Die Frau Huber und die Schatztruhe

frauhuber1Auf der Kommode der Frau Huber steht eine kleine, braune Schatztruhe, ähnlich einem alten Reisekoffer.
In diesem kleinen Kästchen bewahrt die Frau Huber Geld auf, aber nicht irgendein Geld. es sind alte Schillingnoten. Die hat sie nach der Umstellung auf den Euro nicht eingetauscht, sondern als Andenken aufbewahrt.
Es sind auch einige Münzen dabei.
Eine große, silbrige Münze, die sieht ganz seltsam aus.
Die ist aus dem Jahr 1950 – eine 1 Schilling Münze.
Die Enkelkinder der Frau Huber sehen sich das “alte Geld” sehr gerne an, sie können sich daran nämlich gar nicht erinnern.
Vor einigen Wochen hat die Lucie gefragt:”Oma, wer wird denn diese Schatztruhe einmal erben, wenn du gestorben bist ?”
Da war sie wieder, die Frage nach dem Erbe.
Die kleine Lucie hat dabei nicht bedacht, dass das ihrer Oma einen Stich versetzen könnte und die Frau Huber war ihrem Enkelmädchen auch nicht böse deswegen. Sie macht sich ohnehin immer wieder Gedanken, was mal mit ihrem Hab und Gut passieren würde, nach ihrem Tod.
Eigentlich war es der Frau Huber völlig egal, sie würde es ohnehin nicht mehr merken, wenn die Linda die Wohnung ausräumen muss und all die Dinge, die ihr jetzt lieb und wert sind, weggeben wird müssen.
Sie kann sich nämlich nicht vorstellen, dass ihre Tochter viele Dinge würd brauchen können.
Wahrscheinlich wird vieles auf einem Flohmarkt landen oder bei der Caritas.
Das wäre der Frau Huber noch am liebsten, denn da würden arme Menschen was davon haben.
Ja und das Schatzkästchen mit den paar Schilling-Scheinen und Münzen, die ohnehin kaum noch was wert sein werden, die würde sie ihren beiden Enkelinnen geben.
Aber was sollen die denn damit anfangen? Jetzt ist sie interessant, weil sie auf Omas Kommode steht, die Schatzkiste, aber später würden die Kinder bestimmt keinen Wert auf “altes Geld” legen.
Manchmal fragen die Mädels, was ein Kilo Brot oder ein Liter Milch damals zu Schillingzeiten gekostet haben.
Dann sind sie ganz erstaunt, dass man um die Scheine, die im Kistchen liegen, heute kaum noch was bekommen würde.
Die Frau Huber rechnet aber noch sehr oft den Euro in Schilling um.
Sie sagt sich dann immer, dass das wohl kaum noch relevant ist, denn auch wenn man den Schilling behalten hätte, wäre alles viel teurer geworden.

Rechnet noch jemand von euch in DM oder Schilling um ?

 

Urheberrechte/© Andrea Voss

Frau Huber und die Lottie

frauhuber1Ja wer ist denn nun wieder Lottie, werdet ihr euch fragen.
Die Frau ist eine kleine Geschichte wert.
Die Frau Huber ist ja eine ganz taffe Frau, trotz ihres hohen Alters ist sie noch sehr mobil und wirklich gut unterwegs. Körperlich wie geistig.
Aber manche Hausarbeit, wie Fenster putzen oder Boden aufwaschen ist ihr schon etwas beschwerlich.
Und da kommt Lottie ins Spiel.
Lottie ist die Putzfrau der Frau Huber und kommt einmal im Monat in die Wohnung der Frau Huber um grobe Arbeiten zu übernehmen.
Lottie putzt auch bei der Tochter von der Frau Huber, bei der Linda. Durch sie ist die Lottie auch zur Frau Huber gekommen.
Lottie ist eine große, sehr rundliche Person mit einem lauten Organ, wenn sie da ist, weiß man das im ganzen Haus. Sie singt und pfeift bei der Arbeit und erzählt laut von ihrer Familie. Ja und eigentlich heißt Lottie nicht Lottie, sondern hat einen unaussprechlich polnischen Namen und irgendwer, bei dem sie auch putzt, hat ihr den Namen Lottie gegeben.

