Plauderei im Cafe – Zucker im Kaffee (2)

Zeichnung: Dominik Voss

Der Junge rührt immer wieder in seinem Kaffee um, der Jo denkt, dass sich der Zucker langsam aufgelöst haben dürfte, aber er will den Burschen nicht drängen, denn offenbar tut sich der schwer mit seiner Erzählung.
Es stellt sich heraus, dass sich die Eltern getrennt haben, die Mutter eine kapriziöse Frau, die immer im Mittelpunkt stehen will, der Vater ein in sich gekehrter Mann, viel älter als seine Frau, der die Pensionierung nur schwer verkraftet hat. Der Bub wird von beiden verwöhnt, von der Mutter aber sehr vereinnahmt.
Mitten in die Erzählung fragt die neugierige Frau Winter, was denn in dem Kuvert ist, das der Junge liegen gelassen hat.
*Da sind meine Adoptionspapiere drinnen* ziemlich gepresst kommen diese Worte.
Alle halten die Luft an, damit hat keiner gerechnet.
*ich hab erst jetzt erfahren, dass ich adoptiert worden bin und bin so enttäuscht, dass meine Mutter mich jahrelang angelogen hat*
Alle nicken verständnisvoll. *Aber es hat dich bestimmt nicht nur deine Mutter angelogen, dein Vater war da wohl auch dran beteiligt* mischt sich die kleine Serviererin ein. *Ja aber der hat sich wenigstens entschuldigt, während meine Mutter meint, dass das normal ist, dass man das einem Kind nicht so ohne weiteres erzählt. Das *einem Kind* betont er ganz besonders. *Wie alt bist du eigentlich ?* fragt ihn der Jo *Ich war gestern 19 und als Geschenk hab ich erfahren, dass ich adoptiert bin* bitter klingen die Worte des jungen Mannes.
*Ich hab daraufhin meine Sachen gepackt und bin zu meinem Vater gezogen, nur die Papiere hab ich liegen gelassen und die hat mir meine Mutter heute nachgebracht und sie will, dass ich sofort wieder heim komme, zu ihr*
*Und wirst wieder nach Hause ziehen ? fragt die kleine Serviererin
Inzwischen sind fast alle Gäste gegangen, nur der Herr Schiller sitzt noch an seinem Platz am Fenster.
*Nein, das wird er nicht*
Alle drehen sich ruckartig um.
*Papa ???*
Der Junge springt erstaunt auf und läuft zum Herrn Schiller hin.
Der Dichter deutet seinem Sohn, dass er sich setzen soll
Die umstehenden Leute mitsamt der Frau Winter, die ausnahmsweise mal still ist, schauen erstaunt auf.
Da sitzt der Dichterfürst ganz still und leise im Cafe und der Bub merkt nicht, dass sein Vater auch da ist.
Der Jo gibt den Leuten einen Wink, dass man die Beiden jetzt in Ruhe lassen soll.
Er geht zur Theke und stellt das schmutzige Geschirr zusammen, die Serviererin räumt die Tische ab, von denen die Gäste schon gegangen sind und die Frau Winter nimmt ihren Einkaufskorb und verabschiedet sich, nicht ohne anzukündigen, dass sie wieder kommen wird, damit sie erfährt, was sich weiter getan hat.

Kommt ihr auch wieder um weiter zu lesen :-)

Plauderei im Cafe- Zucker im Kaffee (1)

Die kleine Serviererin stellt das Geschirr in den Geschirrspüler und macht dabei Fussübungen, auf die Zehen – auf die ganze Sohle – auf die Ferse erst mit beiden Füssen , dann links und dann rechts. Der Jo schaut ihr lachend zu und räumt das saubere Geschirr weg.
Die Tür geht auf und ein junger Mann, den weder der Jo, noch die Serviererin kennen, kommt herein.
Suchend schaut er sich um, aber da nur der Dichterfürst und ein Pärchen im Cafe sitzen, dürfte der oder die die er sucht, nicht da sein.
Also setzt er sich so, dass er die Tür im Auge hat und bestellt einen Kaffee, bitte mit Milch und Zucker.
Milch bekommt er in einem kleinen Kännchen und der Zucker steht in Form eines Zuckerstreuers am Tisch.
Gleich nachdem der Kaffee gebracht wird, kippt er erst mal den Inhalt des Kännchens in die Tasse und greift nach dem Zuckerstreuer. Er lässt den Zucker kange rieseln und der Jo denkt noch, na ob das jetzt nicht zu viel war.
Der Gast rührt in seiner Tasse und rührt und rührt und schaut dabei immer wieder hoffnungsvoll zur Tür.
Endlich tut sich da was, die Tür öffnet sich und herein kommt – die Frau Winter.

