Der Herr Jakob – auf die Katz gekommen

Zeichnung: Dominik Voss

Der Sommer geht zu Ende, was der Herr Jakob sehr bedauert.
Denn trotz der großen Hitze, die dieses Jahr in unserer Stadt geherrscht hat, hat er es sehr genossen, jeden Tag am offenen Fenster zu sitzen und dem bunten Treiben in der kleinen Gasse zuzusehen.
Er hat einige neue Bekanntschaften gemacht, es sind neue Leute ins Haus eingezogen, auch im Haus gegenüber wohnen neue Menschen und das ist für den Herrn Jakob so, als ob er eine Illustrierte lesen würde.
Da ist zum Beispiel eine Familie mit sage und schreibe 5 Kindern. Sowas kommt heute ja eher selten vor, dass ein Paar so viele Kinder ins Leben setzt. Daher fällt das ja beinahe schon auf.
Es sind 3 Buben und zwei Mädchen, die Mädchen dürften Zwillinge sein. Sie sind immer gleich gekleidet und haben die Haare gleich zu Zöpfen gebunden. Auch so eine Seltenheit, denn meist wollen Mädchen doch eher coole Frisuren und keine Zöpfchen.
Die Buben grüßen sogar, wenn sie am Fenster vom Herrn Jakob vorbei kommen.
Die Familie wohnt im 3. Stock, man sieht am Fenster aber meist nur die Mutter, wenn sie die Vorhänge auf uns am Abend wieder zu macht.
In das Geschäftsleben ist Ruhe eingekehrt, seit der Würstelstand weg ist, ist es auch deutlich ruhiger geworden, denn die Kundschaft, die zum Biertrinken und streiten zum Stand gekommen ist, hat sich ein anderes Domizil gesucht.

Eine kuriose Begegnung hatte der Herr Jakob.
Er saß wie immer am Fenster und las in der Zeitung, die ihm der Mohamed am Morgen gebracht hat, hatte einen großen Becher Milchkaffee neben sich stehen und eine wunderbar resche Semmel aus der Bäckerei, mit Butter bestrichen auf einem kleinen Teller liegen.
Plötzlich, wie aus dem Nichts, springt eine schwarze Katze auf sein Fensterbrett.
Der Herr Jakob hat sich richtig arg erschrocken und ein paar Minuten gebraucht bis er überhaupt erkannt hat, was da grad passiert ist.
Inzwischen hat die Katze an seinem Kaffee geschlabbert und seine Buttersemmel angeknabbert.
Sowas hat der Herr Jakob noch nie erlebt, eine Katze die Kaffee trinkt.
Erst wollte er das Vieh ja von seinem Frühstück vertreiben, aber die schwarze Katze rieb sofort ihr Köpfchen an seiner Hand, so als ob sie um Entschuldigung bitten würde. Da brachte es der Herr Jakob nicht übers Herz, sie zu vertreiben.
Als ob die Katze genau das geahnt hätte, ließ sie sich gemütlich auf dem Kissen, das Herr Jakob als Armstütze am Fensterplatz liegen hat, nieder und döste so in der Sonne.
Nun war der Herr Jakob auf die Katze gekommen.
Gespannt verbrachte er den Tag mitsamt Katze am Fenster. Zu Mittag schnitt er ein wenig von der Leberwurst ab und reichte sie dem Kätzchen, die verschlang das Mahl in Windeseile.
Die Blumenfrau, die zum Rauchen ans Fenster gekommen war, staunte nicht schlecht über den Zuwachs des Herrn Jakobs.
„Ist das ein ER oder eine SIE ?“ fragt sie den Herrn Jakob.
Der schaut sie mit großen Augen hinter seiner Brille an und zuckt nicht wissend mit den Schultern.
Und ehe die beiden Leutchen nachsehen hätten können, sprang die Gastkatze vom Fensterbrett und verschwand um die Hausecke.
„Schad, irgendwie hab ich mich grad an sie gewöht“ bedauert der Herr Jakob.

Ob sie wohl wieder kommen wird ?

Herr Jakob und der Eiermann

Nun kommt wieder die Zeit, wo Herr Jakob am offenen Fenster sitzen kann um sich am Treiben der kleinen Straße zu erfreuen.
Die Leute, die ihn kennen, gehen mit einem Lächeln im Gesicht an ihm vorbei und die Frau Matzner kommt wieder oft um eine zu rauchen ans Fenster des Herrn Jakobs.
Da ja nun, wie wir schon wissen, der Würstelstand jetzt weg ist, hat er auch wieder mehr Ausblick von seinem Fenster aus.

