Frau Huber und die schwarz-weißen Schuhe

frauhuber1Letztes Wochenende waren Laura und Lucie, die beiden Enkelmädchen der Frau Huber zu Besuch.
Frau Huber hat Palatschinken gemacht, die essen die beiden Mädchen ja so gerne und die Linda, ihre Mama, kocht sie nicht so besonders oft.
Vorher gabs eine Kartoffelsuppe, das war bei Frau Huber daheim, im Elternhaus schon so und später wollte der Leo das auch so, eine gute Suppe und danach was Süßes.
Nach dem Essen haben die Mädels mit der kleinen Mimi gespielt bis Laura zur Oma meinte, sie könnte ihnen doch eine Geschichte erzählen, etwas das sie erlebt hat, als sie jung war.
Schon oft hat die Frau Huber ihren Enkelinnen kleine Erlebnisse aus ihrer Kindheit erzählt und das gefiel den Kindern immer besonders gut an den Besuchen bei der Großmutter.
Frau Huber kramte nun also in ihren Erinnerungen, da fragt Lucie:“Oma, warst du auch einmal verliebt?“
Ja klar war die Frau Huber auch mal verliebt, aber nicht so oft. Sie war ja eine sehr hübsche junge Frau, besser gesagt ein sehr hübsches junges Mädchen und es hat sicher einige junge Männer gegeben die der Lintschi ein bisserl den Hof gemacht haben. Aber die Eltern waren streng und hätten es nicht geduldet, wenn sich ihre Tochter mit jungen Männern abgegeben hätte.
„Den Hof machen“ – über den Ausdruck müssen die beiden Mädchen sehr lachen, das sagt heute kein Mensch mehr.
Ja und da gab es einen jungen Mann, den Robert, der ging in die  Schule nebenan.

Lintschi ging in eine sogenannte Hauswirtschaftsschule in die damals nur Mädchen gingen. Daneben war ein Gymnasium für Buben.  Man sah die Jungs also nur auf dem Schulweg oder in der Pause im Schulhof.
Ob der Ausdruck „den Hof machen“ daher kommt ?
Nun dieser Robert hätte der Lintschi sehr gut gefallen, er war groß und blond und immer sehr gut gekleidet, denn er kam im Gegensatz zur Lintschi aus einem sehr begüterten Elternhaus.
Er hat immer schwarz-weiße Schuhe angehabt und einen dunkeln Anzug und hat schon als junger Bursch meistens eine Krawatte getragen.
Er sah oft zur Lintschi, wenn er mit seinen Freunden zusammen stand und Lintschi sah oft mit roten Wangen zu ihm. Der Bursche hat sie immer ganz verlegen gemacht, wenn er ihr zugezwinkert hat.
Und bei einem Schulball,  da hat er sie sogar zum Tanzen aufgefordert. Getanzt hat er – wie ein junger Gott.
Frau Huber bekommt heute noch glänzende Augen wenn sie daran denkt.
„Und habts ihr dann was miteinander gehabt ?“ Laura ist jetzt ganz neugierig geworden.
Frau Huber wird ein wenig verlegen.
„Aber nein, was denkst du denn, da hätte mein und sein Vater sicher was dagegen gehabt und es hätte mächtig Ärger gegeben. Der Robert war ja ein reicher Sohn und ich war nur ein armes Mädel. Das wäre gar nicht gegangen“
Die Kinder können das aus ihrer heutigen Sicht gar nicht verstehen, aber damals war es eben so.
Der Robert hat dann studiert und später die Sophie geheiratet, die war auch aus reichem Haus.
Aber er hat der Lintschi immer noch zugezwinkert, wenn er mit seinem großen Auto am Haus, in dem die Familie der jungen Lintschi gewohnt hat, vorbei gefahren ist.
Wenn er ohne Frau gefahren ist, hat er sogar gewunken.
Als die Lintschi dann den Leo Huber kennen gelernt hat, hat sie nicht mehr zurück gewunken.
Das hätte dem Leo nicht gefallen.
„Aber du denkst immer noch an ihn, an den Robert ?“ fragt die kleine Lucie.
„Ja immer dann wenn ich einen Mann sehe, der schwarz-weiße Schuhe anhat“
Da mussten die Enkelmädchen der Frau Huber sehr lachen.

 

Urheberrechte/© Andrea Voss

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