Der Mann von Litschi Huber ist vor 15 Jahren gestorben.
Ein klein wenig hat sie den Verlust immer noch nicht verwunden.
Aber warum auch ?
Sie geht einmal die Woche zum Grab ihres Mannes, der Friedhof ist nicht weit weg und Frau Huber ist ja noch sehr gut zu Fuß.
Zwar hat sie eine Gärtnerei beauftragt, die den Blumenschmuck am Grab pflegt, aber sie schaut dort trotzdem ganz gern nach dem Rechten.
Damals als der Herr Huber gestorben ist, da hat sich die Lintschi einen Klapphocker mitgenommen, damit sie ein wenig am Grab ihres Mannes sitzen kann. Inzwischen hat die Friedhofsverwaltung dort eine Bank aufgestellt. Das war fast wie ein Weihnachtsgeschenk und jetzt kann Frau Huber, wenn es das Wetter erlaubt auf dem Bankerl sitzen und ihrem Mann erzählen, was ihr so die ganze Woche widerfahren ist.
Wenn es kühl ist, dann nimmt die Frau Huber einen Sitzpolster mit, damit sie sich nicht verkühlt und wenns heiß ist, eine Flasche Wasser. Was davon dann übrig ist, bekommen die Blumen am Grab.
Sie weiß schon, dass das ein bisserl schrullig ist, wenn sie da auf ihrem Bankerl sitzt und dem Leo Huber erzählt, was ihr die Liesel im Kaffeehaus für Sachen gesagt hat.
Aber sie sagt, ihre Schrulligkeit, ist der Luxus des Alters. Ab einem gewissen Alter darf man schrullig sein.
Manchmal kommt der Herr Hans, der platonische Freund der Frau Huber, mit.
Das ist der Frau Huber aber gar nicht so recht, weil das geht den ja nichts an, was sie ihrem Mann zu erzählen hat. Dabei hat der Herr Hans auf dem Friedhof doch gar nichts verloren, dem seine verstorbene Frau liegt auf einem ganz anderen Friedhof und dort geht er fast nie hin.
Wahrscheinlich hat er seiner Frau nichts mehr zu erzählen, meint die Frau Huber und lächelt dabei verschmitzt.
Wie haltet ihr es mit den Besuchen bei euren verstorbenen Verwandten ?
Ich geb zu, ich besuche meine verstorbenen Eltern eher sehr selten, dabei bin ich sehr gerne auf Friedhöfen. Man findet dort sehr schöne Motive zum Fotografieren.
Urheberrechte/© Andrea Voss