte ob er noch einen Wunsch hätte. Ja, hatte er, noch so einen guten Tee.
Beim Abräumen konnte der Jo echt einen Blick auf den Block werfen, aber er sah nur dicht gedrängte Zeilen, in zarter Bleistiftschrift, entziffern konnte er in dem kurzen Augenblick natürlich nichts, nur dass die Seite schon fast voll geschrieben war.
Der Mann schrieb weiter und weiter und sah immer wieder für ganz kurze Zeit aus dem Fenster.

Jo meinte zur kleinen Serviererin, dass er glaubt, dass das ein Schriftsteller ist.
Womit er nicht gerechnet hat, die geschwätzige Frau Winter war ebenfalls auf den Mann aufmerksam geworden und hat leider mitgehört.
Ungeniert wie wir sie kennen, ruft sie durch das kleine Cafe: “Hallo, sie da hinten, sind sie ein Schriftsteller ?“
Der Mann hob kurz den Kopf und senkte ihn sogleich wieder um weiter zu schreiben.
Das war der Frau Winter gar nicht recht, sie hat es nämlich nicht gern, wenn man sie ignoriert.
Der etwas übergewichtige junge Mann, der neben dem Schreiber saß, legte den Finger an die Lippen und bedeutet der Frau Winter dass sie still sein soll.
Aber das ist der Frau Winter ganz egal, sie schnappt ihr Wasserglas und setzt sich in die Nähe des jungen Manns und somit auch in die Nähe des Mannes mit dem Bleistift, der grad wieder aus dem Fenster schaut, vor dem sich nichts, aber absolut nichts tut. Die Kinder die da manchmal vorbei laufen, wenn sie in die Schule gehen, die sind schon vorbei und so huscht nur hin und wieder eine Hausfrau mit Einkaufstasche oder Trolli vorbei.
*Was sehen sie denn da, wenns aus dem Fenster schauen ?“ die Frau Winter spricht den Mann wieder an. Der schaut sie mit einem langen Blick an und antwortet “Nichts“.
Das war nicht grad das was die Frau Winter erwartet hat, aber jetzt war es ihr zu blöd und sie geht wieder vor an die Theke, nicht ohne ihr Wasserglas mitzunehmen und es sich nochmal anfüllen zu lassen.
Erleichtert schreibt der Mann weiter und blickt dazwischen immer wieder aus dem Fenster.

“Der ist aber komisch” flüstert die Frau Winter dem Jo zu und der nickt. Er konnte sich auch keinen Reim drauf machen, aber eigentlich war es ihm egal, solange sich ein Gast friedlich und ruhig verhält.
Dass sowas der Frau Winter keine Ruhe lässt, das können wir uns alle vorstellen.
Aber inzwischen ist die Frau Hilde mit Torten und Kuchen ins Cafe gekommen und die Frau Winter hofft, ein Stückerl vom Anschnitt ab zu bekommen, das sind die Stücke, die sie den Gästen eher nicht anbieten und die Stammgäste kostenlos, als Kostproben bekommen.
Und schon hat der Jo, der Frau Winter einen kleinen Teller mit einem Stück Marmorkuchen hin gestellt und die Frau Winter bestellt tatsächlich auch einen Kaffee dazu, den sie auch bezahlt.

Der schreibende Mann holt den Jo zum Zahlen und packt seinen Block, seinen Bleistift und den Radiergummi ein.
Der Jo versucht, denn neugierig ist er ja doch auch, den Mann in ein Gespräch zu verwickeln und fragt grad heraus, was er denn da schreiben würde.
“Ich weiß es noch nicht, was es werden soll, aber ich glaube es wird ein Geschichte aus dem Cafe werden” antwortet der Mann.
“Sehr interessant” meint der Jo etwas verwirrt, “Werden sie wieder hier her kommen zum Schreiben ?”
“Ich denke schon, wenn sie mir die neugierige Person vom Leib Halten”
Damit meinte er die geschwätzige Frau Winter.
Der Jo nickt wissend und meint, dass die Frau mitunter echt lästig sein kann, aber er wird sich bemühen.
Lächelnd setz der Schreiberling, seinen Hut auf, gibt dem Jo die Hand und sagt: “Ich heiße übrigens Schiller, bin aber mit dem berühmten Friedrich nicht verwandt”
Der Jo schluckt, weil den Wortwitz hat er zuerst gar nicht verstanden.
Erst als der Herr Schiller aus dem Cafe war, dämmerte ihm, dass er wohl den Friedrich Schiller, den berühmten Dichter, gemeint haben muss.