Die fängt gleich eine lautstarke Unterhaltung mit dem Jo an, der ihr schnell ihr Glas Wasser hinstellt und hofft, dass sie dann den Mund halten würde.
Sie sieht den Dichter am Fenster sitzen, aber sie spricht ihn nicht mehr an, seit ihr der Jo gesagt hat, dass der Mann Ruhe braucht zum Schreiben.
Dann erblickt sie den jungen Mann, der immer noch seinen Kaffee umrührt. Der Blick haftet immer noch an der Tür.

“Auf wen wartet der denn ?” flüstert die Frau Winter dem Jo zu. Der hat wie sie keine Ahnung und zuckt nur mit den Schultern.
Dem Jo fällt auf, dass die Musik aufgehört hat, also muss er sich um den CD-Player kümmern und lässt die Frau Winter einfach stehen.
Da geht wieder die Tür auf und eine ältere Frau, elegant gekleidet, mit einem riesigen Hut auf dem Kopf betritt das Cafe.
Sofort springt der junge, nervöse Mann auf und stürmt auf sie zu. Küsst sie auf beide Wangen und bietet ihr den Platz an seinem Tisch an.
Die Augen der Frau Winter werden kugelrund und der Dichterfürst schaut erstaunt zu dem ungleichen Paar.
Die Beiden sprechen sehr leise und man sieht, dass die umsitzenden Gäste gerne gehört hätten was da gesprochen wird.
Die elegante Dame beginnt in ihrer Handtasche zu kramen und wird fündig, sie zieht ein oranges Kuvert heraus und übergibt es dem jungen Mann.
Er legt es achtlos auf den Tisch und beginnt ein Gespräch mit der Dame.
Am Gesicht der Frau Winter kann man ablesen, dass ihre Neugierde ins Unermessliche gestiegen ist.
Die Dame bestellt nun eine Tasse Darjeeling-Tee und die Beiden beginnen eine lebhafte Unterhaltung, die wiederum keiner verstehen konnte.
Auch der Jo war auf das ungleiche Paar aufmerksam geworden. Beim Servieren des Tees, vernahm er nur, dass der junge Mann die Dame “Mutter” nannte.
Das Gesicht der “Mutter” konnte er gar nicht richtig sehen, es verschwand unter dem riesigen Hut.
Nachdem die Frau den Tee ausgetrunken hatte, der Sohn etwas zerknirscht neben ihr saß, erhob sie sich ganz plötzlich, drehte sich um und verließ ohne sich umzusehen das Cafe.

Plötzlich war es ganz still und der junge Mann schaut sich betreten um
“Das war meine Mutter” sagt er in die Stille, die immer noch herrscht. Es hat zwar keiner gefragt, aber irgendwie hatte er das Bedürfnis, diesen Auftritt seiner Mutter zu erklären. Der Jo, die Frau Winter und der Dichterfürst nicken.
“Und was wollte sie ?” fragt die neugierige Frau Winter.
“Sie ist bös auf mich, weil ich bei meinem Vater wohne und nicht bei ihr” seine Stimme klingt grad ein wenig weinerlich.
Plötzlich springt er auf, wirft 10 Euro auf den Tisch und rennt aus dem Lokal. Am Tisch liegen geblieben ist das orange Kuvert, das die Mutter ihm übergeben hat.
Die kleine Serviererin sammelt das Geschirr in dem noch der ganze Kaffee ist, das Geld und das Kuvert ein und bringt alles zur Theke.

“Schaust rein? fragt die Frau Winter den Jo. “Nein, wirklich nicht, der wird schon zurück kommen, wenn er merkt dass er es vergessen hat”
Der Dichter am Fenster hat seinen Bleistift angespitzt und schreibt wieselflink weiter, offenbar hat er nun Futter für seine Geschichten bekommen.

Da kommt der junge Mann auch wirklich schon zurück und schaut entgeistert dahin wo er vorher gesessen ist.
“Ich hab doch meinen Kaffee noch gar nicht getrunken gehabt !” ruft er empört.
“Ich mach dir einen neuen Kaffee” meint der Jo ganz ruhig und dann erzählst uns was du für ein Problem hast.
Erleichtert setzt sich der junge Mann, gibt unendlich viel Zucker in seinen Kaffee und fängt an zu erzählen…….

 

Fortsetzung folgt……

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