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Die Frau Huber und Karl May

frauhuber1Im Wohnzimmer der Frau Huber steht, wie in vielen Wohnungen, ein vollgepacktes Bücherregal.
Frau Huber hat immer gern und viel gelesen und auch der Herr Huber hat gerne gelesen, wenn auch ganz andere Bücher als die Frau Huber.
Nach dem Tod vom Leo hat die Frau Huber eine Menge Bücher, die sie nicht so sehr interessierten einem Altenheim gespendet. Nur die Bücher von Karl May, die hat sie behalten. Ein paar davon hat sie auch gelesen.
Nun waren wieder mal die Enkelmädchen zu Besuch und es war ihnen langweilig.
Sie wollten unbedingt fernsehen. Aber Frau Huber meinte, sie könnten doch auch mal ein Buch in die Hand nehmen. “Wir haben aber keins mit” war die trotzige Antwort der Laura.
“Na dann nimm doch eins aus dem Regal”.
“Oma, das sind doch Bücher für alte Leute” maulte Lucie.
“Aber geh, schauts euch doch erst mal um, vielleicht findet ihr ja doch das eine oder andere Buch” Frau Huber lächelt und führt die beiden Girlies zum Bücheregal.
“Hast du echt Bücher vom Karl May” staunt Laura. “Wenn es drauf steht, wirds auch drinnen sein” erklärt ihr die Frau Huber.
Schon greift Laura nach dem “Schatz im Silbersee” und blättert in dem alten Buch.
Lucie schmollt noch ein wenig, sehr  zögerlich nimmt sie “Winnetou I ” und blickt sich um, was denn Laura mit dem ausgesuchten Buch macht.
Die hat sichs schon auf dem Sofa im Wohnzimmer gemütlich gemacht und ihre Nase tief in das Buch gesteckt.
Lucie weiß noch nicht so ganz, ob sie wirklich lesen soll, denn im TV soll es grad einen spannenden Film geben, aber da Laura nicht mehr ansprechbar ist, versucht sie es auch mit Lesen und ist schon sehr bald ebenfalls in das Werk von Karl May vertieft.

Das Läuten von Omas Handy reißt die beiden Enkelkinder der Frau Huber aus dem Lesen und sie sind ganz erstaunt, dass es schon fast dunkel ist und die Oma Huber bereits das Licht aufgedreht hat.
Am Telefon ist Linda, die Mama von Laura und Lucie und will ihre Kinder abholen kommen.
Beide betteln, dass sie noch ein wenig bleiben dürfen, weil das Buch, das sie lesen grad so spannend ist.
Linda ist völlig von den Socken, dass ihre Mädchen in einem Buch lesen und sie fragt ihre Mutter, wie sie das denn angestellt hat, die Mädels zum Lesen zu bringen.
Frau Huber meint nur, man müsse den Kindern einfach nur die Lektüre anbieten, die spannend ist und die sie und auch die Linda als Kind gern gelesen hat.
Linda kann sich das nicht erklären, bis sie hört, dass die Mädchen Karl May lesen.
Da wird ihr einiges klar. Ja, das hat sie auch verschlungen als Kind. Karl May ist eben zeitlos, immer spannend und generationsbefreit.
Natürlich dürfen die beiden die Bücher mit nehmen.
Aber Frau Huber besteht drauf, dass sie drauf aufpassen müsen und sie wieder zurück bringen.
Da handeln die Mädchen gleich aus, dass sie sich dann noch weitere Bücher aus der Bibliothek ihrer Oma ausborgen dürfen.

Habt ihr Karl May gelesen ?
Oder welche Bücher habt ihr als Kinder geliebt ?

