Frau Huber und “das hab ich vergessen”

frauhuber1In Frau Hubers Sprachschatz kommt immer öfter der Satz “Das hab ich vergessen” vor.
Sehr zum Ärgernis der Frau Huber, denn sie kann es gar nicht leiden, dass sie in letzter Zeit so vergesslich ist.
Zum Beispiel sieht sie das Bild eines Schauspielers im TV und ihr fällt um nichts in der Welt ein, wie der heißt.
Gerade bei Namen lässt ihr Gedächtnis schwer nach.
Aber auch in anderen Situationen.
Erst am Freitag hat sie 50 Euro in ihre Geldbörse gesteckt und am Samstag steht sie im Supermarkt und in der Börse sind nur noch 20 Euro. Das ist sich für den Einkauf locker ausgegangen, aber sie hat völlig vergessen wo sie die 30 Euro ausgegeben haben könnte.
Den ganzen Weg nach Hause grübelt sie, wo denn das Geld geblieben ist.
Sie war doch nur spazieren und nirgendwo einkaufen.
Zu Hause durchsucht sie erst ihre Handtasche, dann die Einkaufstasche ob sie das Geld vielleicht aus Versehen woanders hingesteckt hat oder ob da vielleicht ein Hinweis, in Form eines Kassabons wäre, aber nichts dergleichen war zu finden.
Frau Huber war schon wirklich ein wenig verzweifelt.
Bestimmt 10 mal hat sie ihre Geldbörse ausgeleert und nachgezählt, aber die 30 Euro blieben verschwunden.
Gestohlen kann sie ja wohl kaum jemand haben, denn der hätte ihr ja nicht den 20er im Börsel gelassen, war ihre Überlegung.
Die Enkelmädchen waren auch nicht da, denen steckt Frau Huber schon gern mal ein wenig Geld zu, für die kleinen Wünsche, die Mädchen in dem Alter so haben.
Das kanns auch nicht gewesen sein.
Traurig über sich selbst, weil sie so vergesslich ist, versucht Frau Huber das Grübeln zu lassen.
Es ist das erste Adventwochenende und das will sie sich nicht mit so ungemütlichen Gedanken verderben.
Lieber macht sie sich in der Küche dran die ersten Kekse zu backen.
Vanillekipferl sollen es werden, die duften so köstlich und davon will sie sich dann am Sonntag ein paar gönnen, bei einem guten Kaffee und beim Schein der ersten Kerze, am Adventkranz.
Adventkranz !!!!
Das war das Stichwort.
Beim Spaziergang am Freitag, da hat sich Frau Huber am Markt einen Adventkranz gekauft, einen liturgischen, mit 3 lila und einer rosa Kerze.
Und der hat 30 Euro gekostet !
Da war er der Geistesblitz und Frau Huber war sehr froh, dass ihr nun doch noch eingefallen ist, wo ihr Geld geblieben ist und sie macht sich mit großer Freude dran ihre Vanillekipferl zu backen.

