Plauderei im Cafe – Sprachlos

Der Jo hat sich entschlossen, die Fotos des Herrn Moser aufzuhängen.
Einige Landschaftsaufnahmen, zwei Fotos, mit Kaffeetassen, die besonders gut ins Lokal passen, zwei Blumenfotos, ein Schmetterlingsbild und ein Mädchenfoto, das sehr ästhetisch aussieht und gar nichts pornomäßiges an sich hat.
Und er hat mit dem Herrn Moser ausgemacht, dass die Fotos jeden Monat wechseln werden.
Begeistert zeigte sich auch die Frau Winter, denn sie nahm für sich in Anspruch, dass es ja ihr Werk sei, dass der Herr Moser und der Jo zusammen gekommen sind.
Jeden Tag sitzt die gute Frau jetzt im Cafe, schaut verliebt auf die Fotos und erzählt, jedem der es hören will oder auch nicht, dass sie den Künstler persönlich kennt.
Mehr als ihr Glas Wasser bestellt sie meist nicht.
Aber heute war alles ganz anders, die Frau Winter kam schwungvoll,  wie auf einem Hexenbesen, ins Cafe geritten.
Rief schon bei der Tür dem Jo zu, dass sie einen Cappuccino und ein Kipferl haben will – und ein Glas Wasser.
Der Jo überlegte was denn passiert sein könnte, wie er denn zu der Ehre käme, dass die Frau Winter mal wirklich was konsumiert.
Aber er musste nicht lange warten, schon sprudelte es aus der Frau Winter heraus, dass sie im Lotto gewonnen hat.
Ganze 550 Euro.
Davon konnte sie sich schon ein kleines Frühstück beim Jo leisten.
Der Jo freute sich für die Frau Winter, hat es aber auch gleich wieder vergessen, weil eine Horde Jugendlicher ins Cafe kam, sich auf die verschiedenen Tische verteilte und alle sofort und gleich was zu trinken wollten.
Keine Frage, es war heiß draußen und die Jungs und Mädeln sind durstig.
Die Frau Winter hat sich auf einen der kleinen Tische,ganz hinten im Lokal verzogen und sah dem bunten Treiben der Jugend aus sicherer Entfernung zu.
Da fiel ihr Blick auf die Füße des einen Jungen. Und ihre Augen wurden kugelrund und riesengroß.
Der Bub trug zwei verschiedene Schuhe. Beides Turnschuhe, aber der eine war gelb mit grün und der andere rot mit weiß.
Sie überlegte scharf ob sie den Buben drauf aufmerksam machen sollte.
Und sprach ihn dann echt mit ihrer doch recht lauten Stimme an.
„Buberl, du hast zwei verschiedene Schuh an“
Das Buberl fühlte sich erst gar nicht angesprochen, erst als einer seine Kollegen ihn drauf aufmerksam machte, dass die Frau da hinten, zu ihm was gesagt hat, schaut er fragend zur Frau Winter.
„Schau mal auf deine Füß, du hast heut früh wohl noch geschlafn wie du dich angezogen hast“
Der Junge schaut auf seine Schuhe – inzwischen war es mucksmauserlstill im Lokal.
Dann fing die Horde laut an zu lachen.
Und alle redeten durcheinander, aber man konnte erfahren, dass das Absicht sei.
„Das gehört so“ sagten einige Buben und die anderen lachten immer noch.
Entrüstet meinte die Frau Winter: „Und deine Mutter lasst dich so aus dem Haus gehen ?“
Der Knabe mit den zwei verschiedenen Schuhen meinte dann schlagfertig: „Die hat die anderen zwei Schuhe an“

Die Frau Winter versteht die Welt nicht mehr, trinkt ihren Kaffee aus, legt dem Jo das Geld auf den Tresen und verlässt schweigend und kopfschüttelnd das Lokal. Sehr ungewöhnlich, dass es der Frau Winter die Sprache verschlagen hat.

Die Horde Burschen und Mädchen aber kriegen sich vor Lachen gar nicht mehr ein.

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One Response to Plauderei im Cafe – Sprachlos

  1. Susanna says:

    Da sind wohl Welten aufeinandergeprallt ;-))) Ich find das witzig, hab Crocs in türkis und violett, und zu Hause ziehe ich total gern einen in Türkis und einen in violett an… zu bunten Turnschuhen passt das sicher auch gut…

Sag bitte was dazu - ich freu mich darüber