Frl Yvi – wird Prinzessin

Zeichnung: Dominik Voss

Seit ihrem Date mit Mo sind nun einige Tage vergangen, an denen haben sich weder Mo noch Patrick gemeldet.
Yvi ist richtig verstört, ständig überlegt sie, was sie bei wem falsch gemacht hat.
Aber nachlaufen und nachfragen will sie auch nicht.
Da sie aber mit der verunfallten Großmutti ohnehin einiges zu tun hatte, waren die Tage schneller um als sie schauen konnte.
Die Großmutti erwartet, dass sie jeden Tag im Krankenhaus besucht wird und hat für ihre beiden Enkelinnen jede Menge Aufgaben.
Da war denn auch die OP, die nicht so einfach war, weil die alte Dame ein leichtes Herzleiden hat und da haben sich Yvi und Anna große Sorgen gemacht.
Trotzdem schaut Yvi sehr oft am Tag auf ihr Smartphone, ob sich einer der beiden Herren gemeldet hat.
Aber nichts dergleichen passiert.
Irgendwann bittet sie Annchen ihr eine Nachricht zu schicken, damit sie weiß dass der Messenger richtig funktioniert.
Aber auch das war in Ordnung.
Annchen macht sich jeden Abend über Yvi lustig, hat aber auch keine Erklärung, warum sich keiner mehr meldet.
Bei Mo brennt auch seit Tagen am Abend kein Licht, sieht fast so aus, als ob er keinen Abend zu Hause wäre.
Am Wochenende wird es Yvi dann zu bunt und sie schreibt Patrick ein einfaches „Wie geht es dir ?“
Stundenlang kommt keine Antwort, aber dann ertönt das vertraute Geräusch des Messengers.
„Danke eh gut, hab immer noch Probleme mit Lisa“  – Lisa ist die Freundin, die so überraschend Schluss gemacht hat mit Patrick.
Da dämmert es Yvi, dass er offenbar immer noch um diese Beziehung kämpft und sie wünscht ihm nur alles Gute und versucht nicht mehr an ihn zu denken.
Mo aber war auch am Wochenende verschwunden.

Die Großmutti musste nun wieder mobil gemacht werden, momentan sitzt sie nur in einem Rollstuhl und scheucht die Krankenschwestern und ihre Enkelkinder durch die Gegend.
Als ihr der Arzt eröffnet, dass sie zu einer Mobilitäts-Reha muss, wies sie das ganz energisch von sich, aber alle reden ihr gut zu uns letzten Endes setzt sie ihre Unterschrift unter den Antrag und nimmt zähneknirschend zur Kenntnis, dass das eben sein muss.
Yvi und Anna versprechen, sie so oft es geht zu besuchen, seufzen aber innerlich, wel das noch anstrengender werden wird.
Nun müssen sie den Koffer für die Großmutti packen, Toilettartikel einkaufen und Reiseproviant vorbereiten.

Als sie an diesem Abend heim kommen, sehen sie Licht hinter den Fenstern von Mo.
Yvi ist sehr erleichtert und Anna meint, sie läutet gleich mal an und fragt ihn wo er denn die ganze Woche gewesen ist.
Yvi hält sie zurück, ds geht doch nicht, schaut ja so aus, als ob man ihn bespitzeln würde.
Das sieht das Annchen ein und sie machen einfach ein wenig Lärm vor ihren Wohnungen,
Wie auf Kommando öffnet sich Mos Tür und er begrüßt seine Nachbarinnen herzlich und plaudert auch gleich aus, dass er bei Freunden war.
Ganz spontan ladet er die beiden Mädchen auf einen Drink in seine Wohnung.
Die Mädchen sind überrascht, wie nett die Wohnung eingerichtet ist, richtig gemütlich.
Sie setzen sich in die Küche und Mo öffnet eine Flasche Sekt.
„Auf euch“ prostet er ihnen zu und zwinkert dabei verschwörerisch.
Ihm ist nicht entgangen, dass beide Mädchen ein gewisses Interesse an ihm haben dürften.
Sie unterhalten sich eine Weile wirklich sehr gut, Yvi und Anna erzählen von der Großmutti und Mo muss herzlich lachen, denn er hat seine Großmutter immer nur Oma oder Omi genannt, aber Großmutti, das klingt in seinen Ohren sehr altmodisch.
Anna lacht mitunter eine Spur zu laut und gibt Mo sehr deutlich zu verstehen, dass sie ihn sehr gerne sieht.
Yvi hingegen ist ein wenig nachdenklich und möchte dann gerne gehen, während Anna noch gern geblieben wäre.
Mo verabschiedet sich von beiden mit einem Kuß auf die Wange und dabei flüstert er Yvi zu, „Bis bald, Prinzessin“.
Für einen Moment bleibt Yvi die Spucke weg und sie hofft sehr, dass Anna das nicht gehört hat.
Aber die war schon zwei Schritte weiter an ihrer Wohnungstür und klimpert laut mit den Schlüsseln.