Frau Huber und die nächtliche Störung

frauhuber1Frau Huber begibt sich meist nach dem Hauptabendprogramm im TV ins Bett.
Sehr sorgfältig verschließt sie ihre Wohnungstür und schaut auch drauf, dass die Balkontür zu ist, auch das Fenster wird ganz zugemacht, damit die Katze nicht nächtlicherweise stiften gehen kann.
Allerdings lässt sie die Türen in der Wohnung offen, also die vom Wohnzimmer ins Vorzimmer und auch die Schlafzimmertür.
Da kommt dann morgens die kleine Katze angeschlichen und schnurrt Frau Huber wach.
Vor einiger Zeit wurde diese Idylle allerdings empfindlich gestört, denn kurz nach Mitternacht, Frau Huber war grad so richtig gut eingeschlafen, läutet es plötzlich Sturm an der Wohnungstür der Huberischen Wohnung.
Erst dachte ja Frau Huber, sie hat nur schlecht geträumt und dreht sich um in ihrem Bett, aber da war der nervige Glockenton schon wieder.
Also quält sich Frau Huber aus ihrem Bett, denn so leicht fällt der alten Dame das Aufstehen gar nicht mehr, und sie sucht im Dunkeln nach ihren Pantoffeln.
Nach zwei Schritten, es läutet schon wieder, fällt ihr ein, dass sie ja nur mit einem Nachthemd bekleidet ist und sie doch nicht weiß, wer da so eilig Einlass fordert, also nimmt sie noch den Bademantel vom Hacken, im Badezimmer und schlurft zur Eingangstür an die inzwischen gepummert wird.
Umständlich sperrt sie die Tür auf uns sieht sich drei riesengroßen Feuerwehrmännern in voller Uniform gegenüber.
Die waren schon etwas ungehalten und haben gefragt, warum das denn so lange dauert bis da aufgemacht wird.
“Guter Mann, um die Zeit schläft eine alte Frau eben” meint Frau Huber und will dann wissen was der Grund für ihren Besuch sei.
Aber da haben sie die Feuerwehrmänner schon zur Seite geschoben und stapfen in ihr Wohnzimmer.
Frau Huber steht da und hat keine Ahnung was da grad geschieht.
“Brennt es irgendwo ? ”
Die Männer schauen dann auch noch in ihre Küche und erklären erst dann, dass irgendjemand im Haus versucht hätte über den Notkamin zu heizen und es zu arger Rauchbelästigung bei manchen Parteien gekommen ist.
“Womit heizen sie denn ?” fragt einer der Feuerwehrmänner.
“Mit der Heizung” war die lahme Antwort von Frau Huber.
Die Männer entschuldigen sich dann in knappen Worten und verlassen die Wohnung, nachdem sie sich überzeugt haben, dass Frau Huber nicht die Verursacherin des Rauchs in den anderen Wohnungen ist.

Frau Huber war jetzt hellwach – an schnell wieder einschlafen war da nicht zu denken.
Sie stellt den Wasserkessel an und setzt sich eine Tasse Tee auf.
Lindenblütentee, den mag sie sehr gern und sie hofft, dass der beruhigend wirkt und sie dann doch wieder schlafen kann.
Ihr Herz klopft immer noch wenn sie an den nächtlichen Überfall der Feuerwehr denkt.
Was so alles passieren kann…….

Frau Huber und die Nachbarschaft

frauhuber1Ihr habt sicher schon sehr auf eine neue Geschichte von der Frau Huber gewartet.
Nun hier ist sie ……

Ihr erinnert euch sicher noch an die neuen Nachbarn der Frau Huber, nun ganz so neu sind die ja nun gar nicht mehr.
Also die Webers haben sich als angenehme Nachbarn entpuppt und die Frau Huber ist echt froh, dass diese Leute nebenan eingezogen sind.
Heuer im Sommer, da hat die Frau Huber eine echt fiese Grippe erwischt.
Da die Frau Huber normal so gut wie nie krank ist, war das schon sehr unangenehm für sie.
Fieber, Schüttelfrost, Hals- und Kopfschmerzen haben die alte Frau geplagt. Da hat die Frau Weber ganz selbstverständlich die Pflege übernommen. Glück war auch, dass die Frau Weber grad Urlaub hatte. Sie hat auch den netten Doktor gerufen. Der hat Medikamente und Bettruhe verordnet.
Die Frau Weber hat dann Tee und Suppe gekocht und drauf geschaut, dass Frau Huber wirklich im Bett bleibt, dass immer was zu Trinken neben dem Bett stand und das Telefon in Reichweite war.
Als Frau Huber die Grippe überstanden hatte stand sie vor dem Problem wie und vor allem womit sie sich bei Frau Weber bedanken solle.
Ein Blumenstrauß oder ein Blumentopf erschien ihr irgendwie einfallslos. Da war guter Rat teuer.
Aber ihre Tochter, die Linda, die hat ihr dann aus der Patsche geholfen.
Linda häkelt sehr gerne und hat ihr einen sogenannten Seelenwärmer gehäkelt. Ein Seelenwärmer ist eine Art Bolero, aus ziemlich dicker Wolle, den man z.b. am Abend zum Kuscheln am Sofa anziehen kann.
Linda hat einen Seelenwärmer aus türkiser Wolle gemacht, Frau Huber hat die nette Handarbeit dann in hübsches Geschenkpapier gepackt und eine tolle Masche drum herum gelegt und das Paket der Frau Weber mit einer liebevollen Umarmung überreicht.
Da hat die Frau Weber große Augen gemacht und sich sehr gefreut über das tolle Geschenk.
So ein selbstgemachtes Teil erfreut die Menschen mitunter ja viel mehr, als irgendein gekauftes Geschenk.

