Frau Huber und die Nachbarschaft

frauhuber1Ihr habt sicher schon sehr auf eine neue Geschichte von der Frau Huber gewartet.
Nun hier ist sie ……

Ihr erinnert euch sicher noch an die neuen Nachbarn der Frau Huber, nun ganz so neu sind die ja nun gar nicht mehr.
Also die Webers haben sich als angenehme Nachbarn entpuppt und die Frau Huber ist echt froh, dass diese Leute nebenan eingezogen sind.
Heuer im Sommer, da hat die Frau Huber eine echt fiese Grippe erwischt.
Da die Frau Huber normal so gut wie nie krank ist, war das schon sehr unangenehm für sie.
Fieber, Schüttelfrost, Hals- und Kopfschmerzen haben die alte Frau geplagt. Da hat die Frau Weber ganz selbstverständlich die Pflege übernommen. Glück war auch, dass die Frau Weber grad Urlaub hatte. Sie hat auch den netten Doktor gerufen. Der hat Medikamente und Bettruhe verordnet.
Die Frau Weber hat dann Tee und Suppe gekocht und drauf geschaut, dass Frau Huber wirklich im Bett bleibt, dass immer was zu Trinken neben dem Bett stand und das Telefon in Reichweite war.
Als Frau Huber die Grippe überstanden hatte stand sie vor dem Problem wie und vor allem womit sie sich bei Frau Weber bedanken solle.
Ein Blumenstrauß oder ein Blumentopf erschien ihr irgendwie einfallslos. Da war guter Rat teuer.
Aber ihre Tochter, die Linda, die hat ihr dann aus der Patsche geholfen.
Linda häkelt sehr gerne und hat ihr einen sogenannten Seelenwärmer gehäkelt. Ein Seelenwärmer ist eine Art Bolero, aus ziemlich dicker Wolle, den man z.b. am Abend zum Kuscheln am Sofa anziehen kann.
Linda hat einen Seelenwärmer aus türkiser Wolle gemacht, Frau Huber hat die nette Handarbeit dann in hübsches Geschenkpapier gepackt und eine tolle Masche drum herum gelegt und das Paket der Frau Weber mit einer liebevollen Umarmung überreicht.
Da hat die Frau Weber große Augen gemacht und sich sehr gefreut über das tolle Geschenk.
So ein selbstgemachtes Teil erfreut die Menschen mitunter ja viel mehr, als irgendein gekauftes Geschenk.

Frau Huber geht es inzwischen wieder richtig gut. Sie ist wieder rundherum gesund und der Doktor hat ihr aber geraten ein Vitaminpräparat zu nehmen und sich auf jeden Fall gegen Grippe impfen zu lassen.
Die Impfung muss sich Frau Huber noch gut überlegen, damit hat sie es nämlich nicht so. Obwohl immer geraten wird, dass sich grad ältere Menschen impfen lassen sollten. Sie hat diese Angebote bisher noch nie in Anspruch genommen und ist auch nicht davon überzeugt, dass so eine Impfung wirklich gut ist.
Das Vitaminpräparat hat sie sich allerdings in der Apotheke geholt, das gibt es auch grad etwas verbilligt.
Das muss man ausnützen, denn das bezahlt die Kasse ja nicht und als Pensionistin muss Frau Huber schon auf ihr Geldbörsel schauen.