Was wird das ? überlegt Yvi beim Einschlafen……

 

Frl.Yvi und das Date mit Mo

Zeichnung: Dominik Voss

Das Frl. Yvi ist den ganzen Tag sehr unkonzentriert, die Sache mit dem Date mit Mo geistert den ganzen Tag durch ihren Kopf.
Dazu meldet sich Patrick alle paar Minuten am Smartphone. Wenn sie arbeitet kann sie ihm nicht immer sofort antworten.
In der Mittagspause läuft sie ein wenig durch den Park um auf ihrer Lieblingsbank zu sitzen und den Vögel zuzuhören, dabei schreibt sie wieder sehr intensiv mit Patrick. Inzwischen weiß sie schon sehr viel von ihm, dass er bei einer Versicherung arbeitet, viel unterwegs ist, dass er gerne Garnelen isst und lieber Wein als Bier trinkt.
Fotos haben sie noch nicht ausgetauscht, aber schon darüber gesprochen.
Der Nachmittag vergeht schnell, denn es war der Tag an dem viele Klienten Termine haben und wenn so viel los ist, kommt Yvi nicht zum Nachdenken.
Yvi packt ihre große Tasche, hält ihr Smartphone lesebereit in der Hand und will eben ihren Schreibtisch verlassen, da kommt die obligatorische Frage von Frau Lore, ob sie denn schon gehen würde.
Yvi verdreht heimlich die Augen, bejaht, seufzt und entschwindet der Kanzlei.
Zu Hause angekommen, schnell umziehen und ein wenig anhübschen und dann macht sie sich auch schon auf den Weg zum Stadtpark.
In der Ubahn schreibt sie Patrick noch rasch eine Nachricht, dass sie jetzt für ein paar Stunden nicht online sein würde, damit das Handy nicht ununterbrochen klingelt und dann dreht sie es auf ganz leise und vibrieren.
So würde sie trotzdem mitbekommen, wenn er sich meldet.
Als sie die Station am Stadtpark verlässt, sieht sie Mo bereits auf einer Bank sitzen.
Die Begrüßung ist sehr herzlich und Yvi beginnt sich auf den Abend zu freuen.
Sie finden auch schnell einen Platz im Stadtpark-Cafe und bestellen einen Cappucino. Die Unterhaltung fällt beiden nicht besonders schwer und sie amüsieren sich über die Servierkraft, die eine besonders krächzende Stimme hat.
Yvi hat sich total erschrocken, als die Frau neben ihnen stand und fragte, was es denn sein darf.
Gerne hätte sie in ihre große Tasche gegriffen und der armen Frau, die sie für total verkühlt hielt, ein Hustenbonbon gegeben.
Aber Mo klärt sie gleich auf, dass die eben so eine Stimme hätte, er war offenbar schon öfter hier und kannte die Kellnerin.
Langsam tastet sich Mo an die Frage heran, ob Yvi solo wäre oder ob da vielleicht gleich ein Kerl um die Ecke komme und eine Eifersuchtsszene hinlegen würde.
Bei dem Gedanken musste Yvi sehr lachen und sie sagte frank und frei, dass sie derzeit unbemannt sei.
Irgendwie schlich sich aber ein leiser Gedanke ein, dass sie doch ein wenig in Patrick verliebt sein könnte.
„Was für ein Unfug“ sagte sie aus dem Gedanken heraus, erschrocken sieht sie Mo an, aber der Satz hat genau gepasst, der dachte nämlich es sei Unfug, dass ein eifersüchtiger Mann um die Ecke kommen könnte.
Irgendwann getraute sich auch Yvi zu fragen ob Mo eine Frau zu Hause hätte.
Zwar hat sie ihn noch nie in Begleitung gesehen, aber er wohnt ja auch erst ganz kurz nebenan.
Auch er ist derzeit solo.
Allerdings schränkt er gleich ein, dass seine letzte Trennung noch nicht lange zurück liegen würde und er nicht so schnell wieder eine feste Bindung haben wolle.
„Auch gut“, denkt Yvi und wirft einen Blick auf ihr Smartphone, das merkwürdig still war den ganzen Abend.
Und tatsächlich, keine einzige Nachricht von Patrick.
Dabei fällt ihr ein, dass der auch frisch getrennt ist und sie überlegt ob sie grad dabei war, frisch getrennte Männer anzuziehen.
Mo und Yvi tranken noch ein Glas Wein, denn auch Mo war eher Weinliebhaber als Biertrinker und dann machten sie sich auf den Weg nach Hause und weil der Abend so schön und lau war, wollten sie zu Fuß gehen.
Zu Hause angekommen verabschieden sie sich mit einer herzlichen Umarmung und jeder schließt die Tür zu seiner Wohnung auf.

