Frau Huber und das Christkind

Es ist Abend und Frau Huber bereitet sich eine Kanne Tee zu. Ihre Tochter hat ihr zum Nikolaus wunderbar duftenden Vanilletee geschenkt, den gießt sie sich jetzt jeden Abend auf und trinkt ihn beim Fernsehen.
Plötzlich läutet es.
Dem Klang der Klingel nach muss das unten beim Haustor sein. Aber Frau Huber erwartet niemanden und schaut daher erst beim Fenster raus um vielleicht zu sehen, wer da an ihrer Glocke gedrückt hat. Aber da steht niemand vor dem Haus. Schnell schließt sie das Fenster wieder, es ist ziemlich kalt in dieser Nacht.
Angespannt lauscht Frau Huber ob sie den Lift hört, aber da ist kein Geräusch.
Wahrscheinlich war es eins der Kinder, die noch nicht lesen können und die halt irgendwo läuten wenn sie ins Haus rein wollen.
Nun macht sie es sich am Sofa bequem, es ist Donnerstag und gleich kommen die “Rosenheim Cops”.
Da allerdings vernimmt sie ein komisches Geräusch, als ob jemand über den Gangboden schleift.
Sie dreht das Licht im Wohnzimmer ab, wobei das eigentlich sinnlos ist, denn man kann von Draußen nicht sehen ob das Licht in der Wohnung brennt, außer vielleicht im Vorraum.
Leise schleicht sie in den Vorraum und schaut durch den Spion, aber auch da ist es stockdunkel und sie kann nichts sehen..
Also zurück aufs Sofa….. und da ist das Geräusch wieder, das eindeutig vom Gang kommt.
Also schaut sie wieder durch den Spion, aber keiner ist zu sehen.
Langsam kommt sie sich etwas komisch vor. “Na ich glaub ich werd alt, seh und hör da schon Gespenster”
Aber dafür ist die Frau Huber zu realistisch, sie weiß dass es keine Gespenster gibt.
Trotzdem macht sie sich Gedanken was denn das gewesen sein könnte.
Sie wandert zurück auf ihr Sofa, schenkt sich eine neue Tasse Tee ein und versucht dem Film im TV zu folgen.
Jetzt ist es völlig ruhig im Haus.
Jetzt läutet ihr Handy – um die Zeit, wer kann denn das sein ?
Am Display sieht sie nur eine Nummer, die sie aber nicht kennt.
Trotzdem geht sie ran und freut sich, dass ihre Nachbarin, die Frau Wagner anruft. Die hat jetzt auch ein Handy, daher kennt die Frau Huber diese Nummer noch nicht.
Die Frau Wagner will aber nicht nur plaudern, sondern fragt ganz aufgeregt, ob bei ihr auch angeläutet worden ist, die Frau Wagner ist nämlich allein zu Hause und hat ein wenig Angst. Das Geräusch am Flur hat sie nicht gehört. Da ist sie direkt froh darüber, denn sonst hätte sie sich noch mehr gefürchtet.Die Frau Huber versucht sie aufgeregte Nachbarin zu beruhigen, sagt ihr nur, sie soll halt niemand aufmachen, falls es nochmal läuten sollte.

Inzwischen sind die Rosenheim Cops zu Ende und fast ärgert sich die Frau Huber, weil sie jetzt nicht weiß wie der Fall gelöst worden ist.
Also trinkt sie ihren Tee aus und macht sich fertig für die Nacht.

Am Morgen zieht sie ihren Schlafrock und die Pantoffeln an und macht einen Blick vor ihre Wohnungstür.
Da liegen eine Menge Tannennadeln am Boden und Frau Huber lächelt, wird wohl das Christkind gewesen sein, dass da in der Nacht diese seltsamen Geräusche gemacht hat.
Schnell wählt sie die neue Nummer, die gestern angerufen hat und teilt das auch der Frau Wagner mit, die muss herzlich lachen:
“So alt haben wir werden müssen, um nochmal ans Christkind zu glauben”
Na dann Frohe Weihnachten.