Es gibt noch eine Menge Erlebnisse der Frau Huber.
Dann also bis demnächst……

Frau Huber und die Überraschung beim Schuhkauf

frauhuber1Heute gehts um die Schuhe der Frau Huber.
Das mit den Schuhen ist nämlich gar nicht so einfach für ältere Damen, wie die Frau Huber.
Sie müssen natürlich in erster Linie bequem sein, dürfen nirgends drücken und sollen aber auch nicht wie „Oma-Latschen“, so sagt die Frau Huber, aussehen.
Absatz ja, aber nur wenig, maximal 3 cm.
Wie mit vielen anderen Geschäften, so ist es auch mit Schuhgeschäften, es gibt nicht mehr viele, wo man noch bedient und gut beraten wird. Fast überall gibt es nur noch Selbstbedienung und dann anstellen an der Kasse.
Aber die Frau Huber hat da eins an der Hand und das existiert auch tatsächlich immer noch.
Die Beratung, nun ja, die ist nicht mehr so üppig wie früher, aber damit kann die Frau Huber leben.
Die eine Verkäuferin, es könnte auch die Chefin sein, die gibt es dort schon seit Jahren und man höre und staune, die ist auch fast immer da.
Frau Huber steht erst eine Weile vor der Auslage und gustiert da schon mal vor. Da stehen auf so kleinen schwarzen Schildchen auch die Preise, nur leider hat Frau Huber ihre Lesebrille vergessen und kann daher nur sehr undeutlich die doch recht hohen Preise erkennen. Aber was solls, sie will jetzt ein Paar neue Schuhe haben. Preise hin oder her, so oft kauft Frau Huber ja keine neuen Schuhe.
Schwarz sollen sie sein, damit sie überall dazu passen und breit geschnitten, damit sie wie schon gesagt auch bequem sind.
Im Schaufenster sieht sie einige Schuhe, die ihr gefallen, also rein in den Laden.
Da bleibt ihr erst Mal die Luft weg, denn es ist heiß und stickig drinnen. Gut draußen hat es über 30 Grad und das Geschäft hat offenbar keine Klimanlage.
Na sie hat eh nicht vor hier Wurzeln zu schlagen, also hält sie Ausschau nach der älteren Verkäuferin, die auch gleich auf sie zu kommt um zu fragen, was sie denn für Wünsche habe.
Eigentlich hat sie ja nur einen, ein neues Paar Schuhe.
Der Blick der Fachfrau fällt auf das Schuhwerk der Frau Huber und sie lächelt wissend, fragt erst nach der Schuhgröße und bietet der Frau Huber einen Platz in einem doch eher unbequemen Sessel an und verschwindet im Lager.
Bepackt mit mehreren Kartons kommt sie wieder nach kurzer Wartezeit und jetzt kann es los gehen.
Frau Huber probiert ein Paar nach dem anderen an, manche kommen gleich gar nicht in Frage, weil sie etwas enger geschnitten sind und Frau Huber halt breite Füße hat.
Ein Paar gefällt ihr, aber das ist dunkelblau und nicht schwarz.
Ein anderes Paar ist zum Schnüren und das möchte die Frau Huber lieber nicht, weil sie kann sich nicht mehr so gut bücken.
Übrig bleibt ein Paar, schwarz, kleiner Absatz, bequem geschnitten, alles wie es die Lintschi Huber gern haben möchte, sogar der Preis stimmt, denn das Paar ist um 25% reduziert.
„Die Schuhe nehm ich “ freut sich die Frau Huber.
Und dann die Überraschung – es ist genau der gleiche Schuh, den die Frau Huber seit zwei Jahren trägt.
Beide, also die Verkäuferin und die Frau Huber haben herzlich lachen müssen.

Gekauft hat sie die Frau Huber trotzdem.

 

Urheberrechte © Andrea Voss

Die Frau Huber und der Stephansdom

frauhuber1Neulich war die Frau Huber ja auf dem Weg in die Innenstadt um sich einen neuen Hut zu kaufen.
Ihr erinnert euch ?
Dann war da gleich in der Opernpassage dieses Hutgeschäft in dem sie fündig geworden ist und erst als sie wieder in der U-bahn gesessen ist, fiel ihr ein, dass sie nichts, aber auch gar nichts von der Innenstadt gesehen hat, nicht mal den von ihr so geliebten Stephansdom.
Also machte sie sich ein paar Tage später neuerlich auf, in die von ihr so gehasste U-Bahn zu steigen und bis Stephansplatz zu fahren. Schon auf der Rolltreppe kamen ihr eine Menge asiatisch anmutender Personen entgegen und still dachte Frau Huber, dass da wohl irgendwo eine Veranstaltung sein wird, die viele Asiaten anzog.
Als sie aus dem Untergrund rauf kam und endlich wieder Sonnenlicht sah, stand sie direkt vor dem Haupttor des Stephansdoms.
Staunend sah sie zum hohen Turm hoch, die Leute hinter ihr schimpften gleich los, weil sie einen kleinen Stau verursacht hat.
Also ein paar Schritte zur Seite und dann ein paar Schritte nach vorn.
Im Heimatkundeunterricht, so nannte man das damals wenn an Dinge über sein Land bzw. seine Heimatstadt gelehrt bekommen hat, hat man den Kindern die Legenden rund um den Stephansdom erzählt, da war auch dabei, dass neben dem großen Haupttor ein großer Kreis zu sehen war und dass daran die Menschen ihr Brot messen konnten. War das Brot zu klein, dann konnte man das beim Stadthauptmann anzeigen und der Bäcker wurde bestraft, mit dem Bäckerschupfen.
Also man sperrte den Bäcker in eine Holzkiste und diese wurde, je nach Vergehen, einige Male im Donaukanal versenkt.
Der Bäcker war dann waschelnass, aber ertrunken ist keiner dabei.
Allerdings ist das eben eine Legende, der Kreis kommt daher, dass damals das Haupttor des Domes im geöffneten Zustand festgemacht worden ist. Irgendwann ist diese Verankerung abgerissen und der Kreis darunter ist geblieben.
Frau Huber macht sich nun auf den Weg einmal rund um die Kirche zu spazieren.
Vor einer Christusstatue, an der Rückseite des Domes macht sie wiederum kurz halt, da erinnert sie sich wieder an die Legendenerzählungen ihrer Volksschullehrerin.
Das ist der Zahnweh-Herrgott !
Da sollen drei Betrunkene an der Statue vorbei gegangen sein und gelästert haben:
„Schau“, rief der eine, „unser Herrgott hat Zahnweh!“ „Wundert dich das, er steht ja jahraus, jahrein im Zug“, lallte der andere. „Wir werden ihm einen Zahn ziehen müssen“, spottete der dritte.
In der Nacht konnten die drei Gesellen nicht schlafen, weil sie heftige Zahnschmerzen bekommen haben.
Der herbei gerufene Doktor konnte aber keinen Grund dafür finden und wunderte sich sehr über die drei Männer.
Den Dreien kam daraufhin der Gedanke, dass das die Strafe für ihre Lästereien sein dürften und sie pilgerten zur Statue, beteten und baten um Abhilfe. Und so schnell wie die Zahnschmerzen gekommen sind, waren sie auch wieder weg.
Zurück beim Haupttor ist Frau Huber noch in das Innere des Doms gegangen. Sehr andächtig war es da allerdings nicht, denn es wimmelte dort nur so von Touristen mit Kameras und auch ohne.
Frau Huber hat dann schnell den Abgang zur U-Bahn gesucht und sich gewundert, dass da nur eine Rolltreppe war, die aufwärts fährt, aber keine hinunter.
Lächelnd saß sie dann in der U-Bahn und hat sich gefreut, ihren „Steffl“ besucht zu haben.

