Frau Huber – Veränderungen

Neues Jahr und jede Menge Veränderungen im Haus und Leben der Frau Huber.
Das junge Pärchen ist ganz überraschend aus der Nachbarswohnung ausgezogen.
Das war echt sehr traurig für unsere Frau Huber, denn grad eben hat sie sich ein wenig mit den jungen Leuten angefreundet und sogar einen der Weihnachtsfeiertage mit ihnen verbracht.

Sie hat das Pärchen spontan für den 2. Weihnachtsfeiertag zu sich zum Essen eingeladen und sich sehr gefreut, dass die jungen Leute ihre Einladung auch angenommen haben.
Traditionell hat sie einen Stefaniebraten gemacht.
Für all jene die nicht wissen, was ein Stefaniebraten ist, sei erklärt, dass das ein Faschierter Braten oder auch Hackbraten ist, in dem hart gekochte Eier und Karotten eingebunden sind.
Und bei der Familie Huber wird dieser Braten immer am zweiten Weihnachtsfeiertag, dem Stefanietag, serviert.
Dazu gab es Petersilkartoffeln und einen grünen Salat.

Die junge Frau hat gebeten ob sie die Nachspeise mitbringen darf und Frau Huber hat da freudig zugesagt.
In einer Glasschüssel hat das Mädel ein wunderbares Apfel-Tiramisu zubereit. Der Bursche hat eine Flasche guten Wein mitgebracht und es wurde ein wunderbares Essen, bei dem sie viel gelacht und geredet haben.

Leider war es ein kurzes Vergnügen, diese Bekanntschaft, denn schon  am Neujahrstag haben die beiden der Frau Huber mitgeteilt, dass sie ausziehen werden.
Es kam für alle sehr überraschend, denn die Eltern der jungen Frau haben ihnen ihre Eigentumswohnung zur Verfügung gestellt, weil sie, die Eltern in ein geerbtes Haus ziehen werden.

Dafür wird der Bruder des Burschen und dessen Freundin, also wieder ein junges Pärchen in die Nachbarswohnung ziehen.
Somit sieht Frau Huber diese Veränderung mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Und im Erdgeschoss, da gibt es auch Veränderungen.
Die junge Familie hat Nachwuchs bekommen.
Erst kurz vor Weihnachten war der Frau Huber das Bäuchlein der jungen Frau aufgefallen.
Auf ihre Frage, wann es denn soweit sein werde, meinte die Neo-Mama, in ein paar Tagen.
Und tatsächlich, pünktlich im Neuen Jahr stand dann der Kinderwagen vor der Tür.
Ein kleines Mädchen war eingezogen, mit ganz dunklen Haaren und ebenso dunklen Augen.
Den Namen des Babys hat sich Frau Huber leider nicht merken können.

So nimmt das Leben im Haus der Frau Huber seinen Lauf und man darf gespannt sein, wie es weiter gehen wird.

1. Adventsonntag bei Frau HUBER

1. Adventsonntag bei Frau HUBER

Auch im Zimmer der Frau Huber steht ein Adventkranz auf dem Tisch.
Ganz traditionell mit drei lila und einer rosa Kerze.
Die Frau im Blumengeschäft hat ganz verdutzt geschaut, als die Frau Huber sie gebeten hat, eine der vier lila Kerzen durch eine rosa zu ersetzen.
Hat sie aber gern gemacht und die Frau Huber hat ihr dann erklärt dass man die rosa Kerze am 3. Adventsonntag anzündet, als Vorfreude auf das Weihnachtsfest.
Als es dunkel wird, zündet die Frau Huber die erste lila Kerze an und gibt eine CD mit weihnachtlichen Liedern in den CD Player.
Dabei denkt sie an früher, als ihr Mann, der Leo noch gelebt hat und die Linda noch ein kleines Mädchen war.
Am 1. Adventsonntag haben sie gemeinsam die ersten Kekse gebacken und am Abend dann beim Schein der ersten Kerze diese Kekse verkostet.
CD Player hatten sie damals keinen, aber einen Plattenspieler und eine Langspielplatte mit Weihnachtsliedern.
Zwar hat die Nadel auf der schwarzen Platte gekratzt, aber das hat der freudigen Stimmung keinen Abbruch getan.
Und dann kamen die Nachbarn zu Besuch und auch die bekamen ein paar Kekse und heißen Tee mit Rum.
Dann wurde gemeinsam zu der krächzenden Platte gesungen.
Sehr gemütlich war das.