Annchen kam ihr ganz aufgeregt entgegen – es sei was passiert….
Die Großmutti musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, sie war gestürzt und hat sich den Oberschenkelhals gebrochen.
Annchen war am Nachmittag bei ihr und hat sie im Schlafzimmer gefunden und gleich die Rettung gerufen.
Yvi war total geschockt – „und warum hast du mich nicht verständigt ?“
Pikiert antwortet Anna: „Ich wollte dir dein Date nicht verderben“
Klang da Eifersucht durch ???
Und von Patrick immer noch keine Nachricht.
Das findet Yvi schon etwas merkwürdig und sie schreibt ihm noch eine Gute Nacht Message und hofft, dass er sich am nächsten Morgen melden würde.

Frl.Yvi – „Wer bist denn du ?“ (3)

Zeichnung: Dominik Voss

Yvi hat sich das alte Smartphone von Annchen geborgt und da ihre Simkarte rein getan.
Und es dann notdürftig für ihre Zwecke eingerichtet.
Annchen hat aber gleich angemerkt, dass sie es ihr nur leihen kann, weil sie bereits eine potentielle Käuferin an der Hand habe.
Dem Nachbarn, der leider nicht zu Hause war, hat sie ein Zettelchen an die Tür geklebt, dass er sich bitte bei ihr melden soll.
Der wird nicht schlecht staunen, wenn er von seiner Nachbarin so eine Nachricht an der Tür picken hat.
Bei dem Gedanken kichert Yvi leise in sich hinein und ist gespannt ob er sich tatsächlich melden wird.
Und sie hofft natürlich sehr, dass er ihr Smartphone wieder zum Leben erwecken kann.
Als es dann an der Tür klingelt, erschrickt Yvi so sehr, dass ihr beinahe das geliehene Smartphone aus der Hand fällt.
Na das wäre was gewesen, wenn das auch noch kaputt gehen würde.
Vor der Tür steht aber nicht der heiß ersehnte Nachbar, sondern der Pizzabote.
Die Pizza duftet verführerisch und Yvi hat richtig Hunger und langt ordentlich zu.
Annchen hat natürlich gleich wieder was zu meckern: „Wolltest du nicht abnehmen ?“
Yvi bleibt der Bissen im Hals stecken, herrje daran hat sie ja gar nicht mehr gedacht, klar will sie abnehmen, aber doch nicht heute.
Immer wieder schaut sie verstohlen auf das Display des Handys, es war nun schon fast eine Stunde her, dass sie Patrick eine lange Nachricht gesendet hat, aber es kommt einfach keine Nachricht.
Ihr zweiter Vorname ist MissUngeduld.
Annchen nervt weiter, denn sie will wissen was denn so wichtig wäre, dass sie unbedingt ein Handy braucht und sie nicht warten kann bis ihres gerichtet ist.
In knappen Worten erzählt Yvi ihrer Cousine von dem zufälligen Chat mit einem Fremden und von der Sache, dass ihr Smartphone einfach den Geist aufgegeben hat.