 

Urheberrechte © Andrea Voss

Frau Huber und der neue Hut

frauhuber1Es wird Frühling bzw bald Sommer und Frau Huber stellt fest, dass ihr Sommerhut nicht mehr so wirklich gut aussieht. Also beschließt sie, ein neuer Hut muss her.
Nur wo bekommt man heutzutage denn so eine Kopfbedeckung her ? Hutgeschäfte gibt es kaum noch.
Die Liesel im Kaffeehaus hat ihr den Tipp gegeben, es doch in einem Kaufhaus zu versuchen, da soll es Hutabteilungen geben. Aber auch Kaufhäuser sind in Wien nur sehr spärlich zu finden.
Eins soll in der Innenstadt sein, das als ziemlich teuer bekannt ist.
Die Frau Weber, ihre Nachbarin meinte, sie könnte sich einen Hut ja auch online bestellen, aber die Frau Huber hat immer noch keinen PC und daher auch kein Internet. Auch wenn die Frau Weber ihr anbietet, dass sie ja bei ihr schauen dürfe, das war nicht wirklich das was die Frau Huber sich vorgestellt hat.
Sie möchte den neuen Hut anprobieren, sich in den Spiegel schauen und den Hut nur dann kaufen, wenn sie sich damit im Spiegel gefällt. Das geht beim Kauf im Internet ja nicht.
Auch wenn das Kaufhaus als teuer bezeichnet wird, die Lintschi will sich dort einfach mal umsehen.
Und so macht sie sich am nächsten Tag auf, um mit der U-Bahn in die Innenstadt zu fahren.
Sie fährt ja nicht gerne und daher auch nicht oft mit der U-Bahn. Um sie herum wuseln die Leute nur so herum, jeder scheint es eilig zu haben – bis auf den jungen Mann vor ihr. Er schleicht richtig dahin, hat ein Buch in der Hand und liest im Gehen.
Zwar findet die Frau Huber es toll, wenn junge Leute lesen, aber im Gehen und auf der Rolltreppe, das ist schon ungewöhnlich und auch ein wenig gefährlich.
Die Frau Huber schaut sich daher lieber nach einem Aufzug um und findet den auch, muss dann aber dort etwas warten, weil einige junge Mütter mit ihren Kinderwägen den Aufzug besetzt haben. Das macht ihr aber nichts aus, denn sie hat ja Zeit.
Am Bahnsteig angekommen, steht wieder der Junge neben ihr, der nach wie vor in seinem Buch liest. Die Frau Huber wäre echt neugierig, was denn das für ein Buch ist, das den jungen Mann so fesselt. Aber man kann am Deckel des Buches den Titel nicht erkennen.
Und da kommt auch schon die Bahn, die Türen gehen auf und die Leute marschieren schnurstracks zum Einstieg, die Leute die aussteigen wollen müssen sich richtig rauskämpfen.
Da schüttelt die Frau Huber nicht nur innerlich den Kopf, sie hat als Kind noch gelernt, dass man zuerst die Fahrgäste aussteigen lässt, aber daran scheint sich heute niemand mehr zu halten.
Es dauert wirklich nur ein paar Minuten und schon ist die Frau Huber in der Innenstadt, gleich visavis vom Ausstieg findet sie diesmal ganz schnell den Aufzug, der noch dazu ganz leer ist und der sie auch pfeilschnell an die Oberfläche fährt.
Zu ihrem grenzenlosen Erstaunen steht sie nach dem Aussteigen, in einer Einkaufspassage, vor einem Hutgeschäft. So als ob ihr Wunsch ans Universum in Erfüllung gegangen wäre.
Sogar eine sehr freundliche Verkaufskraft stellt sich ihr beratend zu Seite und die Frau Huber findet auch sogleich einen Hut, der ihr gefällt, der ihr passt und mit dem sie im Spiegel gut aussieht.
Über den Preis breitet sie den Mantel des Schweigens, aber sie gönnt sich ja sonst nichts, denkt sie lachend, packt ihre Neuerwerbung in eine Schachtel und macht sich mit der U-Bahn zurück auf den Heimweg.
Erst als sie schon in der U-Bahn sitzt fällt ihr auf, dass sie zwar in der Innenstadt war, aber den Stephansdom gar nicht gesehen hat.