Frau Huber geht es inzwischen wieder richtig gut. Sie ist wieder rundherum gesund und der Doktor hat ihr aber geraten ein Vitaminpräparat zu nehmen und sich auf jeden Fall gegen Grippe impfen zu lassen.
Die Impfung muss sich Frau Huber noch gut überlegen, damit hat sie es nämlich nicht so. Obwohl immer geraten wird, dass sich grad ältere Menschen impfen lassen sollten. Sie hat diese Angebote bisher noch nie in Anspruch genommen und ist auch nicht davon überzeugt, dass so eine Impfung wirklich gut ist.
Das Vitaminpräparat hat sie sich allerdings in der Apotheke geholt, das gibt es auch grad etwas verbilligt.
Das muss man ausnützen, denn das bezahlt die Kasse ja nicht und als Pensionistin muss Frau Huber schon auf ihr Geldbörsel schauen.

Es gibt noch eine Menge Erlebnisse der Frau Huber.
Dann also bis demnächst……

Frau Huber und die Überraschung beim Schuhkauf

frauhuber1Heute gehts um die Schuhe der Frau Huber.
Das mit den Schuhen ist nämlich gar nicht so einfach für ältere Damen, wie die Frau Huber.
Sie müssen natürlich in erster Linie bequem sein, dürfen nirgends drücken und sollen aber auch nicht wie “Oma-Latschen”, so sagt die Frau Huber, aussehen.
Absatz ja, aber nur wenig, maximal 3 cm.
Wie mit vielen anderen Geschäften, so ist es auch mit Schuhgeschäften, es gibt nicht mehr viele, wo man noch bedient und gut beraten wird. Fast überall gibt es nur noch Selbstbedienung und dann anstellen an der Kasse.
Aber die Frau Huber hat da eins an der Hand und das existiert auch tatsächlich immer noch.
Die Beratung, nun ja, die ist nicht mehr so üppig wie früher, aber damit kann die Frau Huber leben.
Die eine Verkäuferin, es könnte auch die Chefin sein, die gibt es dort schon seit Jahren und man höre und staune, die ist auch fast immer da.
Frau Huber steht erst eine Weile vor der Auslage und gustiert da schon mal vor. Da stehen auf so kleinen schwarzen Schildchen auch die Preise, nur leider hat Frau Huber ihre Lesebrille vergessen und kann daher nur sehr undeutlich die doch recht hohen Preise erkennen. Aber was solls, sie will jetzt ein Paar neue Schuhe haben. Preise hin oder her, so oft kauft Frau Huber ja keine neuen Schuhe.
Schwarz sollen sie sein, damit sie überall dazu passen und breit geschnitten, damit sie wie schon gesagt auch bequem sind.
Im Schaufenster sieht sie einige Schuhe, die ihr gefallen, also rein in den Laden.
Da bleibt ihr erst Mal die Luft weg, denn es ist heiß und stickig drinnen. Gut draußen hat es über 30 Grad und das Geschäft hat offenbar keine Klimanlage.
Na sie hat eh nicht vor hier Wurzeln zu schlagen, also hält sie Ausschau nach der älteren Verkäuferin, die auch gleich auf sie zu kommt um zu fragen, was sie denn für Wünsche habe.
Eigentlich hat sie ja nur einen, ein neues Paar Schuhe.
Der Blick der Fachfrau fällt auf das Schuhwerk der Frau Huber und sie lächelt wissend, fragt erst nach der Schuhgröße und bietet der Frau Huber einen Platz in einem doch eher unbequemen Sessel an und verschwindet im Lager.
Bepackt mit mehreren Kartons kommt sie wieder nach kurzer Wartezeit und jetzt kann es los gehen.
Frau Huber probiert ein Paar nach dem anderen an, manche kommen gleich gar nicht in Frage, weil sie etwas enger geschnitten sind und Frau Huber halt breite Füße hat.
Ein Paar gefällt ihr, aber das ist dunkelblau und nicht schwarz.
Ein anderes Paar ist zum Schnüren und das möchte die Frau Huber lieber nicht, weil sie kann sich nicht mehr so gut bücken.
Übrig bleibt ein Paar, schwarz, kleiner Absatz, bequem geschnitten, alles wie es die Lintschi Huber gern haben möchte, sogar der Preis stimmt, denn das Paar ist um 25% reduziert.
“Die Schuhe nehm ich ” freut sich die Frau Huber.
Und dann die Überraschung – es ist genau der gleiche Schuh, den die Frau Huber seit zwei Jahren trägt.
Beide, also die Verkäuferin und die Frau Huber haben herzlich lachen müssen.

