Die Frau Huber und der Stephansdom

frauhuber1Neulich war die Frau Huber ja auf dem Weg in die Innenstadt um sich einen neuen Hut zu kaufen.
Ihr erinnert euch ?
Dann war da gleich in der Opernpassage dieses Hutgeschäft in dem sie fündig geworden ist und erst als sie wieder in der U-bahn gesessen ist, fiel ihr ein, dass sie nichts, aber auch gar nichts von der Innenstadt gesehen hat, nicht mal den von ihr so geliebten Stephansdom.
Also machte sie sich ein paar Tage später neuerlich auf, in die von ihr so gehasste U-Bahn zu steigen und bis Stephansplatz zu fahren. Schon auf der Rolltreppe kamen ihr eine Menge asiatisch anmutender Personen entgegen und still dachte Frau Huber, dass da wohl irgendwo eine Veranstaltung sein wird, die viele Asiaten anzog.
Als sie aus dem Untergrund rauf kam und endlich wieder Sonnenlicht sah, stand sie direkt vor dem Haupttor des Stephansdoms.
Staunend sah sie zum hohen Turm hoch, die Leute hinter ihr schimpften gleich los, weil sie einen kleinen Stau verursacht hat.
Also ein paar Schritte zur Seite und dann ein paar Schritte nach vorn.
Im Heimatkundeunterricht, so nannte man das damals wenn an Dinge über sein Land bzw. seine Heimatstadt gelehrt bekommen hat, hat man den Kindern die Legenden rund um den Stephansdom erzählt, da war auch dabei, dass neben dem großen Haupttor ein großer Kreis zu sehen war und dass daran die Menschen ihr Brot messen konnten. War das Brot zu klein, dann konnte man das beim Stadthauptmann anzeigen und der Bäcker wurde bestraft, mit dem Bäckerschupfen.
Also man sperrte den Bäcker in eine Holzkiste und diese wurde, je nach Vergehen, einige Male im Donaukanal versenkt.
Der Bäcker war dann waschelnass, aber ertrunken ist keiner dabei.
Allerdings ist das eben eine Legende, der Kreis kommt daher, dass damals das Haupttor des Domes im geöffneten Zustand festgemacht worden ist. Irgendwann ist diese Verankerung abgerissen und der Kreis darunter ist geblieben.
Frau Huber macht sich nun auf den Weg einmal rund um die Kirche zu spazieren.
Vor einer Christusstatue, an der Rückseite des Domes macht sie wiederum kurz halt, da erinnert sie sich wieder an die Legendenerzählungen ihrer Volksschullehrerin.
Das ist der Zahnweh-Herrgott !
Da sollen drei Betrunkene an der Statue vorbei gegangen sein und gelästert haben:
„Schau“, rief der eine, „unser Herrgott hat Zahnweh!“ „Wundert dich das, er steht ja jahraus, jahrein im Zug“, lallte der andere. „Wir werden ihm einen Zahn ziehen müssen“, spottete der dritte.
In der Nacht konnten die drei Gesellen nicht schlafen, weil sie heftige Zahnschmerzen bekommen haben.
Der herbei gerufene Doktor konnte aber keinen Grund dafür finden und wunderte sich sehr über die drei Männer.
Den Dreien kam daraufhin der Gedanke, dass das die Strafe für ihre Lästereien sein dürften und sie pilgerten zur Statue, beteten und baten um Abhilfe. Und so schnell wie die Zahnschmerzen gekommen sind, waren sie auch wieder weg.
Zurück beim Haupttor ist Frau Huber noch in das Innere des Doms gegangen. Sehr andächtig war es da allerdings nicht, denn es wimmelte dort nur so von Touristen mit Kameras und auch ohne.
Frau Huber hat dann schnell den Abgang zur U-Bahn gesucht und sich gewundert, dass da nur eine Rolltreppe war, die aufwärts fährt, aber keine hinunter.
Lächelnd saß sie dann in der U-Bahn und hat sich gefreut, ihren „Steffl“ besucht zu haben.

 