Anna zeigt ihr den Vogel, denn sie kann gar nicht verstehen, dass man sich auf eine Unterhaltung mit einem komplett Fremden einlassen kann.
Ja, Yvi weiß selbst, dass das eigentlich Unfug war, aber es war so nett und sie fühlte sich irgendwie total gut dabei.
Die beiden Mädels machen noch Orangensaft für den Fernsehabend, räumen die Pizzaschachteln weg und gehen dann zum gemütlichen Teil des Abends über.
Kurz nach 21.00 Uhr klingelt es wieder an der Tür, diesmal ist es tatsächlich der Nachbar, den Anna ins Wohnzimmer bittet.
Yvi hat ihn bisher nur in seiner Motorradkluft, im Stiegenhaus gesehen.
Jetzt ist sie angenehm überrascht einem gepflegten jungen Mann in Jeans und Poloshirt zu sehen.
Sie erzählt ihm ihr Missgeschick mit ihrem Smartphone und dass er doch mal angeboten hat zu helfen, wenn es nötig sein würde.
Er bittet sie, ihm das Teil zu geben und verspricht es sich anzusehen.
Er runzelt ein wenig die Stirn, beim Anblick des Telefons und meint er käme morgen wieder.
In dem Augenblick ertönt der Klingelton des Messengers und eine Nachricht von Patrick kommt.
Anna begleitet den feschen Nachbarn zur Tür und denkt:“Der würde mir gefallen“.
Wieder am Sofa fragt sie Yvi wie ihr der Nachbar, der sich als Mo vorgestellt hat, gefällt.
„Na ja, eh ganz gut“ – und tippt weiter eine Nachricht an Patrick.
Annchen schüttelt den Kopf und fragt sich, was Mo heißen kann. Vielleicht Moritz ?
Yvi hat inzwischen versucht aus Patrick mehr herauszubekommen und er umgekehrt von ihr, zu gern hätte sie ein Foto von ihm gehabt, aber das traut sie sich einfach nicht fragen.
Als er ihr aber sagt, dass er fast 40 ist, seufzt sie ein wenig, das ist doch schon recht alt.
Anna meint dazu lakonisch:“Wenn es denn stimmt, der kann dir doch gar viel erzählen“
Und Patrick erzählt ihr auch, dass seine erste Nachricht eigentlich an seine Freundin, jetzt aber Exfreundin gehen hätte sollen.
Eine volle Stunde schreiben die beiden wie wild hin und her, als es erneut an der Tür klingelt und Mo das Smartphone für Yvi zurück bringt.
„War nur ein kleiner Wackler“- alles wieder ok,“ damit reicht er Yvi das Smartphone, die gleich fragt, was sie ihm denn schuldig sei.
Ein wenig verlegen meint Mo, „Geh morgen mit mir was trinken“.
Erstaunt schaut Yvi den Nachbarn an, meint dann aber „Klar, sehr gern, wann ?
„Treffen wir uns um 18.00 Uhr am Eingang vom Stadtpark!“ – und weg ist er, der Mo.
Yvi ist ein wenig verdattert – hat sie nun morgen tatsächlich ein Date mit Mo ?