Einen heißen Tee hat Frau Huber auch gemacht, aber ohne Rum und die Kekse hat sie am Vormittag im Supermarkt gekauft, denn für sie allein zahlt es sich nicht aus, dass sie Kekse backt.
Ein wenig traurig war die Lintschi Huber schon, dass sie den 1. Adventsonntag so allein verbringen muss.
Aber die Linda war mit dem neuen Mann und den Kindern zum Schifahren gefahren und die Nachbarn waren nicht zu Hause gewesen, es waren auch inzwischen ganz andere Leute eingezogen und die kennen den alten Brauch gar nicht.

Nach etwa einer Stunde, in der sich Frau Huber so in die Vergangenheit geträumt hatte, die Kerze am Adventkranz war schon ein wenig kleiner geworden, da klingelt es plötzlich an der Tür.
Ganz erschrocken fährt Frau Huber hoch und eilt zur Tür.
Davor steht der junge Nachbar, dem sie manchmal erklärt wie man etwas kocht oder dem sie ab und zu ein Stück Kuchen rüber bringt.
Er hält einen Teller mit duftenden Vanillekipferln in der Hand und wünscht der Frau Huber einen schönen 1. Adventsonntag.
Seine neue Freundin, die schüchtern aus der Nachbarswohnung schaut, hat das erste Mal diese Kipferl gebacken und ist so stolz drauf, dass er meinte, die müsse er der Frau Huber zeigen.

“Na kommen sie doch rein und die Freundin soll auch kommen” bittet, die Frau Huber die beiden jungen Leute in ihre Wohnung.
Sie freut sich, dass nun doch noch Nachbarn zu ihr zum Adventfeiern gekommen sind und sie erklärt dem jungen Paar diese Tradition von früher.
Die CD die längst aufgehört hat zu spielen wurde neu gestartet und es wurde ein sehr gemütlicher und stimmungsvoller Abend.

“Nächsten Sonntag kommen wir gern wieder”, meint die Freundin vom Nachbarn.
Und die Frau Huber sucht, nachdem die Beiden gegangen sind, ihr Buch mit den Keksrezepten, nun zahlt es sich ja doch aus, ein paar Kekse zu backen, ganz so wie früher !


 

 

Kommt gut in die erste Adventwoche !!

Frau Huber träumt….

Zeichnung: Dominik Voss

Heute ist Vollmond und zur Vollmondzeit träumt Frau Huber manchmal etwas eigenartig.
Am Morgen sitzt sie am Frühstückstisch und schüttelt den Kopf über den wirklich komischen Traum, der sie diese Nacht ereilt hat.

****Traum***
Die Lifttür im Erdgeschoss öffnet sich und ein großer Mann, der aussieht wie der Weihnachtsmann, nein der sieht nicht nur so aus, das ist tatsächlich der Weihnachtsmann.
Er trägt eine rote Hose, braune Stiefel, eine ebenfalls rote Jacke, auf dem Kopf eine rot-weiße Mütze mit einem großen weißen Bommel dran.
Der weiße Bart in seinem Gesicht ist ebenso weiß wie sein Haar, das aus der Mütze lugt und die buschigen Augenbrauen. Nein, da gibt es keinen Zweifel, das ist der Weihnachtsmann.
Frau Huber stellt sich nur die Frage, was der hier macht, jetzt wo es endlich Frühling wird, da ist der Weihnachtsmann doch wirklich fehl am Platz.
“Was tun sie hier um diese Zeit ?” fragt die Frau Huber den Weihnachtsmann. “Warum fragen Sie, gute Frau, wie spät ist es denn ?”
Die Antwort war irgendwie komisch. “Es geht nicht um die Uhrzeit, es ist März, da wartet niemand auf den Weihnachtsmann”

Der Weihnachtsmann aber schüttelt nur verständnislos den Kopf und fragt, in welchen Stock die gute Frau denn wohnt.
“Im 4. Stock, aber zu mir brauchen sie nicht zu kommen, jetzt ist bald Ostern und ich will da nichts mit dem Weihnachtsmann zu tun haben.”
Der Weihnachtsmann geht zur Seite und lässt die Frau Huber einsteigen, die kopfschüttelnd einsteigt und den Knopf für den 4. Stock drückt.

