Frau Huber muss zum Zahnarzt II
Die Frau Huber schläft in der Nacht vor dem Termin erstaunlich gut.
„So schlimm kann’s ja nicht sein“, murmelt sie, als sie am Freitag in der Früh aufwacht. Erst beim Frühstück fällt ihr der Blick auf den Kalender.
Freitag, der 13.
Sie bleibt einen Moment stehen, das Kaffeehäferl in der Hand.
„Na super“, sagt sie zu sich selbst. „Erst die junge Zahnärztin und jetzt auch noch der 13er. Das fangt ja gut an.“
Vorsichtshalber legt sie die Beisserl besonders sorgfältig in die Dose. Man weiß ja nie. Dann zieht sie ihre guten Schuhe an – die ohne Absätze, weil man beim Zahnarzt eh schon genug wackelt – und verlässt die Wohnung.
Im Stiegenhaus begegnet sie der Frau Gruber aus dem dritten Stock.
„Na, Frau Huber, wo geht’s denn hin?“
„Zum Zahnarzt.“
„Am Freitag, dem 13.?“
„Danke“, sagt die Frau Huber trocken, „des hab i eh fast vergessen.“
Schon vor der Ordination beschließt sie: Wenn jetzt noch was passiert, geht sie wieder heim. Aber es passiert nichts. Kein Stolpern, kein schwarzer Kater, nicht einmal ein falscher Knopf im Lift.
Im Wartezimmer setzt sie sich auf denselben Platz wie beim letzten Mal. Sicherheitshalber. Die Lichter sind hell, die Musik leise, und es riecht nach irgendwas Frischem, das nicht nach Zahnarzt riecht.
„Verdächtig“, denkt sie.
Als ihr Name aufgerufen wird, ist es wieder die junge Doktor Zimmermann.
„Grüß Gott, Frau Huber“, sagt sie freundlich.
„Grüß Gott“, antwortet die Frau Huber und fügt in Gedanken hinzu: Und bitte seien’s heut besonders vorsichtig.
Im Behandlungsstuhl kneift sie die Augen zu.
„Haben Sie Angst?“, fragt die Zahnärztin.
„Na“, sagt Frau Huber, „i bin nur sehr gespannt.“
Die Plombe ist schneller drin, als die Frau Huber „Beisserl“ denken kann. Kein Ziehen, kein Drücken, nicht einmal ein unangenehmes Geräusch.
„So, das war’s schon“, sagt die Zahnärztin.
Die Frau Huber öffnet ein Auge. Dann das andere.
„Des war’s?“
„Ja.“
„Am Freitag, dem 13.?“
Die Zahnärztin lacht. „Sehen Sie, ein Glückstag.“
Draußen bleibt Frau Huber kurz stehen. Sie fühlt mit der Zunge vorsichtig nach. Alles an seinem Platz.
„Na schau“, sagt sie, „man lernt halt doch nie aus.“
Zu Hause erzählt sie dem Fritzi alles ganz genau.
„Gar net schlimm war’s“, sagt sie. „Und weißt was? Die Junge is gar net so schlecht.“
Der Fritzi zwitschert zustimmend.
Und die Frau Huber denkt sich:
Vielleicht sind Freitage, der 13., gar nicht so gefährlich. Man muss ihnen nur eine Chance geben.
Danke für die Fortsetzung, jetzt geht die Frau Huber hoffentlich wieder gerne zum Zahnarzt!