Na man darf gespannt sein, was der Herr Schiller, der mit dem Friedrich nicht verwandt ist, noch für Bewegung ins Cafe bringen wird.

Plauderei im Cafe – die Liaison IV

Fortsetzung dieser Geschichte, für alle die die 3 Folgen der “Liaison” nicht gelesen haben

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Babs wäre beinahe das Telefon aus der Hand gefallen.
Text der SMS: Komm morgen um 12.00 Uhr ins Cafe.
Gerda hat einfach nicht recht, Emil will anscheinend doch weiter mit ihr zusammen sein – oder will er ihr nun wirklich den Abschied geben ?
Babs ist hin und her gerissen und kann den restlichen Tag an nichts anderes denken, als an das Date mit Emil.
Um Punkt 12.00 Uhr eilt sie ins Cafe und setzt sich an den Tisch, an dem sie sonst auch mit Emil sitzt.
Von Emil weit und breit keine Spur. Babs ist enttäuscht.
Plötzlich geht die Tür auf uns eine hübsche Frau betritt das Lokal. Sie schaut sich suchend um und steuert dann auf den Tisch zu, an dem Babs sitzt.
“Babs?” fragt die Frau, Babs bleibt vor Staunen der Mund offen. “Jaaa ??? ” stammelt sie.
“Darf ich mich setzen ?” fragt die unbekannte Frau und setzt sich, ohne eine Antwort abzuwarten.
“Wer sind Sie? ” fragt Babs mit zitternder Stimme. Wobei die Frage völlig unnötig war, denn sie weiß bereits wer da vor ihr sitzt.
“Ich bin Emils Frau – Julia” Sie streckt der völlig perplexen Babs freundlich die Hand entgegen.
“Angenehm” antwortet Babs und denkt, dass das total blöd ist was sie da sagt, natürlich ist es alles andere als angenehm, der Ehefrau ihres Liebhabers gegenüber zu sitzen.
Beide Frauen schweigen und betrachten sich unauffällig.
Die kleine Kellnerin mit dem dicken Zopf, kommt an den Tisch und fragt nach den Wünschen der Damen.
Beide bestellen Kaffee und ein großes Glas Wasser.
Immer noch schweigen beide, bis Babs endlich fragt: “Was wollen sie von mir ?”
Innerlich nervös schielt Babs zur Tür, denn sie denkt immer noch, dass Emil gleich auftauchen wird und genau wie sie erstaunt sein wird, dass seine Frau da mit am Tisch sitzen zu sehen.
“Emil wird nicht kommen, er weiß nicht, dass ich mich hier mit ihnen treffe” Julia spricht sehr leise und Babs hat Mühe sie zu verstehen.
Die kleine Kellnerin bringt den Kaffee, fragt ob es noch was sein darf und stellt auch das Wasser auf den Tisch.
Beide Damen verneinen und Babs war dadurch die Gelegenheit gegeben, das Gehörte zu verdauen.
Julia erklärt ihr ebenso leise wie vorher und in ganz ruhigem Ton, dass Emil sein Handy und seine Nummer gewechselt hat, damit hat er seiner Fau beweisen wollen, dass er den Kontakt zu Babs aufgeben wird.
Auf dem alten Handy mit der alten Nummer war Babs ihre Mobilnummer  gespeichert und das hat Julia benützt um sich mit Babs zu verabreden.
Langsam fängt Babs den Zusammenhang an zu verstehen.
Julia rührt langsam in ihrem Kaffee den Zucker um und bittet dann Babs ganz direkt, ihren Mann in Ruhe zu lassen.
“Keine SMS, kein Telefonat und keine Treffen mehr!”
Babs nickt und hat einen großen Kloß im Hals, antworten kann sie nicht.
Ihre Gedanken spielen Karusell und sie denkt, Gerda hatte recht.
Julia trinkt in 3 Schlucken den Kaffee aus und schaut Babs fragend an.
Seufzend nickt Babs wieder.
Irgendwie klingen die Sätze für Babs, nach einem “sonst.”
“Ihr Mann weiß nichts von der Affaire ?”
“Nein” flüstert Babs. “Dann wollen wir es auch dabei belassen, oder ?” fragend sieht Julia Babs an.
“Ja klar” Babs war klar, dass das “sonst ” bedeuten würde, dass Julia ihrem Mann einen Hinweis geben könnte.
Es war sicher nicht schwer die Telefonnummer ihres Mannes heraus zu bekommen.
“Ich sehe, wir verstehen uns” Julia lächelt Babs freundlich an “und ich gebe ihnen einen guten Rat: Lassen sie in Zukunft die Finger von verheirateten Männer, oder noch besser gehen sie gleich gar nicht fremd!”
Julia steht auf, fast wäre ihr Stuhl nach hinten gekippt, reicht Babs die Hand und verschwindet aus dem Lokal.