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Frau Huber und der neue Hut

frauhuber1Es wird Frühling bzw bald Sommer und Frau Huber stellt fest, dass ihr Sommerhut nicht mehr so wirklich gut aussieht. Also beschließt sie, ein neuer Hut muss her.
Nur wo bekommt man heutzutage denn so eine Kopfbedeckung her ? Hutgeschäfte gibt es kaum noch.
Die Liesel im Kaffeehaus hat ihr den Tipp gegeben, es doch in einem Kaufhaus zu versuchen, da soll es Hutabteilungen geben. Aber auch Kaufhäuser sind in Wien nur sehr spärlich zu finden.
Eins soll in der Innenstadt sein, das als ziemlich teuer bekannt ist.
Die Frau Weber, ihre Nachbarin meinte, sie könnte sich einen Hut ja auch online bestellen, aber die Frau Huber hat immer noch keinen PC und daher auch kein Internet. Auch wenn die Frau Weber ihr anbietet, dass sie ja bei ihr schauen dürfe, das war nicht wirklich das was die Frau Huber sich vorgestellt hat.
Sie möchte den neuen Hut anprobieren, sich in den Spiegel schauen und den Hut nur dann kaufen, wenn sie sich damit im Spiegel gefällt. Das geht beim Kauf im Internet ja nicht.
Auch wenn das Kaufhaus als teuer bezeichnet wird, die Lintschi will sich dort einfach mal umsehen.
Und so macht sie sich am nächsten Tag auf, um mit der U-Bahn in die Innenstadt zu fahren.
Sie fährt ja nicht gerne und daher auch nicht oft mit der U-Bahn. Um sie herum wuseln die Leute nur so herum, jeder scheint es eilig zu haben – bis auf den jungen Mann vor ihr. Er schleicht richtig dahin, hat ein Buch in der Hand und liest im Gehen.
Zwar findet die Frau Huber es toll, wenn junge Leute lesen, aber im Gehen und auf der Rolltreppe, das ist schon ungewöhnlich und auch ein wenig gefährlich.
Die Frau Huber schaut sich daher lieber nach einem Aufzug um und findet den auch, muss dann aber dort etwas warten, weil einige junge Mütter mit ihren Kinderwägen den Aufzug besetzt haben. Das macht ihr aber nichts aus, denn sie hat ja Zeit.
Am Bahnsteig angekommen, steht wieder der Junge neben ihr, der nach wie vor in seinem Buch liest. Die Frau Huber wäre echt neugierig, was denn das für ein Buch ist, das den jungen Mann so fesselt. Aber man kann am Deckel des Buches den Titel nicht erkennen.
Und da kommt auch schon die Bahn, die Türen gehen auf und die Leute marschieren schnurstracks zum Einstieg, die Leute die aussteigen wollen müssen sich richtig rauskämpfen.
Da schüttelt die Frau Huber nicht nur innerlich den Kopf, sie hat als Kind noch gelernt, dass man zuerst die Fahrgäste aussteigen lässt, aber daran scheint sich heute niemand mehr zu halten.
Es dauert wirklich nur ein paar Minuten und schon ist die Frau Huber in der Innenstadt, gleich visavis vom Ausstieg findet sie diesmal ganz schnell den Aufzug, der noch dazu ganz leer ist und der sie auch pfeilschnell an die Oberfläche fährt.
Zu ihrem grenzenlosen Erstaunen steht sie nach dem Aussteigen, in einer Einkaufspassage, vor einem Hutgeschäft. So als ob ihr Wunsch ans Universum in Erfüllung gegangen wäre.
Sogar eine sehr freundliche Verkaufskraft stellt sich ihr beratend zu Seite und die Frau Huber findet auch sogleich einen Hut, der ihr gefällt, der ihr passt und mit dem sie im Spiegel gut aussieht.
Über den Preis breitet sie den Mantel des Schweigens, aber sie gönnt sich ja sonst nichts, denkt sie lachend, packt ihre Neuerwerbung in eine Schachtel und macht sich mit der U-Bahn zurück auf den Heimweg.
Erst als sie schon in der U-Bahn sitzt fällt ihr auf, dass sie zwar in der Innenstadt war, aber den Stephansdom gar nicht gesehen hat.

Frau Huber und der Einkaufszettel

frauhuber1Frau Huber musste dringend einkaufen gehen. Im Kühlschrank war nur noch Milch, Butter und ein paar Blatt Käse.
Nur wusste sie noch nicht, was sie heute kochen sollte.
Frau Huber kocht immer für 2 Tage, weil nur eine Portion, das würde sich nicht lohnen.
Auf dem Tisch liegen neben der Zeitung ein Block und ein Stift. Da notiert die Frau Huber was sie einkaufen möchte.
Eigentlich hätte sie Lust auf Hendel mit Reis und Erbsen.
Schnell notiert sie: Hendl, Erbsen – Reis ist noch genug da. Ach ja, dieses Brathendlgewürz, das ist auch leer, also ebenfalls notiert. Obst wäre auch wieder mal gut, Äpfel oder Bananen. Und eine Gurke, zum Hendl mit Reis passt Gurkensalat sehr gut.
Frau Huber trinkt noch ihren Kaffee aus, richtet die Einkaufstasche und die Geldbörse her.
Ein Blick aus dem Fenster – ja leider den Regenschirm wird sie auch mitnehmen müssen, es tröpfelt schon ein wenig.
Also Schuhe angezogen und den Mantel, Hut aufgesetzt – ja Frau Huber trägt seit neuestem Hut, weil der Herr Haller gesagt hat, der steht ihr so gut.
Und dann geht es zum Supermarkt.