Frau Huber und der Einkaufszettel

frauhuber1Frau Huber musste dringend einkaufen gehen. Im Kühlschrank war nur noch Milch, Butter und ein paar Blatt Käse.
Nur wusste sie noch nicht, was sie heute kochen sollte.
Frau Huber kocht immer für 2 Tage, weil nur eine Portion, das würde sich nicht lohnen.
Auf dem Tisch liegen neben der Zeitung ein Block und ein Stift. Da notiert die Frau Huber was sie einkaufen möchte.
Eigentlich hätte sie Lust auf Hendel mit Reis und Erbsen.
Schnell notiert sie: Hendl, Erbsen – Reis ist noch genug da. Ach ja, dieses Brathendlgewürz, das ist auch leer, also ebenfalls notiert. Obst wäre auch wieder mal gut, Äpfel oder Bananen. Und eine Gurke, zum Hendl mit Reis passt Gurkensalat sehr gut.
Frau Huber trinkt noch ihren Kaffee aus, richtet die Einkaufstasche und die Geldbörse her.
Ein Blick aus dem Fenster – ja leider den Regenschirm wird sie auch mitnehmen müssen, es tröpfelt schon ein wenig.
Also Schuhe angezogen und den Mantel, Hut aufgesetzt – ja Frau Huber trägt seit neuestem Hut, weil der Herr Haller gesagt hat, der steht ihr so gut.
Und dann geht es zum Supermarkt.

Im Stiegenhaus trifft sie die Nachbarin, die Frau Weber. Die neugierige Nase, wie sie die Frau Huber im Geheimen nennt. Die Frau Weber ist aber gar nicht mehr so arg neugierig, sie kennt inzwischen die meisten Leute im Haus und hat immer neue Informationen.
So erzählt Sie der Frau Huber, dass die Tochter vom Hausmeister ein Kind bekommt, von einem Ausländer – na sowas aber auch – die Frau Huber rollt mit den Augen und will schnell weiter gehen, bevor ihr die Frau Weber noch mehr Hausklatsch erzählt, aber die Frau Weber hält sie am Ärmel fest und flüstert ihr zu, dass neue Mieter einziehen werden, weil der alte Mann, der im 1. Stock gewohnt hat, der immer so verwirrt war, jetzt ins Altersheim ziehen hat müssen.
Die Frau Huber weiß aber, dass der alte Mann in ein Pflegeheim musste, weil er an Alzheimer erkrankte. Das tut der Frau Huber echt leid und in Gedanken hofft sie, dass ihr das nicht auch passiert.
Dann kann sie sich endlich von der Frau Weber losreißen und sich  zum Supermarkt aufmachen.

Dort angekommen sucht sie zuerst diese Marke, um einen Einkaufswagen zu nehmen. Sie kramt in der Einkaufstasche, in der Geldbörse und ärgert sich schon fast, dass sie den zu Hause vergessen hat, da findet sie ihn in ihrem Mantelsack. Offenbar schlummerte er dort noch vom letzten Einkauf.
Und dann…. ja wo ist denn nur der Zettel auf dem sie sich ihre Einkäufe notiert hat – wieder stöbert sie ihre Tasche durch und schaut in die Börse, aber da war kein Einkaufszettel.
Der liegt offenbar noch zu Haus am Tisch, neben der Tageszeitung und dem Stift.
Frau Huber seufzt und denkt, dann muss der Einkauf eben ohne Zettel gehen –

und wie war das mit der Hoffnung nicht so vergesslich zu werden, wie der alte Mann aus dem ersten Stock ?