Babs bleibt sehr nachdenklich zurück und würde gerne weinen.
Aber alle Augen der anderen Gäste sind auf sie gerichtet, denn die kleine Kellnerin meint lautstark:
“Die Frau hat nicht gezahlt, übernehmen sie das ?”
Ach ist das peinlich.
Babs reicht der Kellnerin einen 10 Euro Schein und rennt aus dem Cafe, ohne auf das Wechselgeld zu warten.

Plauderei im Cafe – zu viel Strom ?

Zeichnung: Dominik Voss

Wir sind wieder mal im Kleinen Cafe von Jo.
Es sind nur wenige Leute heute anwesend, draußen schneit es wie wild, da bleibt vermutlich sogar die Stammkundschaft lieber zu Hause.
Jo sitzt hinter dem Tresen und liest Zeitung, mit einem Ohr allerdings im Gastraum, falls ein Kunde einen Wunsch hat oder zahlen möchte.
Trotz des wilden Schneefalls kommt die Frau Winter auf ihren obligaten Kaffee und diesmal hat sie eine Freundin im Schlepptau.
Die beiden Damen setzen sich an einen der Tische und bestellen Kaffee, die Freundin auch ein Stück Kuchen, das frisch gebacken in der Vitrine wartet.

Zwischen zwei Bissen erzählt sie, mit nahezu der gleichen Lautstärke, mit der die Frau Winter immer das Cafe beschallt, dass sie nicht lange Zeit hat, weil der Servicemann bald kommt.
Die Frau Winter fragt erstaut, wozu sie denn einen Servicemann braucht.
Na, die Waschmaschine streikt mal wieder und ihr Mann hat gleich den Kundendienst angerufen, ihr Mann, der Edi, ist aber heute beim Zahnarzt und deswegen muss die Frau Lotte nach Hause um den Techniker die Tür zu öffnen und den Weg in den Keller zu zeigen.
Gleich wettert die Frau Winter los: “Lotte, dein Mann macht es sich einfach, verkrümmelt sich zum Zahnarzt und du musst strammstehen für den Techniker”
Die Lotte schüttelt den Kopf und schluckt den letzten Bissen ihres Kuchens runter, um ihr zu antworten, dass das ja ganz anders gewesen ist, aber das lässt die Frau Winter gleich gar nicht gelten.
“Und außerdem, warum kauft ihr denn nicht gleich eine neue Waschmaschine ? Die ist doch bestimmt schon uralt, die ihr da im Keller stehen habt”
“Also bitte, man kann doch nicht immer gleich neu kaufen, wenn ein Ding mal streikt” empört sich die Lotte lautstark:
“Die Maschine ist, lass mich nachrechnen, ich glaub 18 Jahre alt, ist das wirklich uralt ? Und bis jetzt war die nur 2x kaputt”