Gekauft hat sie die Frau Huber trotzdem.

 

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Die Frau Huber und der Stephansdom

frauhuber1Neulich war die Frau Huber ja auf dem Weg in die Innenstadt um sich einen neuen Hut zu kaufen.
Ihr erinnert euch ?
Dann war da gleich in der Opernpassage dieses Hutgeschäft in dem sie fündig geworden ist und erst als sie wieder in der U-bahn gesessen ist, fiel ihr ein, dass sie nichts, aber auch gar nichts von der Innenstadt gesehen hat, nicht mal den von ihr so geliebten Stephansdom.
Also machte sie sich ein paar Tage später neuerlich auf, in die von ihr so gehasste U-Bahn zu steigen und bis Stephansplatz zu fahren. Schon auf der Rolltreppe kamen ihr eine Menge asiatisch anmutender Personen entgegen und still dachte Frau Huber, dass da wohl irgendwo eine Veranstaltung sein wird, die viele Asiaten anzog.
Als sie aus dem Untergrund rauf kam und endlich wieder Sonnenlicht sah, stand sie direkt vor dem Haupttor des Stephansdoms.
Staunend sah sie zum hohen Turm hoch, die Leute hinter ihr schimpften gleich los, weil sie einen kleinen Stau verursacht hat.
Also ein paar Schritte zur Seite und dann ein paar Schritte nach vorn.
Im Heimatkundeunterricht, so nannte man das damals wenn an Dinge über sein Land bzw. seine Heimatstadt gelehrt bekommen hat, hat man den Kindern die Legenden rund um den Stephansdom erzählt, da war auch dabei, dass neben dem großen Haupttor ein großer Kreis zu sehen war und dass daran die Menschen ihr Brot messen konnten. War das Brot zu klein, dann konnte man das beim Stadthauptmann anzeigen und der Bäcker wurde bestraft, mit dem Bäckerschupfen.
Also man sperrte den Bäcker in eine Holzkiste und diese wurde, je nach Vergehen, einige Male im Donaukanal versenkt.
Der Bäcker war dann waschelnass, aber ertrunken ist keiner dabei.
Allerdings ist das eben eine Legende, der Kreis kommt daher, dass damals das Haupttor des Domes im geöffneten Zustand festgemacht worden ist. Irgendwann ist diese Verankerung abgerissen und der Kreis darunter ist geblieben.
Frau Huber macht sich nun auf den Weg einmal rund um die Kirche zu spazieren.
Vor einer Christusstatue, an der Rückseite des Domes macht sie wiederum kurz halt, da erinnert sie sich wieder an die Legendenerzählungen ihrer Volksschullehrerin.
Das ist der Zahnweh-Herrgott !
Da sollen drei Betrunkene an der Statue vorbei gegangen sein und gelästert haben:
“Schau”, rief der eine, “unser Herrgott hat Zahnweh!” “Wundert dich das, er steht ja jahraus, jahrein im Zug”, lallte der andere. “Wir werden ihm einen Zahn ziehen müssen”, spottete der dritte.
In der Nacht konnten die drei Gesellen nicht schlafen, weil sie heftige Zahnschmerzen bekommen haben.
Der herbei gerufene Doktor konnte aber keinen Grund dafür finden und wunderte sich sehr über die drei Männer.
Den Dreien kam daraufhin der Gedanke, dass das die Strafe für ihre Lästereien sein dürften und sie pilgerten zur Statue, beteten und baten um Abhilfe. Und so schnell wie die Zahnschmerzen gekommen sind, waren sie auch wieder weg.
Zurück beim Haupttor ist Frau Huber noch in das Innere des Doms gegangen. Sehr andächtig war es da allerdings nicht, denn es wimmelte dort nur so von Touristen mit Kameras und auch ohne.
Frau Huber hat dann schnell den Abgang zur U-Bahn gesucht und sich gewundert, dass da nur eine Rolltreppe war, die aufwärts fährt, aber keine hinunter.
Lächelnd saß sie dann in der U-Bahn und hat sich gefreut, ihren “Steffl” besucht zu haben.

 

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