Frau Huber und das Internet

frauhuber1Wie ihr sicher wisst, hat Frau Huber kein Internet, es ist also nichts mit schnell mal ein Mail schreiben.
Und sie wehrt sich auch mit Händen und Füßen dagegen, sich einen Laptop zuzulegen.
Dabei ist sie eine absolut kluge Frau und ich bin mir sicher, sie würde die Handhabung eines PCs im Handumdrehen erlernen.
Auch sieht sie noch recht gut,  ja klar, sie hat eine Lesebrille, aber die haben ja auch viel jüngere Leute.
Ihre Tochter redet mit Engelszungen auf sie ein, sie würde ihr auch einen Laptop kaufen und sie erzählt ihr immer, dass sie dann doch mit ihren Enkelmädchen schneller in Kontakt sein könnte.

Doch die Frau Huber meint dann nur, dass sie mit der Laura und der Lucie ja ohnehin jeden Tag telefoniert.
Die Laura und die Lucie beknien ihre Oma jetzt auch schon, dass sie sich endlich Internet zulegen soll.
Die Frau Huber schüttelt aber nur verneinend den Kopf, sie will sich mit der modernen Technik nicht mehr auseinander setzen, sagt sie und hat insgeheim Angst, dass sie sich dumm anstellen könnte, wenn man ihr dazu was erklärt.


Ihrer Freundin, die nach Dänemark ausgewandert ist, der Liebe wegen, der schreibt sie zwei Mal im Monat einen Brief, mit der Hand. Dabei hat diese Freundin die Anni jetzt auch Internet und sagt, sie würde lieber ein Mail schreiben, als einen Brief, weil das ja viel schneller geht.
Was denn nur alle haben, mit diesem Internet.
Frau Huber findet überhaupt, dass es eine Schande ist, dass das Briefe schreiben so aus der Mode gekommen ist. Als sie ein junges Mädchen war, hatte sie eine Menge Brieffreunde, Mädels wie Jungs und das hat ihr eine Menge Spaß gemacht. Aber viele von denen leben nicht mehr oder schreiben keine Briefe mehr, weil sie schlecht sehen oder so zittern, dass man die Schrift nicht mehr lesen kann.
Die Schrift der Frau Huber ist übrigens wirklich wunderschön, sehr steil und sehr klar und gar nicht zittrig.
Letztens hat  die Anni den Brief mit dem PC geschrieben, also das hat der Lintschi nicht gefallen und sie hat das der Anni auch gleich im nächsten Brief geschrieben.
Jetzt ist sie neugierig wie sie ihr antworten wird.
Ob die Anni den selbst getippt hat ?
Frau Huber hat ja Schreibmaschine schreiben gelernt, damals auf der Haushaltsschule.
Die Schreibmaschine war so ein großes schwarzes Trum und man hat schon fest auf die Tasten hauen müssen und bei jedem Anschlag hat sich ein Stäbchen mit dem entsprechenden Buchstaben gehoben und hat auf ein Farbband gedrückt, damit der Buchstabe am Papier sichtbar geworden ist.
Später hat der Leo dann eine kleine Reiseschreibmaschine gehabt, die liegt irgendwo im Keller in einem Karton.  Ob man für die noch ein Farbband bekommt ? Da könnte die Lintschi der Anni dann auch einen maschingeschriebenen Brief zurück schicken.
Aber wenn die Linda das sieht, dann fangt sie bestimmt wieder mit dem Laptop an.
Nachdenklich fragt mich die Frau Huber, ob da ein großer Unterschied zu einem PC ist.
Ich hab schmunzeln müssen, einerseits über die Frage an sich und dann darüber, weil die Frau Huber doch darüber nachzudenken schein, sich einen Laptop zuzulegen.

Ja man darf halt nicht altmodisch sein……

 

Urheberrechte ©Andrea Voss

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9 Responses to Frau Huber und das Internet

  1. Manfred Kern says:

    Ich wünsche Frau Huber, dass ihre Tochter, Freundin und Enkerln nie nachlassen und letztendlich erfolgreich sein werden, sie zu überzeugen.

    • Peggy says:

      Willkommen, lieber Manfred, hier im PeggyTalk.
      Schön dass du da bist und mittalkst.
      Und wir dürfen gespannt sein wie es mit der Frau Huber weiter gehen wird. ;)

  2. Fabsi says:

    Ich hab auch lange gebraucht, um meinen Eltern das Internet schmackhaft zu machen. Jetzt haben sie ein Tablet und können es überhaupt nicht fassen, wie einfach man auf einmal zu Informationen kommt. Mein Vater verwendet es zwar nicht, aber meine Mutter muss alle Nase lang irgendwas für ihn nachschaun ;) – sie sind mittlerweile davon überzeugt, dass die moderne Technologie durchaus seine Vorteile hat *g*.

  3. Renate says:

    Nette Geschichte…. die älteren Mensch um die 70 haben es auch wirklich nicht leicht. Wenn ich zum Beispiel an die Bank denke. Dort muss man sich ja bei jeden Gerät selbst schon Abbuchungen, Geldeinzahlungen usw. machen – Die Monitore sind zwar leicht zu bedienen durch Touch-Screen, aber es spiegelt sich oft und man kann dann wirklich oft nur schwer alles Lesen. Das ist auch mir schon passiert. Ja und bei jeder Radio oder Fernsehwerbung hört man soll auf www. oder facebook wegen mehr Informationen gehen. Ich warte schon darauf, dass bei den Medikamenten keine Beipackzettel mehr darin sind sondern, dass man auch auf http://www….. gehen soll. Oft kann man auch nur Aktionen wie z.B, günstigere Tickets für Bahnfahrten, Konzerten auch nur noch haben, wenn man sie über das Internet bestellt. Finde ich nicht fair – den es gibt auch viele junge Menschen, die sich ein Internet gar nicht leisten können, weil die Lebenskosten wie Miete, Strom, etc. immer teurer werden.
    Liebe Grüße Renate

  4. Caro says:

    Ich weiß ja nicht wie alt die Frau Huber ist, aber ich kann das verstehen, dass sie sich mit der Technik nicht mehr auseinandersetzen will.
    Und ganz ehrlich, warum kann man das nicht akzeptieren? Nur damit man ein paar doch unpersönlichere Mails (als Telefonate es sind) schicken kann?
    Ich käme nie auf die Idee, meinen Vater zu einem Computer zu überreden. Er will keinen, braucht keinen, also wozu?

    LG Caro

    • Susanna says:

      kann ich grundsätzlich gut nachvollziehen, wobei es auch immer auf die spezielle Situation drauf ankommt. Wenn jemand mit 70 geistig noch wirklich fit ist, dann würd ich ev. versuchen die Person zu überzeugen, mit 80 sicher nicht mehr wenn die Person nie mit sowas zu tun hatte. Allein die Maus zu bedienen würde eine Herausforderung darstellen und grad wenn man auch ins Internet will, kann man schon auch sehr viel “anstellen” wenn man so gar keine Ahnung hat. Da klickt man schnell mal wo zuviel hin, löscht irrtümlich was, oder das Netz bleibt hängen…
      Ich weiß noch von meinem Ex, als sein Vater Internet bekam, der hat ununterbrochen angerufen, weil er Hilfe brauchte und er war damals um die 70.

    • Peggy says:

      Wenn du und dein Vater der gleichen Meinung seid, dann ist dem ja nichts entgegen zu halten.
      Ich glaube die Linda würde eben Vorteile darin sehen, wenn ihre Mutter sich für diese Art der Kommunikation interessieren würde.

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