Der Jo hat aufmerksam zugehört und mischt sich jetzt in das Gespräch ein.
“Na da muss ich ausnahmsweise der Frau Winter recht geben, die Maschine ist uralt, da fährt die Eisenbahn drüber”
Die Frau Winter strahlt ihn an, kommt nicht so oft vor, dass ihr der Jo recht gibt.
“Und so eine alte Maschine verbraucht auch viel zu viel Strom, eine neue ist da viel günstiger”
“Aber die kostet ja ein kleines Vermögen, in der Anschaffung, da kann man einige Stromrechnungen davon bezahlen” entgegnet die Lotte.
“Das erzählt dir dein Mann, weil der keine neue kaufen will” prustet die Frau Winter raus.
“Ja das stimmt schon, der Edi will keine neue kaufen, sagt immer das moderne Zeug hält sicher keine 18 Jahre mehr, da kann er dann in 5 Jahren schon wieder eine Maschine kaufen, weil die haben alle eine Sollbruchstelle eingebaut”
Der Jo lacht über das Argument, gibt der Lotte aber nochmal mit auf den Weg, dass eine neue Waschmaschine sparsamer wäre.
Und auch viel schoneneder zur Wäsche.
Lotte bricht, nach einem Blick auf die Uhr auf, in 10 Min kommt der Servicemann und sie muss sich beeilen, aber sie wird nochmal mit ihrem Mann reden, von wegen einer neuen Waschmaschine.
Nebenbei murmelt sie im Rausgehen:” Der Kühlschrank ist auch schon 20 Jahre alt, verbraucht der auch zu viel Strom ?”

Plauderei im Cafe – Türkischer Kaffee

Zeichnung: Dominik Voss

Sonntagmorgen, im Cafe war nicht sehr viel los.
Der Herr Moser, der Fotograf kam vorbei um mit Jo, den Bilderwechsel zu besprechen und trinkt dann einen Kaffee und liest die Zeitung.
Die Frau Winter nimmt ihren Morgenkaffee und ist ungewöhnlich still und am Fenster sitzt noch ein fremder Mann, der heute das erste Mal im Cafe ist, der wollte Tee mit Sahne, was die kleine Serviererin sehr ungewöhnlich findet.
Sie hat den Jo erst Mal gefragt, was sie bei Sahne nehmen sollte, Kaffeeobers oder Schlagobers ?
Der Jo hat Kaffeeobers entschieden und nachdem der Mann den Tee genüsslich schlürft, dürfte die Entscheidung richtig gewesen sein. Er wollte dann auch noch eine Buttersemmel mit Salz, die ihm die kleine Serviererin ohne Salz brachte, den Salzstreuer aber dazu stellte.

