Die angepatze Frau

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Das ist wieder mal eine U-Bahngeschichte, teil witzig für die Zuseher, teils ärgerlich für die Beteiligten.
Für jene die es nicht wissen können, weil keine Wiener, sei erklärt, dass seit irgendwann im Jänner, ein allgemeines Essverbot in der Wiener U-Bahn besteht.

Es war erst nur auf der Linie U6, weil dort offenbar viele Leute es für nötig gefunden haben, ihre Mahlzeiten in der U-Bahn einzunehmen.
Aber nicht, dass ihr denkt, man hätte dort picknickmäßig eine Serviette ausgebreitet und Teller und Besteck hervorgeholt, nein es wurden einfach Kebab, Pizza und Döner gefuttert, die eine etwas erhöhten Geruchsverbreitung hatten.

Nachdem das offenabr gut angekommen ist bei der Bevölkerung, hat man das allgemeine Essensverbot auf alle U Bahn Linien ausgedehnt. Und es per Piktogramm, Durchsagen ect. verbreitet.

Und nun zur heutigen Geschichte.
Es steigt eine junge Frau, ich hab sie auf knapp unter 30 geschätzt mit einem Becher Eis ein und nimmt neben einer anderen Frau Platz, die sie argwöhnisch anschaut, aber nichts sagt.
Die Frau löffelt mit seligem Blick ihr Eis, bis die U Bahn mit einen kräftigen Ruck stehen bleibt. Im dunklen Schacht sieht man nicht warum. Aber der Frau mit dem Eis entgleitet ein Löffelchen der Masse Eis und landet, anstatt im geöffneten Mund, auf ihrer Jean.
Nun ja, was solls, sie kramt mit einer Hand in ihrem Rucksack nach einem Taschentuch und versucht etwas ungelenk, weil ja der Becher Eis in der anderen Hand, samt Löffelchen ist, den Fleck weg zu putzen. Das gelingt ihr nur mäßig, eher vergrößert sich das Unglück.
Die Bahn fährt wieder an und sie kann das Löfferl wieder im Mund verschwinden lassen.
Genau bis zum nächsten Ruck, der diesmal gar nicht so heftig war, aber Frau war wohl durch den Fleck auf der Jean, den sie weiter argwöhnisch beäugt, etwas abgelenkt und *wies der Teufel will* landet die rosa-weiße Eismasse diesmal auf der Jacke ihrer Nachbarin.

Dass die nicht amüsed war, kann man sich vorstellen.
Mit einem *sans gscheit* – was soviel heißt wie *sind sie verrückt* (ja der Wiener Dialekt sagt nicht immer das was gemeint ist) pfaucht die Nachbarin die Eisesserin an.
Die zieht den Kopf ein wenig ein und murmelt ein *Tschuldigen*
Aber sie hat nicht mit der Reaktion der umsitzenden, anderen Fahrgäste gerechnet, denn die erklären jetzt einer nach dem anderen und auch durcheinander, dass doch ein allgemeines Essverbot besteht, dass man das doch auch sehen kann, wenn man nicht lesen kann (woher der gescheite Mann die Weisheit genommen hat, dass die Eisesserin nicht lesen kann, weiß ich nicht)
*Aber doch nur für Pizza und Döner, Eis stinkt ja nicht* kommt die wenig schlaue und leise Antwort der Patzerin.
Die angepatzte Frau will jetzt *die Daten* der Eisesserin haben, weil die muss die Reinigung der Jacke übernehmen.
Da ist sie aber grad an die Richtige gekommen. Als geübte Hausfrau sieht sie auf einen Blick, dass die angepatze Jacke waschbar sei und das schleudert sie der *angepatzten Frau* auch entgegen.
Im breitesten Wiener Dialekt schleudert sie der angepatzten Frau entgegen: “Steckens die Jacke in die Woschmaschin und lassens mi in Ruah”
Ehe sich die andere weiter aufregen hat können, weil sie ob so viel Frechheit, erst mal Luft hat holen müssen, hat die Eisesserin verschwunden., Den leeren Becher hat sie auf den Sitz gestellt.
Dort steht er vermutlich noch immer.

Ich hab das Schauspiel amüsiert verfolgt und mir gedacht, jetzt hab ich mir doch glatt die Karten fürs Simple (das ist eine Kabarett Bühne in Wien) erspart.


FOTO DES TAGES

Zwar habe ich diese Fotos schon gestern gemacht, aber erst heute bin ich dazu gekommen sie zu bearbeiten.

Palais Ferstel in Wien 

Das Palais Ferstel wurde eigentlich gar nicht als Palais erbaut , sondern als Bank- und Börsengebäude,
das im Auftrag der Nationalbank (die sich in der Herrengasse 17 befand) errichtet wurde.
Die Bezeichnung Palais kam erst viel später dazu, ebenso wie der Name Ferstel.
Das Palais Ferstel ist das einzige Wiener Palais, das nicht nach dem Eigentümer, sondern nach dem Architekten – Heinrich von Ferstel – benannt wurde.

 

WIEN – wie ich es sehe

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Foto: Andrea Voss

Der Raimundhof
ist nach dem Schauspieler Ferdinand Raimund benannt, der im dort angesiedelten Haus “Zum goldenen Hirschen” 1790 geboren wurde. Das Haus auf der Mariahilfer Straße 45 ist ein Durchhaus, das in Aneinanderreihung mehrere Stiegenhäuser und Höfe die Mariahilfer Straße mit der Windmühlgasse verbindet.
Eine Einkaufspassage sowie kleine Lokale und Cafés beleben heute den Raimundhof.

Textquelle: wien.gv.at