Frl.Yvi – „Wer bist denn du ? “ (2)

Zeichnung: Dominik Voss

Die Antwort auf Yvis Frage „Wer bist denn du“ war ein „Ach was bin ich doch für ein Depp, entschuldige bitte, kommt nicht wieder vor.“
Das war es eigentlich nicht, was Yvi wollte, aber nun war das Kind wohl in den Brunnen gefallen.
Vermutlich würde sich Patrick nicht wieder melden. Und außerdem und überhaupt, wusste Yvi ja so gar nichts von Patrick, weder wie alt er war, könnte ja auch ein 60 jähriger Patrick sein, noch wo im Lande er wohnt, denn nach einer Handynummer konnte kein Schluss gezogen werden, von woher der Anruf oder in dem Fall die Nachricht gekommen ist.
Umgekehrt wusste ja auch Patrick, wenn er denn wirklich so heißt, nicht wer sie war und wo sie lebt.
Yvi war ein wenig traurig, irgendwie hat ihr der kleine Nachrichten Ping-Pong doch viel Spaß gemacht.
Sie schaute alle paar Minuten nach, ob dieser Patrick vielleicht doch wieder geschrieben hat, aber es kam nichts.
Als ihr am Nachmittag ihre Mutter aus Canada eine Nachricht schreibt, wird sie ganz nervös beim ersten Klingelzeichen, um dann die Nachricht entnervt zuzumachen.
Frau Lore, die neugierige Kollegin, beobachtet Yvi aufmerksam und fragt auch mehrmals nach worauf sie denn wartet, wenn sie wieder mal einen verstohlenen Blick auf ihr Smartphone wirft.
Fast hätte das Frl. Yvi sie unwirsch angefahren, hielt sich aber in letzter Sekunde zurück und lächelt nur vielsagend.
Auch Annchen will wissen, was mit Yvi los ist, aber auch ihr erzählt Yvi nichts von ihrem heimlichen Wunsch dass sich der „Depp“ der sich immer mit der Nummer irrt, nochmal melden würde.
Gegen Abend verwirft sie den Wunsch und fängt an darüber nachzudenken, was sie ihm schreiben könnte, worauf er sich ganz bestimmt wieder melden würde.
Außer ein paar, in Wahrheit recht kindischen Dingen, fällt ihr aber nichts ein.
Also muss sie zur Tagesordnung übergehen, macht ja keinen Sinn, den ganzen Tag aufs Smartphone zu schauen, wo sich ja doch nichts tun würde.
Da fällt ihr plötzlich, siedendheiß, die Nachricht von Mom ein, also schnell drauf antworten, ihre Mutter konnte echt ungemütlich werden, wenn sie sich mehr als einen halben Tag nicht meldet.
Mom antwortet auch postwendend und ist erleichtert, dass bei Yvi alles in Ordnung ist.
Die Großmutti ruft am späteren Nachmittag ebenfalls an und will wissen ob es etwas Neues gibt.
Fast kommt sich Yvi beobachtet vor, weil sie jeder nach ihrem Befinden fragt.
Nach dem Telefonat mit der Großmutti, steckt Yvi ihr Smartphone in ihre voluminöse Handtasche und macht sich auf den Heimweg von der Kanzlei in ihre Behausung.
Sie will noch ein paar Zutaten für das Abendessen einkaufen, denn sie ist heute mit Kochen dran und hat vor, eine Lasagne und Salat zu machen.
Im Supermarkt steht sie vor dem Nudelregal und sucht nach den Lasagneblättern. Da ertönt das Zeichen einer Nachricht des Messengers. Fast fällt Yvi ihre Handtasche vom Arm. Sie greift ohne hinzusehen in ihre Tasche und fischt ihr Smartphone heraus. Wie gut, dass es immer am selben Platz ist.
Und tatsächlich – da war sie, eine neue Nachricht von Patrick.
„Ich würde gern wieder mit dir plaudern und nein ich hab mich nicht in der Nummer vertan, hast du Lust auf einen Chat ?“ Yvis Herz hat laut zu klopfen begonnen. Sie schaut sich um, ob nicht jemand in ihrer Nähe steht und meint sie hätte eine Herzattacke. Aber sie steht allein vorm Nudelregal.
Sie bringt ihre Handtasche in eine bequemere Position und schickt sich an die Nachricht zu beantworten.
In dem Augenblick blinkt ihr Smartphone wie wild und versagt jeglichen Dienst.
Entsetzt starrt Yvi auf den kleinen Bildschirm – das darf doch nicht wahr sein.
Ihr erster Gedanke war, der Akku ist leer, aber das konnte eigentlich nicht sein, sie hat es doch über Nacht geladen.
Aber das dumme Ding war nicht mehr zum Leben zu erwecken. 1000 Gedanken gingen Yvi durch den Kopf – sie wusste ja die Nummer von Patrick nicht auswendig und wenn er vielleicht noch mal nachhackt, dann würde sie das ja gar nicht sehen.
In heller Aufregung verlässt Yvi, ohne etwas zu kaufen, das Geschäft und wollte nur noch nach Hause.
Anna hatte doch noch ihr altes Handy, sie hat sich erst vorige Woche ein Neues gekauft, dort würde Yvi ihre Sim Karte stecken, dann konnte sie heute Abend noch mit Patrick chatten. Und morgen früh würde sie gleich schauen was mit ihrem Gerät nicht in Ordnung war.
Der neue Nachbar hat sich mal angeboten bei Problemen mit Laptop, Handy oder dem Internet zu helfen, falls etwas  was nicht funktionieren sollte. Den würde sie ansprechen ob er sich das „dumme Ding“ ansehen kann.
Zu Hause angekommen, war Annchen bereits daheim und fragt: Was gibts denn heute zu Essen ?“
Oh weh…..die Lasagnerblätter und den Käse, Yvi hat sie in ihrer Aufregung vergessen.
„Wir bestellen Pizza“ antwortet sie rasch und hofft inständig, dass ihre Cousine Anna nicht nachfragt, warum sie nicht einkaufen war.