Klack – Klack – Klack
Da war seit einigen Tagen ein seltsames Geräusch, das offenbar von der Straße kommt, aber jedesmal wenn der Jo dachte, er muss mal schauen was oder wer das Geräusch verursacht, war er grad so beschäftigt, dass er nicht vor die Tür gehen konnte.
Klack-Klack-Klack – da war es wieder.
Jo war grad dabei die Einnahmen vom Samstag zu zählen und in die Banktaschen zu sortieren, hob lauschend den Kopf und konnte wieder nicht raus laufen um zu schauen.
Die Frau Winter sieht seinen fragenden Blick und fragt gleich:
“Fragst dich, was da so klackt ?”
“Ja, ich hör das schon seit ein paar Tagen immer wieder, dann ist das Geräusch weg und kommt nach einiger Zeit wieder”
Die Frau Winter grinst wissend…
“Das ist die Frau Kamila, die hat vor ein paar Wochen einen Schlaganfall gehabt und muss wieder Gehen lernen.
Und ihr Mann der Jakup geht jeden Tag mit ihr die Gasse rauf und runter, zwei Mal, einmal am Vormittag und einmal am Abend. Und das Klacken, das ist der Stock von der Frau Kamila”.
“Aha” staunt der Jo. “Die Leute kenn ich noch gar nicht”.
Die Frau Winter die, wie immer alles weiß, klärt den Jo auf; ” Das sind Türken, die haben früher in einem anderen Bezirk gewohnt, sind erst vor ein paar Monaten her gezogen und dann ist gleich das Unglück passiert”
“Kamila und Jakob sind aber keine türkischen Namen, oder ?”
“Jo, das heißt Jakup, mit u, net mit o und mit p nicht mit b” klärt die Frau Winter auf.
“Was sie immer alles wissen, Frau Winter, sagenhaft” der Jo schüttelt den Kopf und verstaut weiter sein Geld.
Da hört man das Klack-Klack-Klack wieder, jetzt hat der Jo Zeit um raus zu gehen und kann mit eigenen Augen sehen, wie das ältere Ehepaar die Straße runter kommt.
Er lächelt den Beiden zu und bekommt ein “Grüß Gott! ” zurück.
Jo fragt, ob die beiden Lust hätten, auf einen Kaffee ins Lokal zu kommen – “geht aufs Haus” schiebt er gleich nach.
Der Herr Jakup antwortet: ” Tut leid, wir trinken nur türkischen Kaffee, haben sie den ?”
Da musste der Jo allerdings passen, Türkischen Kaffee gibt es bei ihm keinen – noch nicht.
Dann hatte er einen Geistesblitz……
“Kommen sie doch rein und zeigen sie mir, wie sie türkischen Kaffee machen”
Der Herr Jakup bekam große Augen, ungläubig fragt er: “Wollen sie das wirklich ?”
“Ja klar, ihre Frau kann sich inzwischen in den bequemen Sessel setzen und sie kommen zu mir in die Küche und zeigen mir wie man euren Kaffee macht”
Das Ehepaar war sehr erfreut, die Frau Kamila stützt sich auf ihren Stock und wankt allein zu dem besagten Sessel und der Herr Jakup übersetzt seiner Frau, die nicht sehr gut Deutsch spricht und nicht ganz verstanden hat, was da passiert, warum sie jetzt in dieses Cafe gehen.
Der Herr Jakup nimmt 2 Mokkatassen, normale halt, weil diese typischen Tassen hat der Jo natürlich nicht, füllt 2x Wasser und je 2 Kaffeelöffel Kaffee, der auch nicht so ideal gemahlen ist und kochte alles zusammen auf kleiner Flamme auf,  bis so ein Häubchen entstanden ist, davon kommt in jede Tasse etwas, den Kaffee noch einmal aufkochen und in die beiden Tassen verteilen und schon war der türkische Kaffee fertig.
Der Jo serviert den beiden Leutchen den so entstandenen Kaffee.
Die Frau Winter und der Herr Moser, der das Geschehen auch beobachtet hat, applaudieren und alle lachen fröhlich.
Der Herr Moser gibt dem Jo den Rat, sich auch türkisches Geschirr zu besorgen, dann würde er mit seiner Kamera kommen und die Tassen fotografieren. So ein Bild würde sich bestimmt gut machen, an der Wand des Lokals.
Die Idee gefällt dem Jo.
Das Paar Kamila und Jakup verabschieden sich und versprechen bald wieder zu kommen, wenn die Frau Kamila wieder ihre Gehübungen machen muss.
So entstehen Freundschaften……