Kaum ist der Lift entschwunden, geht im Erdgeschoss die Haustüre auf und ein mannsgroßer Hase betritt den Hausflur. Er hat ein hellbraunes Fell, hat lange schmalen Ohren und trägt einen schweren Korb auf dem Rücken. In diesem Korb befinden sich viele bunte Eier.
Erschrocken schaut er auf als er den Weihnachtsmann erblickt.
“Bist du wahnsinnig, was treibst du dich denn da herum, es ist Osterzeit, das ist meine Zeit, verschwinde !”

“Bin ja schon weg, irgendwie muss mein Wecker sich vertan haben, aber gibt acht, die alte Frau im 4. Stock, mit der ist nicht gut Kirschen essen”

Der Osterhase lacht laut und meint “Ich hab Eier mit, keine Kirschen”
Steigt in den Lift ein und drückt auf die Taste 4. Stock.
Der Weihnachtsmann schaut dass er weiter kommt, denn ihm ist viel zu heiß in seinen Klamotten, kein Wunder bei den frühlingshaften Temperaturen.

****** Traum-Ende*****

Frau Huber denkt immer noch verwundert an ihren Traum und murmelt über ihrem Kaffee “Dieser Weihnachtsmann war ganz schön frech, der sagt doch glatt ich wäre alt und außerdem gibt es ihn doch gar nicht und den Osterhasen auch nicht “.

Frau Huber und die Rose vor der Tür

Frau Huber setzt sich an den Küchentisch, ein paar Sonnenstrahlen fallen auf den Tisch und entlocken der alten Frau ein Lächeln.
Nach der Morgentoilette braucht sie ein Häferl Kaffee, das sit noch nicht ihr Frühstück, das kommt erst später. Dafür richtet sie sich dann ein Butterbrot, manchmal mit Marmelade, oder mit Honig und manchmal auch mit Schnittlauch und Salz.

Dabei fällt ihr Blick auf den Kalender, 14. Februar – da war doch irgendwas. Sie denkt scharf nach, aber es fällt ihr nicht gleich ein, nur dass dieser Tag irgendwas bedeutet.
Nach ein paar Minuten hat sie den 14. Februar wieder vergessen und geht zur Wohnungstür um sich die Zeitung zu holen, die ihr der freundliche, junge Nachbar jeden Tag, auf die Türmatte legt.
Über der Zeitung liegt heute eine gelbe Rose, mit einem grünen Bastbändchen hängt daran ein rotes Herz auf dem steht:
“Alles Gute zum Valentinstag!

Da fällt es der Frau Huber wieder ein, heute am 14. Februar ist Valentinstag.
Und sie freut sich sehr, dass da irgendjemand, vielleicht ohnehin der freundliche junge Mann, der seit einiger Zeit nebenan wohnt, hat ihr diese gelbe Rose zur Zeitung gelegt.
Aus ihrem Abstellraum holt die Frau Huber eine schmale Vase und stellt die Rose damit auf ihren Küchentisch.

Ihre Gedanken schweifen in die Vergangenheit, als ihr Mann, der Leo noch gelebt hat. Der hat ihr ein paar Mal im Jahr Blumen geschenkt, zum Geburtstag, zum Muttertag, zum Hochzeitstag und ein paar Mal hat er ihr auch nur eine einzelne Rose mit gebracht, die hat sie mehr gefreut als die großen Blumensträuße. Das hat sie dem Leo aber nie gesagt, der war immer der Meinung, dass sie auch mit einem opulenten Strauß eine Freude hatte.
Aus der Zeit stammt auch noch die schmale Vase, in die sie heute die gelbe Rose gestellt hat.
Zum Valentinstag hat er ihr aber nie Blumen mit gebracht. Das ist nur Geldschneiderei, waren seine Worte und da würde er nicht mit machen.

