Herrn Jakobs Nachtruhe

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Die Geschäfte haben alle geschlossen und die Leute, die morgen wieder zur Arbeit müssen, gehen um diese Zeit zu Bett. Ein Fenster nach dem anderen wird dunkel und die Menschen, die durch die Straße laufen, werden immer weniger.
Herr Jakob zieht um diese Zeit die Vorhänge zu, allerdings brennt dann noch ein paar Stunden lang das Licht, wenn er liest oder fern schaut. Da kommt auch niemand mehr an sein Fenster zum Plaudern.
Es ist Nachtruhe…..
An diesem Tag aber war es anders, denn plötzlich um 22.30 Uhr läutete es.
Erst dachte Herr Jakob, dass sich da ein paar Jugendliche einen Scherz erlauben würden. Aber nach dem 3.x klingeln hat er dann doch nachgeschaut wer da vor der Tür ist und da standen 2 Polizisten.
Sie wollten wissen ob der kleine Herr Wagner, der wirklich sehr klein ist, zu Hause sei.
Ja wie soll der Herr Jakob das denn wissen, er war ja weder der Hausmeister noch hat er Röntgenaugen.
Grad heute war der Herr Jakob ein bisserl grantig und wenn man ihn um die Zeit rausläutet wegen so einer Frage, dann wird er gleich noch grantiger.
Der Herr Wagner wohnt im 1. Stock und sein Name steht auch an der Klingel.
Die Polizisten meinten aber, dass sie dort auch geklingelt hätten, es macht aber keiner auf.
Ja dann wird der kleine Herr Wagner nicht zu Hause sein, pfaucht der Herr Jakob.
Die Polizisten gehen wieder, ohne sich zu entschuldigen was der Herr Jakob gar nicht nett findet. Ein bisschen mehr Höflichkeit kann man sich doch wohl von der Polizei erwarten, denkt er so bei sich.
Und er will grad den Fernseher wieder lauter drehen, da klingelt es schon wieder.
Was ist denn da heute nur los ?
Der Herr Jakob schleicht wieder zur Tür und da steht der kleine Herr Wagner und bittet ihn aufzumachen, weil er seine Schlüssel verloren hat.
„Und wie kommens dann in ihre Wohnung ?“ fragt der Herr Jakob und rollt mit den Augen.
„Ja das wird schwierig“ gesteht der kleine Herr Wagner.
„Und die Polizei sucht sie auch schon“ klärt der Herr Jakob den Herrn Wagner auf.
„Meine Schlüssel ?“ fragt der kleine Herr Wagner. „Aber nein, nicht die Schlüssel, sie suchen die“
Erschrocken  meint der Herr Wagner dann, dass er vielleicht doch bei seinem Bruder, der wohnt zwei Gassen weiter, übernachten wird und morgen dann einen Schlüsseldienst holen wird, damit er wieder in seine Wohnung kann.
„Wenns wollen, könnens bei mir am Sofa übernachten“ bietet der Herr Jakob dem Herrn Wagner an.
Sehr erleichtert kommt der Herr Wagner in die Wohnung vom Herrn Jakob und bedankt sich.
Er bekommt auch noch ein Stamperl Schnaps und dann gehen die beiden Herren zu Bett.
Der Herr Jakob kann lange nicht einschlafen, durch die Tür hört er aber den kleinen Herrn Wagner schnarchen.

Am nächsten Morgen, beim Kaffee, den der Herr Jakob auch für den Herrn Wagner gemacht hat, überlegen die beiden Männer, was denn die Polizei vom Herrn Wagner gewollt haben könnte.
Da läutet es schon wieder an der Tür vom Herrn Jakob und wieder stehen die beiden Polizeibeamten, die schon in der Nacht da waren, vor der Tür. sie suchen den Herrn Wagner immer noch.
Der kommt mit schlurfenden Schritten an die Tür und schaut die beiden Polizisten fragend an:
„Hab ich was angestellt ?“ Die Polizisten lachen, „Aber nein, Herr Wagner, wir haben da ihre Schlüssel, die haben sie auf der Straße verloren und eine gute Frau hat sie bei uns abgegeben und weil ihr Name und Adresse am Schildchen gestanden ist, bringen wir sie ihnen vorbei“
Dem Herrn Wagner ist ein Stein vom Herz gefallen und er bedankt sich überschwenglich bei der Polizei.
Die aber wehren ab und raten dem Herrn Wagner, dass er das Schild runter geben soll, weil wenn ein unehrlicher Mensch die Schlüssel gefunden hätte, der hätte einbrechen können, weil ihm zu den Schlüsseln auch gleich die Adresse wie am Serviertablett angeboten worden ist. Das sei sehr leichtsinnig, meinten sie streng.
Das sieht der Herr Wagner ein, dass das wirklich nicht klug war.

Obwohl wenn er nicht so leichtsinnig gewesen wäre, dann hätte die Polizei nicht gewusst wo sie seine Schlüssel abgeben sollen.
Die Polizei dein Freund und Helfer.

Hättet ihr jemals ein Namensschild an eurem Schlüsselbund angebracht ?

 

Urheberrechte/© Andrea Voss

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8 Responses to Herrn Jakobs Nachtruhe

  1. Caro says:

    Namen habe und hatte ich keinen am Schlüssel.

    Die Geschichte ist sehr, sehr nett!! Gefällt mir gut.

    LG Caro

  2. gajako says:

    Niemalsnienicht!
    Ich habe nur einen Reserveschlüssel bei einem guten Freund deponiert, damit ich im Fall des Falles wenigstens in meine Wohnung komme.

  3. Susanna says:

    nein niemals, aber in dem Fall war es wohl ausnahmsweise gut 😉 Der Herr Wagner sollt sich vielleicht auch noch überlegen und z.B. beim Bruder einen Ersatzschlüssel deponieren…

  4. Fabsi says:

    Ich kann ehrlich gesagt garnicht glauben, dass das wer macht …… also mir würd das nicht in 100 Jahren einfallen 😉

    • Peggy says:

      Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber in unsere Schlüssel sind die Stiege und die Türnummern eingraviert,.
      Also nicht von uns, sondern von der Genossenschaft.
      Wenn man da den Schlüssel in der Anlage verliert, dann kommt auch einer der Nachbarn vorbei und bringt den Schlüssel.

Sag bitte was dazu - ich freu mich darüber