Plauderei im Cafe- Second Hand

Zeichnung: Dominik Voss

Auch im kleinen Cafe vom Jo ist der Alltag eingezogen.
Die Weihnachtsdekoration ist weg geräumt und hat frischen Blumen auf den Tischen Platz gemacht.
Jo hat neue Bezüge für die Polster besorgt und das gibt dem Lokal einen frischen Eindruck.
Die Stammgäste freuen sich über diese angenehme Atmosphäre, nur die Frau Winter hat gemeckert, aber das ist ja nichts Neues, die meckert ja immer.
Seit sie im Lotto gewonnen hat, trinkt sie jeden Tag ihren Kaffee beim Jo, manchmal sogar mit einem Kipferl dazu.
Heute ist nicht viel los im Cafe, aber es ist auch noch früher Vormittag und da treffen sich meist einige Hausfrauen auf einen Kaffee zum Tratschen, zwei Gruppen bevölkern die bequemen Sitze des Lokals.
Einmal eine Runde älterer Damen, die auch ihr Handarbeitszeug mit dabei haben und strickend und häkelnd Erfahrungen austauschen, so unter dem Motto, früher war alles besser.
Und die zweite Runde bestand aus vier Frauen um die 30, die vor der Kaffeklatschrunde ihre Kinder zur Schule gebracht haben. Sie haben ihre Einkaufstaschen mit und wollen anschließend zum Markt um Obst und Gemüse zu holen.
Eine der Damen fragt, relativ laut, wo man denn jetzt nach Weihnachten einen Übergangsmantel her bekommen würde.
“Bitte, was ist denn ein Übergangsmantel?” fragen die drei Anderen wie aus einem Munde.
Die Fragerin zuckt die Schultern und versucht zu erklären, dass sie einen leichten Mantel sucht, den sie in der Übergangszeit von Winter auf Sommer tragen könnte.
“Also einen Frühjahrsmantel ? Aber wer braucht denn sowas ? Es gibt doch keinen Übergang mehr, genauso wie es keinen Frühling mehr gibt”
Nun das ist wohl eine gewagte Aussage, aber im Grunde meinte die junge Frau wohl, dass es sich gar nicht auszahlt, sich so ein Kleidungsstück zuzulegen.
“Du könntest in ein Second Hand Geschäft gehen, vielleicht haben die in der Vintageabteilung so einen Mantel.”
Die Sprecherin wollte irgendwie witzig erscheinen, aber die die gefragt hat, war gleich Feuer und Flamme.
“Großartige Idee, weißt du wo hier in der Stadt so ein Laden ist ?”
“Keine Ahnung”, keine der anwesenden Freundinnen hatte eine Idee.
Die Frau Hilde, die frisch gebackene Kuchen brachte, hat einen Teil des Gesprächs mitgehört und mischt sich leise in das Gespräch ein.
“Gleich hier um die Ecke und dann zwei Gassen weiter gibt es so ein Geschäft. Ich hab dort schon öfter von meinen Sachen etwas hin gebracht. Die Dame die den Laden führt ist sehr nett und berät sicher gerne.
Da bedankten sich alle 4 sehr für die nette Auskunft und rufen den Jo gleich zum Zahlen.
Sie haben beschlossen, alle 4, dort hin zu gehen und sich umzusehen, denn jede war überzeugt, dass es da sicher noch viele andere interessante Kleidungsstücke geben könnte.

Die Frau Winter, die bisher Zeitung gelesen hat, war ganz erstaunt, dass so junge, moderne Frauen sich für gebrauchte Kleidung interessieren.
“Die haben das doch nicht nötig, dass sie sich Lumpen kaufen müssen”
Aber die Frau Hilde hat sie schnell aufgeklärt, dass Second Hand nicht gleich Lumpen bedeutet.
Viele Leute geben ihre, mitunter sehr teure Kleidung, in solche Geschäfte zum Wiederverkauf, weil ihnen leid ist, sie weg zu werfen.
Das leuchtet sogar der Frau Winter ein und sie beschließt sich den Laden auch mal anzusehen, später, wenn die jungen Frauen weg sind, damit sie dort nicht gleich gesehen wird.