Die Frau Huber und Karl May

frauhuber1Im Wohnzimmer der Frau Huber steht, wie in vielen Wohnungen, ein vollgepacktes Bücherregal.
Frau Huber hat immer gern und viel gelesen und auch der Herr Huber hat gerne gelesen, wenn auch ganz andere Bücher als die Frau Huber.
Nach dem Tod vom Leo hat die Frau Huber eine Menge Bücher, die sie nicht so sehr interessierten einem Altenheim gespendet. Nur die Bücher von Karl May, die hat sie behalten. Ein paar davon hat sie auch gelesen.
Nun waren wieder mal die Enkelmädchen zu Besuch und es war ihnen langweilig.
Sie wollten unbedingt fernsehen. Aber Frau Huber meinte, sie könnten doch auch mal ein Buch in die Hand nehmen. “Wir haben aber keins mit” war die trotzige Antwort der Laura.
“Na dann nimm doch eins aus dem Regal”.
“Oma, das sind doch Bücher für alte Leute” maulte Lucie.
“Aber geh, schauts euch doch erst mal um, vielleicht findet ihr ja doch das eine oder andere Buch” Frau Huber lächelt und führt die beiden Girlies zum Bücheregal.
“Hast du echt Bücher vom Karl May” staunt Laura. “Wenn es drauf steht, wirds auch drinnen sein” erklärt ihr die Frau Huber.
Schon greift Laura nach dem “Schatz im Silbersee” und blättert in dem alten Buch.
Lucie schmollt noch ein wenig, sehr  zögerlich nimmt sie “Winnetou I ” und blickt sich um, was denn Laura mit dem ausgesuchten Buch macht.
Die hat sichs schon auf dem Sofa im Wohnzimmer gemütlich gemacht und ihre Nase tief in das Buch gesteckt.
Lucie weiß noch nicht so ganz, ob sie wirklich lesen soll, denn im TV soll es grad einen spannenden Film geben, aber da Laura nicht mehr ansprechbar ist, versucht sie es auch mit Lesen und ist schon sehr bald ebenfalls in das Werk von Karl May vertieft.

Das Läuten von Omas Handy reißt die beiden Enkelkinder der Frau Huber aus dem Lesen und sie sind ganz erstaunt, dass es schon fast dunkel ist und die Oma Huber bereits das Licht aufgedreht hat.
Am Telefon ist Linda, die Mama von Laura und Lucie und will ihre Kinder abholen kommen.
Beide betteln, dass sie noch ein wenig bleiben dürfen, weil das Buch, das sie lesen grad so spannend ist.
Linda ist völlig von den Socken, dass ihre Mädchen in einem Buch lesen und sie fragt ihre Mutter, wie sie das denn angestellt hat, die Mädels zum Lesen zu bringen.
Frau Huber meint nur, man müsse den Kindern einfach nur die Lektüre anbieten, die spannend ist und die sie und auch die Linda als Kind gern gelesen hat.
Linda kann sich das nicht erklären, bis sie hört, dass die Mädchen Karl May lesen.
Da wird ihr einiges klar. Ja, das hat sie auch verschlungen als Kind. Karl May ist eben zeitlos, immer spannend und generationsbefreit.
Natürlich dürfen die beiden die Bücher mit nehmen.
Aber Frau Huber besteht drauf, dass sie drauf aufpassen müsen und sie wieder zurück bringen.
Da handeln die Mädchen gleich aus, dass sie sich dann noch weitere Bücher aus der Bibliothek ihrer Oma ausborgen dürfen.

Habt ihr Karl May gelesen ?
Oder welche Bücher habt ihr als Kinder geliebt ?

Herr Jakob und der Blumenladen

herrjakob_klIn der Straße, in der der Herr Jakob wohnt sind einige Geschäfte, eine Bäckerei mit einem kleinen Cafe, ein Blumenladen, ein Obst- und Gemüsegeschäft, ein Friseur und auch ein Supermarkt, vorne an der Ecke.
Wenn der Herr Jakob am Fenster sitzt, dann sieht er besonders gut zur Bäckerei und zum Blumenladen.
Das Obst-und Gemüsegeschäft wird es vielleicht nicht mehr lange geben, weil viele Leute kaufen gleich alles im Supermarkt ein. Das tut dem Herrn Jakob sehr leid, denn das Ehepaar, das das Gemüsegeschäft schon viele Jahre betreibt, leidet darunter sehr.
Erst vor ein paar Tagen haben die beiden seufzend erwähnt, dass sie vermutlich bald zusperren müssen.
Dabei haben die das Geschäft schon 25 Jahre in dieser Straße.
Das Blumengeschäft dagegen floriert, die haben grad erst eine neue Floristin eingestellt und auch ein Lehrmädchen.
Die neue Floristin ist eine sehr hübsche junge Frau, vielleicht 35 Jahre alt, schlank, mit langen dunklen Haaren, die sie immer zu einem Zopf gebunden hat.
Die geht jeden Tag am Fenster vom Herrn Jakob vorbei, aber sie hat noch nie mit ihm gesprochen, nicht einmal gegrüßt hat sie ihn bis jetzt.

