Die Frau Huber und das Erbe

frauhuber1Einmal hat die Frau Huber für mich ihren Geschirrschrank geöffnet und ich hab ganz große Augen bekommen.
Da stand sage und schreibe ein Porzellanservice vom Feinsten für 18 Personen in den Regalen.
Sie hat mir dann erzählt, dass ihre Mutter und ihre Großmutter dieses feine Porzellan gesammelt haben und sie erst einen Teil, also ein Drittel (für 6 Personen) davon als Aussteuer bekommen hat und als dann die Großmutter gestorben ist hat sie das zweite Drittel, wieder für 6 Personen geerbt hat.
Da war sie sehr gerührt über dieses Erbe.
Ihre Mutter hat ihr dann das dritte Drittel zum 40. Geburtstag geschenkt, denn die meinte, mit der warmen Hand gegeben hat mehr Wert, als zu erben.
Sie hegt dieses Service wie ihren Augapfel und ist ganz stolz, dass sie noch nichts davon zerbrochen hat.
Ein wenig traurig ist sie, weil ihre Tochter das Service nicht haben will. Es gefällt ihr nicht.
Dabei ist es ganz glatt und weiß, also eh sehr neutral und man kann es sicher mit diversen Schnick-Schnack aufmotzen.
Vermutlich wird die Tochter es verkaufen und das gefällt der Frau Huber gar nicht.

Ich finde es schwierig, mit solchen Erbschaften. Natürlich versteh ich die alte Dame, dass sie traurig ist, wenn sie darüber nachdenkt, dass das Geschirr, das sie so gehütet hat, nicht gewürdigt wird.
Aber heutzutage kauft man sich doch alle Nase lang was Neues, was Modernes. Und wer hat schon einen ganzen Schrank, wo man dieses Geschirr aufbewahrt.

Wie würdet ihr mit so einem Erbe umgehen ?

 

Urheberrechte/© Andrea Voss

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12 Responses to Die Frau Huber und das Erbe

  1. Miriam says:

    Mein Mann und ich haben viel Geschirr geerbt und dazu eine passende grosse Vitrine. Die steht nun in der Küche und staubt voll. Aber: Wir lieben diese alten Sachen total. Ich könnt mir das stundenlang anschauen. Mag leicht verrückt klingen, ist aber so. Wir haben auch einiges an geerbtem Geschirr in Gebrauch, nur das ganz, ganz Gute kommt nur an Weihnachten etc auf den Tisch, ist dann was ganz besonderes.

  2. teafortwo says:

    Peggy – mach mal ein Foto davon und frag Frau Huber, ob sie es wem verkaufen würde, der es schätzt… ;)
    Ich liebe weißes Porzellan – habe mir selber das gleiche Service gekauft, wie es meine Eltern hatten (schlichtes weißes Arzberg, ein Klassiker, den es nach wie vor gibt) und nach der Hausauflösung auch viel davon übernommen… Wenn es schlicht ist und kein großes Schnickschnack könnte ich mir vorstellen, dass ich es Frau Huber abkaufe – aber ich müsste es mal sehen…

    Und um auf die Frage zurückzukommen – wenn es meinen Geschmack trifft, hab ich Erbstücke gern. Wenn ich es gar nicht mag, wird es echt schwierig – aber ich würde es sicher aufheben… Vielleicht gefällt es mal der Enkelin? Ich bin da schon sehr verbunden mit den Dingen…

  3. Hans-Georg says:

    Es ist doch so: Wenn man einen Hausstand gründet, kauft man sich Geschirr, welches man leiden mag. Wenn man dann später was erbt – wo soll man mit dem ganzen Kram bleiben? Und wer braucht schon Geschirr für 18 Personen? Mehr als 12 Gäste hat man doch eh nicht, meist eher weniger.
    Und die Tochter hat sicher früher oder später selbst Kinder und die erben dann das Geschirr von der Ur-Grossmutter, der Grossmutter und der Mutter usw usw. Und eines Tages wird es zum Flohmarkt geschleppt.
    Meine Mutter hat noch Besteck von ihrer Mutter. Na, sie verwahrt es halt, es liegt im Schrank und wird nicht benutzt. Ich brauch es auch nicht.

    • Peggy says:

      Ich hab auch gestaunt, als ich hörte, dass das für 18 Personen ist, aber die Familie der Frau Huber war früher sehr groß und es wurde viel gefeiert, mit Tanten, Onkel und deren Kinder, da hat man das schon gebraucht.
      Heute meist völlig unnötig, weil die Familien selten so groß sind.

  4. Terragina says:

    Peggy, da hast Du wieder ein heikles Thema ausgesucht. Ich kann beide Seiten verstehen. Frau Huber, deren Herz an dem Service hängt, das voller Erinnerungen steckt. Und ihre Tochter, die in einer komplett anderen Zeit aufgewachsen ist. In einer Zeit, in der wir alles im Überfluss haben und alles viel kurzlebiger geworden ist. Hier treffen zwei Generationen aufeinander und wir bewegen uns auf einem ganz dünnen Grat.

    Ich bleibe dabei: Ich kann beide Seiten gut verstehen.

    Viele liebe Grüße zu Dir und einen schönen Abend,
    Kerstin

  5. Seahorse says:

    Ich hege mein Glas und Porzellan Erbe ;-) Benutze es aber auch und bin auch drauf stolz. Es wird in den Spüli gesteckt und hat schon x Umzüge überlebt. Ich verstehe Frau Hube…mein Geschirr hat auch für mich ideellen Wert und bei dem Gedanken das es mal einfach so entsorgt wird, da werde ich wehmütig. Ich liebe mein “altes” Zeug und es tut weh wenn man was in die Brüche geht. Bin aber auch nicht jemand die ständig was neues kaufen muss…sozusagen Preußische Sparsamkeit ;-)

  6. Susanna says:

    Boa schwierig und ich bin froh nicht Frau Hubers Tochter zu sein ;-) Denn ich würd es nicht übers Herz bringen es wegzugeben und so würd es halt im Abstellraum oder sogar Keller stehen bis es mal jemand anderer entsorgt. Denn ich selber mag so alte Teile gar nicht auch wenn sie viel wert sind.
    LG Susanna

    • Peggy says:

      Ich finde die Situation auch schwierig.
      Vermutlich hätte ich es schon nicht übers Herz gebracht, meiner Mutter zu sagen, dass ich das “Erbe” nicht haben will, weil ich gewusst hätte, dass es sie traurig machen wird.
      Bei mir würde es auch im Keller stehen und nie gebraucht werden.

  7. Linda says:

    Ich kann die alte Dame auch verstehen, sie kommt aus einer anderen Zeit, da hatte all das noch einen ganz anderen, auch persönlichen, Wert. Aber wie du schreibst, heute ist alles anders. Selbst ich hatte noch eine Aussteuer gesammelt, und ich wäre froh, das Zeug wäre zu 100 % endlich mal alles weg, einen Teil habe ich weg, ich kann es nämlich nicht mehr sehen. Ich kaufe mir so gern öfter mal was Neues, auch wenn es billigere und nicht so hochwertige Dinge sind, aus Geldmangel, aber ich will mal Neues. Ich denke, so alte Menschen können das einfach nicht verstehen, sie sind ganz anders aufgewachsen und haben anders gelebt, mit anderen Werten. Aber ich, heute, würde das auch nicht behalten, wenn ich es nicht haben wöllte, und Platz braucht es auch, und nur aufbewahren, weil man sich verpflichtet fühlt, sowas habe ich zum Glück inzwischen abgelegt, so ein Gefühlsdingens.
    Liebe Grüße zu dir!

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