Die Frau Huber und der Herr Haller

frauhuber1Erinnert ihr euch noch, wer der Herr Haller ist ?
Richtig, der Uhrmacher, der die goldene Uhr vom Herrn Leo Huber wieder zum Laufen gebracht hat.
Als die Frau Huber ihn damals, nach dem Abholen der Uhr verlassen hat, hat sie dieses Schild Haller & Sohn entdeckt und sie war doch ziemlich neugierig, wo denn der Sohn des Herrn Hallers sei.
Bei ihren zwei Besuchen in der Uhrmacherwerkstatt hat sie immer nur den Herrn Haller allein angetroffen.
Und da er sie ja eingeladen hat, auf ein weiteres Tässchen Pfefferminztee, hat sie eines Nachmittags beschlossen, dem Herrn Haller einen Besuch abzustatten.
An dem Tag war das Wetter auch recht gut, kein Regen, kein Schnee, kein Glatteis und so machte sich die Frau Huber auf den Weg zum Uhrmacher Haller.
Die Tür war wieder versperrt und sie musste diesmal zwei Mal klopfen, eher der Herr Haller seine Schlüssel nahm und sie einließ.

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Die Frau Huber geht ins Theater

frauhuber1Zu Weihnachten hat die Frau Huber von ihrer Tochter ein Kuvert bei den Geschenken gefunden.
Erst war sie ganz erstaunt, weil sie dachte, die Linda hat ihr einen Brief geschrieben.
Aber nein, als sie das Kuvert öffnete, war da eine Theaterkarte drinnen.
Da hat die Frau Huber noch mehr gestaunt.
Die Linda hat ihr dann erzählt, dass sie sie erst in ein Musical einladen hat wollen, aber vor Weihnachten haben sie mal über Musicals geredet und die Frau Huber hat da gemeint, dass ihr die Musik zu laut wäre, da hat die Linda umdisponiert und Karten für ein nettes kleines Theater gekauft, in dem meistens Komödien gespielt werden, wo es eine richtige Bühne gibt, mit einem schönen Bühnenbild und wo die Schauspieler auch richtige Kostüme und nicht nur Nachthemden tragen.
Erst war die Frau Huber ja nicht so begeistert vom Theater gehen, weil die Karte war für einen Freitag und da war ja immer der Krimi im Fernsehen. Aber jetzt gab es die Karte schon mal und da würde sie natürlich schon gehen und den Krimi Krimi sein lassen.
Die Linda hat sie die Woche vorher jeden Tag angerufen und sie dran erinnert, dass sie am Freitag ins Theater gehen.
Da hat sich die Frau Huber schon wieder geärgert, weil sie ist ja nicht dement, sie kann sich das Datum schon merken. » Weiterlesen

Frau Huber und das Internet

frauhuber1Wie ihr sicher wisst, hat Frau Huber kein Internet, es ist also nichts mit schnell mal ein Mail schreiben.
Und sie wehrt sich auch mit Händen und Füßen dagegen, sich einen Laptop zuzulegen.
Dabei ist sie eine absolut kluge Frau und ich bin mir sicher, sie würde die Handhabung eines PCs im Handumdrehen erlernen.
Auch sieht sie noch recht gut,  ja klar, sie hat eine Lesebrille, aber die haben ja auch viel jüngere Leute.
Ihre Tochter redet mit Engelszungen auf sie ein, sie würde ihr auch einen Laptop kaufen und sie erzählt ihr immer, dass sie dann doch mit ihren Enkelmädchen schneller in Kontakt sein könnte.

Doch die Frau Huber meint dann nur, dass sie mit der Laura und der Lucie ja ohnehin jeden Tag telefoniert.
Die Laura und die Lucie beknien ihre Oma jetzt auch schon, dass sie sich endlich Internet zulegen soll.
Die Frau Huber schüttelt aber nur verneinend den Kopf, sie will sich mit der modernen Technik nicht mehr auseinander setzen, sagt sie und hat insgeheim Angst, dass sie sich dumm anstellen könnte, wenn man ihr dazu was erklärt.