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Papa Olli und seine Kochkünste

papa-zeichnung2Wenn Papa Olli keine Lust auf Oma Hilde hat oder die verreist ist, dann muss er selbst kochen.
Oma Hilde tischt ihm zwar gerne seine angeblichen Lieblingsspeisen auf, aber das sind Gerichte von denen nur sie denkt, dass es Papa Ollis Lieblingsessen sei.
Hühnerschnitzel mit Salat wäre ja ganz nett, wenn es Erdäpfelsalat wäre, aber Krautsalat oder grüner Salat passen da nicht dazu, nach Ollis Meinung. Und Pommes gibt es auch keine, weil die sind zu fett, meint Oma Hilde.
Dabei ist Olli rank und schlank.
Also wenn Papa Olli kocht, gibt es Pizza aus der Tiefkühltruhe oder Ravioli aus der Dose.
Nur wenn Evy bei ihm ist, dann muss es was “Gesundes ” sein und das ist schwierig, weil Evy ist heikel und ihre Mama ist sehr bedacht auf gesundes Essen.

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Ein prall gefüllter Rucksack

busDer Bus in den ich einstieg war sehr voll, wie leider fast jeder Bus dieser Linie ist.
Ganz hinten, in der Reihe, die gegen die Fahrtrichtung zeigt, sitzt am Außensitz eine Frau. Der Sitz am Fenster ist frei.
Die Frau, sie ist  ziemlich voluminös, hält einen wirklich dicken und offenbar schweren Rucksack auf den Knien.
Sie zwinkert mir freundlich zu und deutet auf den Platz neben sich. Ich nicke und zwänge mich an ihr vorbei um mich zu setzen.
Dabei hat die gute Frau sicher meinen Popo im Gesicht gehabt. Ich bin ja auch nicht eben schlank und brauche daher etwas Platz beim Setzen.
Wiederum zwinkert mir die Frau schelmisch zu und ich denke mir grad, *will die was von mir*?
Da schnuppert sie  an mir, was mich etwas unsicher macht – “puhh – stink ich ” ??
Doch, doch ich hab geduscht am Morgen und auch Deo verwendet und auch einen Hauch Parfum.
Nach einigen Minuten fragt die Frau flüsternderweise: “Du Parfum ??”
*Hää???* ja hab ich…..*
“Welches du nehmen?”
Mir fällt grad nicht ein, wie mein Parfum heißt, also zucke ich nur mit den Schultern.
Da beginnt sie den Rucksack aufzuschnüren und lässt mich einen Blick rein werfen.
Ich staune…..
Unzählige Schachteln mit Markenparfum schleppt sie da mit sich herum – kein Wunder dass der Rucksack so schwer und prall aussieht – und bietet es mir zu einem sündhaft günstigen Preis an.
Ich wehre dankend ab, aber die lässt nicht locker und zeigt mir, eine lange Station lang – die nimmt sowieso kaum ein Ende – immer wieder eine andere Marke.
Ich schüttle weiterhin verneinend meinen Kopf !

Nein danke, auf sowas lasse ich mich bestimmt nicht ein und ich bin auch total verwundert, dass sie das so öffentlich macht. Die Frau könnte ja auch mal an jemand Falschen kommen.
Die hat entweder einen Laden geplündert oder das waren keine Originale, sondern gut gemachte Kopien.
Sahen aber wirklich echt aus.

Aus sicherer Quelle weiß ich, dass in Drogeriemärkten gestohlen wird, was das Zeug hält.
Vielleicht werden diese gestohlenen Artikel so an den Mann bzw. an die Frau gebracht.
Unglaublich !

Gottseidank kam dann die Station bei der ich aussteigen musste.
Die Frau mit dem schweren Rucksack ist auch gleich mit ausgestiegen und im Gewühl der anderen Passagiere verschwunden.

 

Urheberrechte/© Andrea Voss