Frl. Yvi – „Wer bist denn du ?“

Das Frl. Ivy schaltet den PC in der Kanzlei aus,
Ein wenig wehmütig schaut sie aus dem Fenster, der Herbst zeigt sich schon sehr deutlich, die Blätter der Bäume, im Park, verfärben sich bereits deutlich und die Sonne hat diesen ganz eigenen Glanz, den sie nur im Herbst bekommt.
Der Sommer war wunderbar. Yvi hatte viele schöne, laue Abende verbringen dürfen. Ein Mädelsabend hat sich an den anderen gereiht.
Meist war ihre Cousine Annchen mit dabei und Gabi, Marie und Sonja. In besagtem Park befand sich ein sehr nettes Lokal, mit großem Gastgarten, wo es sehr süffigen Wein und viele warme und kalte Gerichte gab und es fand sich mindest zweimal die Woche ein Grund dort am Abend zu feiern.
Die Wirtsleute kannten die kleine Gruppe von 5 Frauen und freute sich immer wenn sie kamen um bis nach Mitternacht zu bleiben.
Warum auch immer, im Herbst fiel die Gruppe auseinander. Da blieben die jungen Frauen am Abend lieber zu Hause. Yvi wird diese Abende sehr vermissen.
„Frl. Yvi, gehen sie schon nach Hause ?“ Jeden Abend die gleiche Frage, sie kam von Frau Lore, dem Faktotum der Kanzlei, die genau wusste dass es 16.30 Uhr war und Yvi nun Feierabend hatte, es war also eher eine rhetorische Frage, die Yvi, auch wie jeden Abend, mit „Ja Frau Lore, ich bin gleich weg.“ beantwortet.
Meist fragte Frau Lore dann was sie vor hätte, mit diesem langen Abend, denn Frau Lore war immer bis 20.00 Uhr und auch noch länger im Büro. Sie hat keine Familie und meinte, ohne sie würde es nicht gehen, also verbrachte sie unbezahlter Weise meist ihre Abende mit Akten sortieren oder Briefe schreiben.

Das Frl. Yvi schlüpft in ihre Jacke, nahm ihre voluminöse Handtasche und verließ die Kanzlei, ehe der Frau Lore vielleicht noch eine kleine Arbeit für sie einfallen würde.
Ja, diese große Handtasche, die war das Heiligtum von Yvi, niemand durfte da hinein sehen. Weder Annchen, noch die Großmutti, die sie immer ein wenig aufzog, mit ihrer großen Handtasche.
Zwar fand Yvi sehr oft Dinge die sie grad benötigen würde nicht auf Anhieb, weil der Inhalt der Tasche ein wahres Sammelsurium ist und sehr oft alles durcheinander fiel, aber das stört Yvi nicht, sie kramt gerne und freut sich oft, dass sie irgendwelche Dinge, an die sie gar nicht mehr gedacht hatte darin wieder findet, wenn sie ganz was anderes sucht.
Einzig ihr Handy und ihr Schlüssel haben einen bestimmten Platz in einem Seitenfach, die beiden Dinge findet Yvi immer auf Anhieb,