Jetzt fragt sie sich aber doch, von wem die Rose ist, aber der Nachbar ist nicht zu Hause, das sieht sie schon daran, dass vor seiner Tür die Hausschuhe stehen, also kann sie ihn nicht fragen.
Sie nimmt sich vor, heute ein paar Muffins, diese neumodischen kleinen Kuchen, zu backen und ihm zwei davon vor die Tür zu legen.
Wenn die Rose doch nicht von ihm war, wars auch egal, dann hat er halt etwas worüber er sich freuen kann.
Und jetzt freut sich die Frau Huber einfach so, dass jemand an sie gedacht hat, am Valentinstag !

Frau Huber und der ungehobelte Nachbar

Frau Huber hasst es ja, wenn es Streit gibt, aber manchmal lässt es sich einfach nicht vermeiden.
Grund ist der neue Postbote, bzw. der neue Nachbar aus dem oberen Stock.
Der neue Postbote hat es immer sehr eilig und versucht dann das Austragen der Pakete so schnell wie möglich zu erledigen.
Da er weiß, dass die Frau Huber fast immer zu Hause ist, ladet er sehr oft die gesamte Schar von Paketen bei ihr ab und die Hausparteien müssen sich diese dann bei ihr abholen, obwohl Frau Huber selbst fast nie ein Paket bekommt.
Nun lag da ein Paket schon einige Tage im Vorraum der Frau Huber und keiner kam um es zu holen.
Es war an den neuen Mitbewohner im oberen Stock adressiert.
Frau Huber ging nun zu besagtem Mann, um ihm mitzuteilen, dass da ein Päckchen bei ihr liegt, das er abholen kann.
Der gute Mann war sehr ungehalten, denn er wartet schon dringend auf diese Post.
Und er wusste nicht, dass der Postbote es bei Frau Huber gelassen hat. Vermutlich hat der Paketbote vergessen eine Benachrichtigung zu hinterlegen.
Da konnte Frau Huber ja schlecht was dafür, also bat sie ihn zu ihr zu kommen und das Paket zu holen.
Da pfaucht der Mann sie an, warum sie den Karton denn nicht gleich mit gebracht hat.
“Guter Mann, der ist mir zu schwer, ich bin eine alte Frau und außerdem wusste ich ja nicht ob sie auch zu Hause sein werden”
Frau Huber war  schon etwas verwundert, dass der Mann meinte sie hätte ihm seine Post hinterher tragen sollen.
Er meinte dann, dass das Paket gar nicht so schwer sein kann und dass er sich jetzt anziehen müsste, was ihm grad gar nicht passt.
“Na dann lassen sie es bleiben, ist ja ihr Paket, nicht meins” damit verabschiedete sich Frau Huber und geht zurück in ihre Wohnung.
Tatsächlich kommt der Mann nicht mit. Also kann das Paket wohl auch nicht gar so dringend gewesen sein.

Am späten Abend, nach 22 Uhr, läutet es bei Frau Huber. Um diese Zeit öffnet sie niemanden mehr die Tür.
Sie hört nur den ungehobelten Nachbarn schimpfend von dannen gehen. Der wird wohl seine Post abholen wollen, denkt Frau Huber und muss grinsen.
Aber mal ehrlich, nach 22 Uhr eine alte Frau raus zu läuten ist schon echt unhöflich.
Am nächsten Morgen, kurz nach 8, läutet es wieder und der Mann schreit durch die Tür:”Ich will meine Post haben und wenn sie sie nicht sofort raus rücken, dann hol ich die Polizei und zeig sie an wegen Unterschlagung”.
Frau Huber braucht eine Weile bis sie ihre Schlüssel zur Hand hat und die Tür aufgesperrt hat.
Das Paket steht auf einem Hocker, gleich neben der Tür. Ungefragt reißt der Rüpel das Paket an sich und marschiert davon.
Frau Huber ist echt geschockt über so viel Dreistigkeit.

Als nun der Postbote wieder mal einige Pakete bei Frau Huber abladen wollte, hat sie die Annahme verweigert und dem Postler die Geschichte von dem Mann im oberen Stock erzählt. Der hatte auch schon so seine Erfahrungen mit dem Mitbewohner gemacht und konnte verstehen, dass Frau Huber sich die *Poststelle Huber* wie sie sich manchmal launig bezeichnet hat nicht mehr antun will.
Hilfsbereitschaft hat auch Grenzen.
Nun wird sich der Postbote wohl eine andere *Abladestelle* suchen müssen oder selbst die Pakete an der richtigen Tür abgeben.