Gestern Morgen blieb ein weißer Lieferwagen stehen, auf dem an der Seite ein großes Ei mit wunderbar gelbem Dotter aufgemalt war.
Ein beleibter Mann, mit einer großen weißen Schürze, stieg aus und läutete mit einer überdimensional großen Glocke.
„Der Eiermann ist da “  – „Der Eiermann ist da “ – rief er mit lauter Stimme und gleich flogen einige Fenster im Haus und auch gegenüber auf und die Hausfrauen riefen erfreut „Ich komm gleich“.
Und tatsächlich bildete sich schnell eine Schlange von Damen und auch Herren vor dem Lieferwagen des Eiermanns.
Der stand auf der Rampe des Autos und verkaufte „frische Eier direkt vom Bauernhof“.
Fast alle Kunden nahmen eine Eierpalette mit 30 Stück und zogen frohen Mutes davon.
Nur drei alleinstehende Frauen baten um kleine Packungen mit 10 Stück.
„Bin ja allein, da brauch ich nicht so viel“ meinte die Frau Fanny vom Haus vis a vis und der Eiermann versprach nächste Woche wieder zu kommen, da gibt es dann ohnehin wieder ganz frische Eier.
Herr Jakob überlegte hin und her, ob er nicht auch so eine kleine Packung Eier nehmen sollte.
Zückte dann seine Geldbörse und sah nach wie viel Geld er noch zu Hause hatte.
Die letzte Hausfrau hat sich eben auf den Heimweg gemacht, der Eiermann erblickte den Herrn Jakob am Fenster und nickte ihm fragend zu.
„Ja, gebens mir auch 10 Stück“ bat der Herr Jakob.
„Sehr gut, das sind meine letzten 10. Nachschub gibts nächste Woche“, mit diesen Worten sprang der dicke Mann, dem man das gar nicht zugetraut hätte von seinem Wagen und stapfte über die Straße um die letzten Eier dem Herrn Jakob zu verkaufen.

Heute gibts Eierspeise, denkt der Herr Jakob.
Dazu braucht er aber unbedingt frisches, knuspriges Brot und das holt er sich aus der kleinen Bäckerei gegenüber.
Die junge Bäckerin fragt den Herrn Jakob, was es denn bei ihm heute Gutes geben würde.
Er erzählt ihr, die Geschichte mit dem Eiermann und dass er jetzt im Besitz von 10 Eiern war, ganz frisch vom Bauernhof.
Da gibt ihm die Bäckerin den Tipp, zur Frau Matzner in den Blumenladen zu gehen, die hat auch Schnittlauch im Töpfchen im Angebot, der würde sich hervorragend auf der Eierspeise machen.

Guten Appetit, Herr Jakob !