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Frau Huber und die schwarz-weißen Schuhe

frauhuber1Letztes Wochenende waren Laura und Lucie, die beiden Enkelmädchen der Frau Huber zu Besuch.
Frau Huber hat Palatschinken gemacht, die essen die beiden Mädchen ja so gerne und die Linda, ihre Mama, kocht sie nicht so besonders oft.
Vorher gabs eine Kartoffelsuppe, das war bei Frau Huber daheim, im Elternhaus schon so und später wollte der Leo das auch so, eine gute Suppe und danach was Süßes.
Nach dem Essen haben die Mädels mit der kleinen Mimi gespielt bis Laura zur Oma meinte, sie könnte ihnen doch eine Geschichte erzählen, etwas das sie erlebt hat, als sie jung war.
Schon oft hat die Frau Huber ihren Enkelinnen kleine Erlebnisse aus ihrer Kindheit erzählt und das gefiel den Kindern immer besonders gut an den Besuchen bei der Großmutter.
Frau Huber kramte nun also in ihren Erinnerungen, da fragt Lucie:”Oma, warst du auch einmal verliebt?”
Ja klar war die Frau Huber auch mal verliebt, aber nicht so oft. Sie war ja eine sehr hübsche junge Frau, besser gesagt ein sehr hübsches junges Mädchen und es hat sicher einige junge Männer gegeben die der Lintschi ein bisserl den Hof gemacht haben. Aber die Eltern waren streng und hätten es nicht geduldet, wenn sich ihre Tochter mit jungen Männern abgegeben hätte.
“Den Hof machen” – über den Ausdruck müssen die beiden Mädchen sehr lachen, das sagt heute kein Mensch mehr.
Ja und da gab es einen jungen Mann, den Robert, der ging in die  Schule nebenan.

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Frau Huber und die kleine Mimi

frauhuber1Das Kätzchen Mimi hat sich bei Frau Huber gut eingelebt.
Nachdem sie die Wohnung inspiziert hatte und das erste Mal am Futterschüsselchen genascht hat, war die Welt der kleinen Mimi offenbar in Ordnung. Hier fühlt sie sich wohl, hier ist sie zu Hause.
Die Hängematte, die die Frau Huber an der Heizung angebracht hat, hat Mimi sofort in Beschlag genommen.
Unglaublich dass so ein kleines Katzenkind gleich weiß, dass das Stück Stoff da an dem Heizkörper für sie bestimmt ist.
Auch das für sie bestimmte Körbchen hat sie ganz allein gefunden.
Frau Huber hat nun den ganzen Tag zu tun, sie schaut der Kleinen sehr gern beim Spielen zu und hat dadurch schon die eine oder andere Fernsehsendung verpasst. Das hat ihr aber gar nichts ausgemacht, denn das Ersatzprogramm war mindest genau so spannend.
Und Mimi scheint eine besonders kuschelfreudige Katze zu sein. Am Abend, beim fernschauen, rollt sie sich neben Frau Huber zusammen und stupst sie immer wieder an, wenn sie gestreichelt werden will.
Zu gern hätte sie im Bett bei der Frau Huber geschlafen, aber das hat sie sich vorher geschworen, Katze kommt nicht ins Bett.
Und seither ist die Schlafzimmertür der Frau Huber geschlossen, wenn sie zu Bett geht.

Mimi hat sich damit abgefunden. Erst maunzt sie ein paar Minuten vor der Tür, wohl in der Hoffnung, dass sich die Frau Huber erweichen lässt und sie doch ins Bett darf, dann aber trollt sie sich in ihr Körbchen und schläft dort tief und fest.
Am Morgen allerdings kennt Mimi kein Pardon, wenn sie der Hunger überkommt, dann wird laut gemaunzt, bis die Frau Huber im Bademantel auf der Bühne erscheint und die Futterschüssel füllt.
Die Beiden unterhalten sich auch schon sehr heftig.
Frau Huber erzählt Mimi aus ihrem Leben, von ihren Geschwistern und ihren Eltern und natürlich auch von ihrem Mann Leo. Mimi scheint das sehr zu interessieren, denn sie sitzt dabei auf Frau Hubers Schoß und spitzt die Ohren. Ab und zu antwortet sie miauenderweise sogar.
Es ist herzallerliebst den beiden dabei zuzusehen.
Sind ein richtig nettes Paar geworden, die Lintschi Huber und ihre kleine Katze Mimi.

Habt ihr eine Katze ? Oder ein anderes Haustier ?

 

Urheberrechte/© Andrea Voss

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