Frau Huber – Ein Tag ohne…..

Guten Morgen !!
Frau Huber begrüßt sich jeden Morgen selbst beim ersten Blick in den Spiegel.
Ohne hinzusehen greift sie zur elektrischen Zahnbürste um sich die Zähne zu putzen.
Danach Hände und Gesicht gewaschen und dann raus aus dem Nachthemd.
Einige Minuten später, der Griff zur Kaffeemaschine um sie einzuschalten…..
Aber was war das ? Da tat sich nichts.
Die Maschine wird doch nicht den Geist aufgegeben haben ?
Macht nichts, sie kann ja Filterkaffee mit der Hand machen.
Also Wasser in den Wasserkessel füllen und ……wieder nichts…….
Erst jetzt kommt der Frau Huber die Idee, dass es daran liegen könnte, dass sie keinen Strom hat in ihrer Wohnung.
Also versucht sie das Licht aufzudrehen, das war bisher nicht nötig, denn die Sonne schien in ihre Küche.
Und die Zahnbürste hat ja schließlich auch funktioniert.
Aber es war es sinnlos den Schalter zu betätigen.
Die ganze Wohnung war stromlos.
Na da kam Freude auf,
Schnell zieht die Frau Huber eine Weste über, nimmt den Schlüsselbund und eilt zu den Nachbarn um zu fragen ob die auch ohne Strom wären.
Die Familie bestätigt, auch sie hätten keinen Strom und sie haben schon versucht in der Hausverwaltung anzurufen, aber da meldet sich niemand.
„Vielleicht habens auch keinen Strom“ murmelt die Frau Huber grantig und geht zurück in ihre Wohnung.
„Machens um Himmels Willen die Tür vom Tiefkühlschrank nicht auf, sonst taut ihnen der Inhalt noch auf“ ruft die Nachbarin noch ganz schlau hinterher, aber da hört die Frau Huber schon gar nicht mehr hin.
„Was mach ich denn nun, kein Kaffee das geht gar nicht.“
Aber sogleich hat sie eine rettende Idee. Sie stapft in ihr Vorzimmer, zieht sich Schuhe, Mantel und Hut an und schließt die Wohnung ab.
„Dann geh ich halt ins Kaffeehaus und frühstücke dort.“ murmelt sie zu sich selbst. Gleich kommt sie allerdings drauf, dass auch der Lift nicht geht, wenn es im Haus keinen Strom gibt.
„Bewegung ist gesund, geh ich halt über die Treppe“ – so viel wie heute hat die Frau Huber schon lange nicht mehr mit sich selbst geredet. Sie verzieht noch das Gesicht, weil ihr sogleich einfällt, dass sie die Treppe ja auch wieder hinauf gehen wird müssen, wenn sie  heim kommt.
Im Kaffeehaus wird sie ganz erstaunt beäugt, denn niemand kann sich erinnern, dass die Frau Huber mal am frühen Vormittag ins Lokal gekommen wäre. Meist war sie ja zum Mittagessen oder zum Kaffeekränzchen mit den anderen Pensionisten da.
Sie bestellt sich erst einen Kaffee und dann eine Buttersemmel und eine Portion Honig.
Zufrieden wischt sie sich den Honig von den Lippen und nimmt den letzten Schluck Kaffee.
Am Eingang liegen immer die neuen Tageszeitungen, von denen holt sie sich eine und vertieft sich darin.
Irgendwann nach einigen Minuten steht plötzlich die Liesel, ihre Freundin vor ihr und staunt auch dass die Lintschi da sitzt und Zeitung liest, bis sie von der mieslichen Lage im Huber-Haus erfährt.
Die beiden Damen plaudern und lachen und Frau Huber ist jetzt gar nicht mehr grantig und findet es toll, dass sie zum Frühstücken außer Haus gegangen ist.
Das könnte sie eigentlich öfters machen.
Liesel fragt nach einer Weile ob die Frau Huber mit ihr mitkommen mag, zum Einkaufen.
Da es wahrscheinlich immer noch keinen Strom geben wird, lässt sich Frau Huber nicht zweimal bitten und die beiden Damen zahlen und ziehen los zum Supermarkt.
Der Einkauf zieht sich ein wenig in die Länge und schon ist es Mittag.
Frau Huber überlegt, was sie zu Mittag essen könnte, etwas wofür man keinen Strom braucht.
Sie könnte nun wieder zurück ins Kaffeehaus gehen und schauen was es da als Mittagsmenü gäbe.
Die Liesel fand die Idee ganz Klasse und wiederum staunt die Belegschaft des Lokals, dass die beiden Damen schon wieder da sind.
Beide bestellen sich das Menü und die Frau Huber lässt sich die Nachspeise, ein großes Stück Apfelstrudel einpacken, fürs Abendessen. Sie hat noch eine Flasche Mineralwasser in der Küche stehen, weil Tee wird sie sich nicht machen können, aber das war ihr inzwischen auch egal.
In ihrem Haus angekommen stapft sie schwungvoll die Stiegen zu ihrer Wohnung hinauf, sie lächelt in sich hinein und denkt, dass sie die Kalorien vom Mittagessen somit wieder abgebaut hat.
Als sie oben ankommt, steht die Nachbarin vor ihrer Tür und grüßt sie freundlich.
„Warum gehens denn über die Stiegen, Frau Huber ?“
„Der Lift fährt doch wieder und wir haben auch wieder Strom seit einer Stunde“
Frau Huber seufz, das hat sie gar nicht bemerkt, lacht aber in sich hinein, weil sie hat den Tag ohne Strom so nett verbracht, war gar nicht schlimm.
In ihrer Wohnung angekommen, dreht sie die Kaffeemaschine auf und freut sich auf eine Tasse guten Kaffee.
Und das Stück Apfelstrudel, das sie sich einpacken hat lassen.

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