So wie grad eben, als sie den Klingelton ihres Smartphones hört, aber es war nicht das Telefon, sondern der Messenger der da gehört, bzw gesehen werden möchte.
Allerdings hat ihr nicht eine ihrer Freundinnen oder Anna eine Nachricht geschickt, sondern eine ihr völlig unbekannte Nummer.
„Hast du heute Zeit, wir müssen reden“ stand da, Yvi hat keine Ahnung wer da so dringenden Redebedarf hätte.
Yvi setzt sich auf eine Bank im Park, unter ihren Füßen rascheln ein paar Blätter, die der Baum schon verloren hat, noch ein Zeichen, dass es Herbst werden dürfte.
Sie überlegt ob sie zurück schreiben soll oder ob sie die Nachricht einfach ignorieren sollte,
Es stand jedenfalls fest, dass sie da jemand angeschrieben hat, der zwar ihre Telefonnummer besaß, sie aber die des anderen Teilnehmers nicht. Ihre Neugierde war geweckt, sie wollte wissen wer sich dahinter verbarg.
Also tippt sie in das Antwortfeld;“ Wer bist denn du?“ und drückt zögerlich auf Absenden
Nach wenigen Sekunden kam Antwort „Sei nicht kindisch, das weißt du doch genau“
Na das war wohl nicht, sie schreibt zurück, tut mir leid, „ich hab keine Ahnung, sie dürften eine falsche Nummer eingetippt haben,“ Aus irgendeinem Grund ist Yvi zum SIE übergegangen, wahrscheinlich um nachdrücklich zu demonstrieren, dass sie tatsächlich nicht wusste wer da am anderen Ende dran war.
Leicht verwirrt, versenkt sie ihr Smartphone in ihrer großen Tasche und macht sich auf den Heimweg.
Sie kauft noch ein paar Dinge fürs Abendessen ein, sie war diese Woche mit Kochen dran und Annchen würde sicher mächtig Hunger haben.
Yvi wundert sich immer wieder, wo Annchen die Unmengen hin essen konnte, ohne auch nur den Hauch eines Figurproblems zu bekommen. Yvi nahm schon zu, wenn sie Annchen beim Essen zusah.
Auch ein bunter Strauß mit Herbstblumen hüpfte in den Einkaufswagen und schon hatte Yvi die ominöse Nachricht auf ihrem Smartphone vergessen.
Erst als sie ihren Einkauf verstaut hatte, die Blumen in die Vase gestellt hat, fallen ihr die beiden Nachrichten wieder ein und sie wirft noch mal einen Blick darauf und schon war wieder eine neue Antwort gekommen.
„Es tut mir leid, ich hab tatsächlich eine falsche Nummer eingetippt. Liebe Grüße Patrick“
Nun wusste Yvi zumindest mal, dass es ein Mann war, der Patrick heißt und der offenbar jemanden zum Reden brauchen würde.  Fand sie ja sehr nett, dass er sich nicht einfach aus ihrem Telefon stehlen will, sondern ihr eine Erklärung zukommen hat lassen.
„Schon ok, es ist ja nichts passiert. Hoffentlich findet sich die richtige Nummer bald. Liebe Grüße Yvonne“
Ganz schnell hat sie das Yvi zu Yvonne ausgebessert. und abgeschickt.
„Yvonne, was für ein schöner Name, LG Patrick“ kam postwendend zurück. Oh, endlich jemand der Yvonne schön fand.
Langsam bekam Yvi Spaß an der kleinen anonymen Unterhaltung.

„Leider wird er von allen Leuten rund um mich, immer abgekürzt, LG Yvonne“
„Würde ich niemals machen, dazu ist Yvonne viel zu schön, LG Patrick“
Die beiden scheiben noch einige ganz nebulose Nachrichten an diesem Abend, bis sie sich gegen 22 Uhr „Gute Nacht, Yvonne“ und „Gute Nacht, Patrick“ schreiben.
Anna, die Cousine und Mitbewohnerin von Yvi wundert sich bis dahin still, was denn mit Yvi los sei und fragt sie dann ob sie denn eine neue Bekanntschaft gemacht hätte, was Yvi mit einen ehrlichen „Nein“ beantwortet, denn diese kleine anonyme Plauderei konnte man ja wahrlich nicht als neue Bekanntschaft bezeichnen, aber wer weiß was daraus noch werden könnte.
Am nächsten Morgen, der Benachrichtigungston ihres Messengers erklang und da stand „Hast du heute Zeit, wir müssen reden“ – wieder mit Patricks Nummer.
Yvi schüttelt den Kopf, was war das denn für ein Depp, der hatte offenbar wieder die falsche Nummer erwischt.
Und sie schreibt ihm mit einem Smily zurück „Wer bist denn du ?“

Mal sehen wie es weiter gehen wird…….

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6 Responses to Frl. Yvi – „Wer bist denn du ?“

  1. Kitty says:

    Hui, jetzt bin auch neugierig!

  2. Angelika says:

    Ob er ihr wieder schreibt ? Freue mich auch schon auf die nächste Geschichte.

  3. Meli aus der CH says:

    Tolle neue Figur, die Yvi.
    Bin schon gespannt, wies weiter gehen wird. Hoffe die Autorin lässt uns nicht zu lange zappeln. 😉
    LG

  4. gloeckie says:

    Oh eine neue Figur, da bin ich ja schon gespannt wie es weitergeht mit Yvonne und Patrick

Sag bitte was dazu - ich freu mich darüber