Der Herr Jakob und die neue Aussicht

Der Herr Jakob war einige Tage krank, eine Verkühlung hat ihn ereilt und er konnte wenig bis gar nicht am Fenster sitzen.
Es war aber Gott sei Dank nicht gar so schlimm, ein wenig Husten und Schnupfen und erhöhte Temperatur. Aber er war doch ein paar Tage im Bett. Jetzt nach einigen Tagen hat er seinen Sessel wieder ans Fenster stellen können und da war er dann sehr überrascht über den ungewohnten Ausblick.
Denn in seiner Abwesenheit ist das Würstelstandel vis a vis weg gekommen.
Erst dachte er ja, er sehe nicht richtig, aber als die Frau Matzner den Herrn Jakob am Fenster erblickte, hat sie schnell ihr Zigarettenpackerl und das Feuerzeug geschnappt, ist in ihren Mantel geschlüpft und zum Herrn Jakob geeilt. Das Blumengeschäft hat sie inzwischen abgesperrt und das Schild mit Komme gleich angehängt.
„Na was sagen sie dazu ? Das Würstelstandel ist weg“ schnauft die Frau Matzner zwischen zwei Zügen an ihrer Zigarette.
Der Herr Jakob war erst mal sprachlos. Was nicht so alles geschehen kann, wenn er nur ein paar Tage nicht am Fenster zur Straße sitzt.
Er fragt die Frau Matzner, was denn da passiert ist, aber genau weiß sie es auch nicht.
Angeblich hat der Besitzer sich irgendwie übernommen und hat Konkurs anmelden müssen.
Und deswegen ist das Standel abgebaut worden.
Nun ja, der Herr Jakob begann sich daraufhin etwas zu freuen, denn nun hatte er wieder mehr Ausblick und er hoffte außerdem dass jetzt die launigen Biertrinker, die gern beim Würstelstand waren und sich oft sehr lautstark unterhalten haben, weg sind.
Die Frau Matzner erzählt auch noch, dass die Bäckersleute auch sehr froh sind, denn die hoffen ja nun, dass wieder mehr Leute in ihr Geschäft kommen.
Den Herrn Jakob aber interessiert ob die Frau Matzner schon eine neue Floristin eingestellt hat.
Da erinnert sich die gute Frau daran, dass sich ja gleich eine Frau vorstellen kommen wird. Sie drückt schnell ihre Zigarette aus, packt sie in ihren Miniaschenbecher und eilt in ihr Geschäft.
Vielleicht ist das ja ihre neue Kollegin und die möchte sie nur ungern warten lassen.
Am Eingang winkt sie dem Herrn Jakob noch schnell zu. Denn nun sieht er ja wieder zum Blumengeschäft der Frau Matzner.
Und er freut sich schon, wenn es Frühling wird und vor dem Geschäft wieder die Kübeln mit den bunten Blumen stehen werden.
Eine schöne wiedergewonnene Aussicht.

 

Herr Jakob am Fenster zur Straße und die neue Welt

Zeichnung @ Dominik Voss

Es ist Winter geworden und der Herr Jakob muss sein Fenster meist geschlossen halten, weil es ihm sonst zu kalt in der Wohnung werden würde. Aber wenn die Frau Matzner zum Rauchen an sein Fenster kommt, dann öffnet er es natürlich gerne, dabei lüftet er gleich, meint er immer.
Obwohl sich dabei natürlich der Rauch von den Zigaretten der Frau Matzner auch in seine Wohnung zieht.
Grad aber hat die Frau Matzer große Probleme mit ihrem Personal. Die junge Floristin mit dem dicken Zopf, die dem Herrn Jakob so gut gefällt, die wird immer unzuverlässlicher, sie kommt oft zu spät, geht 100 mal am Tag aufs WC, da hat die Frau Matzner schon gedacht, dass sie vielleicht krank wäre, aber dann ist sie drauf gekommen, dass die junge Frau immer am WC telefoniert oder am Smartphone tippt.
Her Jakob meint, die ist verliebt, vielleicht hat sie einen neuen Freund.
„Ja das kann schon sein, aber deswegen darf doch die Arbeit nicht leiden.“ Die Frau Matzner hat da wenig Verständnis.
Und dann kam die nächste Hiobsbotschaft, die Angestellte will kündigen. Grad jetzt, im Advent, wenn so viel zu tun ist, will die von einem Tag auf den anderen, ohne Kündigungszeit einfach weg.
Die Frau Matzner ist echt am Verzweifeln, wo soll sie denn so schnell Ersatz her bekommen ?
Nur kann ihr der Herr Jakob da leider auch nicht wirklich helfen, er hört sich aber ihre Sorgen gern an.
Und stellt ihr seinen Aschenbecher dabei zur Verfügung.
Beim Würstelstand vis a vis ist jetzt nur sehr wenig los, den Leuten ist wohl zu kalt zum Herumstehen.
Aber der Herr Jakob hat auch gehört, dass der Verkäufer, der immer die Nachmittagsschicht macht sehr unfreundlich sein kann und vor allem viel Schimpf für die Ausländer auf den Lippen hat.
Manche Gäste schimpfen dann mit, aber es gibt auch welche die reden dagegen bzw sind Fürsprecher für die Menschen die hier Zuflucht suchen und dann gibt es Streit.
Der Besitzer des Standels, der mag es gar nicht wenn es solche Streits gibt, denn die Bewohner des Hauses unter dem der Würstelstand steht, die haben schon mehrmals die Polizei geholt und das tut seinem Geschäft nicht gut.