Im Stiegenhaus trifft sie die Nachbarin, die Frau Weber. Die neugierige Nase, wie sie die Frau Huber im Geheimen nennt. Die Frau Weber ist aber gar nicht mehr so arg neugierig, sie kennt inzwischen die meisten Leute im Haus und hat immer neue Informationen.
So erzählt Sie der Frau Huber, dass die Tochter vom Hausmeister ein Kind bekommt, von einem Ausländer – na sowas aber auch – die Frau Huber rollt mit den Augen und will schnell weiter gehen, bevor ihr die Frau Weber noch mehr Hausklatsch erzählt, aber die Frau Weber hält sie am Ärmel fest und flüstert ihr zu, dass neue Mieter einziehen werden, weil der alte Mann, der im 1. Stock gewohnt hat, der immer so verwirrt war, jetzt ins Altersheim ziehen hat müssen.
Die Frau Huber weiß aber, dass der alte Mann in ein Pflegeheim musste, weil er an Alzheimer erkrankte. Das tut der Frau Huber echt leid und in Gedanken hofft sie, dass ihr das nicht auch passiert.
Dann kann sie sich endlich von der Frau Weber losreißen und sich  zum Supermarkt aufmachen.

Dort angekommen sucht sie zuerst diese Marke, um einen Einkaufswagen zu nehmen. Sie kramt in der Einkaufstasche, in der Geldbörse und ärgert sich schon fast, dass sie den zu Hause vergessen hat, da findet sie ihn in ihrem Mantelsack. Offenbar schlummerte er dort noch vom letzten Einkauf.
Und dann…. ja wo ist denn nur der Zettel auf dem sie sich ihre Einkäufe notiert hat – wieder stöbert sie ihre Tasche durch und schaut in die Börse, aber da war kein Einkaufszettel.
Der liegt offenbar noch zu Haus am Tisch, neben der Tageszeitung und dem Stift.
Frau Huber seufzt und denkt, dann muss der Einkauf eben ohne Zettel gehen –

und wie war das mit der Hoffnung nicht so vergesslich zu werden, wie der alte Mann aus dem ersten Stock ?

Frau Huber und die Männer

frauhuber1Seit geraumer Zeit telefoniert die Frau Huber jeden Abend nicht mehr nur mit dem Herrn Hans sondern auch mit dem Herrn Haller.
Inzwischen ist das ja der Emmanuel, sie sind ja jetzt auch per DU.
Dem Herrn Hans passt die ganze Sache nach wie vor nicht, er reagiert immer sehr eifersüchtig und darüber muss die Frau Huber schmunzeln „Alter Depp“ nennt sie den Herrn Hans dann in Gedanken.
Aber sie freut sich auch ein wenig darüber, dass in ihrem Alter es noch Männer gibt, die auf sie so reagieren.
Dem Emmanuel ist der Herr Hans egal, er freut sich einfach, dass da jemand ist, mit dem er sich austauschen kann.
Er ist ja inzwischen in das Appartement im Pensionistenheim gezogen und fühlt sich dort auch schon recht wohl, obwohl er natürlich seine Werkstatt sehr vermisst.
Er hat einen Teil seines Uhrmacherwerkzeuges ins Heim mitgenommen und schaut hier manchmal die Uhren der Mitbewohner an, die sich sehr darüber freuen, dass sie nicht irgendwohin laufen müssen um ihre alte Uhr reparieren zu lassen. Und der Herr Haller hat eine Aufgabe.
Nun hat der Herr Emmanuel die Frau Huber schon ein paar Mal eingeladen, ihn besuchen zu kommen und ihr auch eine Tasse Tee versprochen. Am vergangenen Sonntag hat sich die Lintschi nun auf den Weg gemacht und ist zu dem Pensionistenheim gefahren. Zweimal hat sie umsteigen müssen, jedesmal war der Bus sehr voll und sie hat sich überlegt ob die Leute wohl alle zu Besuch in dieses Heim fahren würden.

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Frau Huber und der neue Doktor

frauhuber1Der nächste Schreck für Frau Huber kam, als sie hörte, dass ihr langjähriger Hausarzt die Praxis an einen jüngeren Kollegen übergeben hat.
Den alten Arzt, er war jünger als Frau Huber, kannte sie schon Jahrzehnte und er wusste über jedes Wehwehchen der Frau Huber und sicher auch vieler anderer Patienten, bestens Bescheid.
In letzter Zeit war er ein wenig zittrig geworden und es gab so viele neue Auflagen in der Praxis und seine langjährige Ordinationshilfe ist auch in Pension gegangen.
Da hatte der gute Mann einfach genug und da er den Sohn eines Freundes kannte, der eine eigene Praxis gesucht hat, hat er sich entschlossen aufzuhören.
Zwar hat er versprochen, wenn Not am Mann ist, also Urlaub ect. die Vertretung zu machen, aber ansonsten zieht er sich zurück.
Frau Huber war ehrlich entsetzt als sie sich, wegen ihrer Knieschmerzen, aufgerafft hat, endlich zum Arzt zu gehen und da saß plötzlich eine fremde Frau an der Rezeption die sie nicht freundlich mit „Hallo Frau Huber“ begrüßt hat. Sie wurde gefragt wie sie heißt. Sowas kannte sie seit Jahrzehnten nicht in dieser Ordination.
Mit einem tiefen Seufzer übergab die Frau Huber der neuen Sekretärin ihre Ecard und musste dann auch noch eine Menge Fragen beantworten, die die Frau am Computer eintippte.

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