So ist dem Herrn Jakob jetzt manchmal langweilig, wenn er am Fenster sitzt. Das ist im Winter leider oft so, er kennt das ja schon.
Und so hat er sich überlegt, dass er sich heuer zu Weihnachten selbst ein Geschenk machen wird und er hat sich ein Smartphone gekauft.
Gar nicht so einfach damit zurecht zu kommen.
Aber da nahte Hilfe – der Mohamed, der ägyptische Student, der ihm immer die Zeitung ans Fenster bringt, der kennt sich super aus mit so einem Ding und der hat ihm geholfen das Smartphone einzurichten. Und er hat ihm auch vieles erklärt, was so nicht in der Beschreibung steht.
Für den Herrn Jakob hat sich damit eine ganz neue Welt aufgetan. Unglaublich welche Informationen er da heraus holen kann.

Und wir dürfen gespannt sein, wie es dem Herrn Jakob mit seinem Smartphone weiter gehen wird.
Da wird bestimmt die eine oder andere nette Geschichte dabei sein.

Herr Jakob braucht einen Geschenketipp

herrjakob_klHerr Jakob sitzt gerne am Fenster seiner Wohnung im Erdgeschoss und beobachtet das Geschehen auf der Straße.
Mit der Frau Matzner, die das Blumengeschäft vis a vis führt, hat er sehr guten persönlichen Kontakt.
Sie kommt ab und zu am Tag zu ihm ans Fenster um eine Zigarette zu rauchen.
Nun weiß der Herr Jakob, dass die Frau Matzner demnächst Geburtstag hat und er würde ihr gerne eine Kleinigkeit schenken.
Nur weiß er leider nicht was. Blumen wären in dem Fall wohl nicht so angebracht.
Viel Geld kann Herr Jakob auch nicht ausgeben, denn seine Pension ist nicht ganz so üppig.
Er hat zwar genug zum Leben, kann sich auch die eine oder andere kleine Freude leisten, aber großartige Geschenke sind da eher nicht drinnen.
Zu Weihnachten bäckt der Herr Jakob immer ein Früchtebrot, in kleinen handlichen Wecken, die er dann nett verpackt verschenkt.
Da hat der Herr Jakob zwei Mal was davon, einmal, weil er das Früchtebrot gerne bäckt und dann wenn er es verschenkt und die Leute Freude damit haben.
Aber jetzt zum Geburtstag da hat er keinen Schimmer, was er besorgen soll.
Und fragen kann er leider auch niemanden, denn der Herr Jakob lebt ja allein.
Er überlegt, dass er ca. 15-20 Euro ausgeben würde können.
Ob sich die Frau Matzner über ein buntes Tuch freuen würde ?
Erst vor ein paar Tagen hat er bei einem Stand am Markt einen Ständer mit vielen bunten Tüchern und Schals gesehen.
Dieser Stand ist ihm grad eben eingefallen. Er hat aber vergessen zu schauen, was diese Tücher kosten würden.
Am Nachmittag macht sich Herr Jakob auf den Weg zum Markt.
Er hatte Glück, der Stand war offen und die Tücher standen an ihrem Platz.
Herr Jakob lässt ein paar Tücher durch seine Finger gleiten und entscheidet sich dann für einen pinkfarbigen Schal.
Der Verkäufer verpackt den Schal in einem Papiersäckchen und knöpft dem Herrn Jakob dafür 10 Euro ab.
Sehr erfreut, dass er sogar unter seinem Budget geblieben ist und dennoch ein nettes Geschenk ergattert hat, macht sich der Herr Jakob auf den Heimweg.
Am Zeitschriftenladen bleibt er kurz stehen und möchte eine Zeitschrift kaufen, in der viele nette Ideen für Weihnachtskekse und Kuchen sind. Er hofft, da ein paar neue Ideen für seine Weihnachtsüberraschungen zu finden.
Dabei fällt sein Blick auf einen Stapel Geschenkpapier. Davon nimmt er noch einen Bogen und auch noch eine Rolle Geschenkband, womit er den Schal der Frau Matzner verpacken möchte.
Es macht ihm richtig Spaß ein hübsches Präsent herzustellen, das er dann auf die Fensterbank legen wird.
Er hofft sehr, dass sich die Frau Matzner freut, über die kleine Überraschung Zum Geburtstag.

Und wir dürfen uns auf die nächste Geschichte freuen, wenn der Herr Jakob erzählt, wie die Übergabe war.
Hättet ihr dem Herrn Jakob einen anderen Tipp für ein Geschenk geben können ?