Frl. Yvi – „Wer bist denn du ?“

Das Frl. Ivy schaltet den PC in der Kanzlei aus,
Ein wenig wehmütig schaut sie aus dem Fenster, der Herbst zeigt sich schon sehr deutlich, die Blätter der Bäume, im Park, verfärben sich bereits deutlich und die Sonne hat diesen ganz eigenen Glanz, den sie nur im Herbst bekommt.
Der Sommer war wunderbar. Yvi hatte viele schöne, laue Abende verbringen dürfen. Ein Mädelsabend hat sich an den anderen gereiht.
Meist war ihre Cousine Annchen mit dabei und Gabi, Marie und Sonja. In besagtem Park befand sich ein sehr nettes Lokal, mit großem Gastgarten, wo es sehr süffigen Wein und viele warme und kalte Gerichte gab und es fand sich mindest zweimal die Woche ein Grund dort am Abend zu feiern.
Die Wirtsleute kannten die kleine Gruppe von 5 Frauen und freute sich immer wenn sie kamen um bis nach Mitternacht zu bleiben.
Warum auch immer, im Herbst fiel die Gruppe auseinander. Da blieben die jungen Frauen am Abend lieber zu Hause. Yvi wird diese Abende sehr vermissen.
„Frl. Yvi, gehen sie schon nach Hause ?“ Jeden Abend die gleiche Frage, sie kam von Frau Lore, dem Faktotum der Kanzlei, die genau wusste dass es 16.30 Uhr war und Yvi nun Feierabend hatte, es war also eher eine rhetorische Frage, die Yvi, auch wie jeden Abend, mit „Ja Frau Lore, ich bin gleich weg.“ beantwortet.
Meist fragte Frau Lore dann was sie vor hätte, mit diesem langen Abend, denn Frau Lore war immer bis 20.00 Uhr und auch noch länger im Büro. Sie hat keine Familie und meinte, ohne sie würde es nicht gehen, also verbrachte sie unbezahlter Weise meist ihre Abende mit Akten sortieren oder Briefe schreiben.

Das Frl. Yvi schlüpft in ihre Jacke, nahm ihre voluminöse Handtasche und verließ die Kanzlei, ehe der Frau Lore vielleicht noch eine kleine Arbeit für sie einfallen würde.
Ja, diese große Handtasche, die war das Heiligtum von Yvi, niemand durfte da hinein sehen. Weder Annchen, noch die Großmutti, die sie immer ein wenig aufzog, mit ihrer großen Handtasche.
Zwar fand Yvi sehr oft Dinge die sie grad benötigen würde nicht auf Anhieb, weil der Inhalt der Tasche ein wahres Sammelsurium ist und sehr oft alles durcheinander fiel, aber das stört Yvi nicht, sie kramt gerne und freut sich oft, dass sie irgendwelche Dinge, an die sie gar nicht mehr gedacht hatte darin wieder findet, wenn sie ganz was anderes sucht.
Einzig ihr Handy und ihr Schlüssel haben einen bestimmten Platz in einem Seitenfach, die beiden Dinge findet Yvi immer auf Anhieb,

So wie grad eben, als sie den Klingelton ihres Smartphones hört, aber es war nicht das Telefon, sondern der Messenger der da gehört, bzw gesehen werden möchte.
Allerdings hat ihr nicht eine ihrer Freundinnen oder Anna eine Nachricht geschickt, sondern eine ihr völlig unbekannte Nummer.
„Hast du heute Zeit, wir müssen reden“ stand da, Yvi hat keine Ahnung wer da so dringenden Redebedarf hätte.
Yvi setzt sich auf eine Bank im Park, unter ihren Füßen rascheln ein paar Blätter, die der Baum schon verloren hat, noch ein Zeichen, dass es Herbst werden dürfte.
Sie überlegt ob sie zurück schreiben soll oder ob sie die Nachricht einfach ignorieren sollte,
Es stand jedenfalls fest, dass sie da jemand angeschrieben hat, der zwar ihre Telefonnummer besaß, sie aber die des anderen Teilnehmers nicht. Ihre Neugierde war geweckt, sie wollte wissen wer sich dahinter verbarg.
Also tippt sie in das Antwortfeld;“ Wer bist denn du?“ und drückt zögerlich auf Absenden
Nach wenigen Sekunden kam Antwort „Sei nicht kindisch, das weißt du doch genau“
Na das war wohl nicht, sie schreibt zurück, tut mir leid, „ich hab keine Ahnung, sie dürften eine falsche Nummer eingetippt haben,“ Aus irgendeinem Grund ist Yvi zum SIE übergegangen, wahrscheinlich um nachdrücklich zu demonstrieren, dass sie tatsächlich nicht wusste wer da am anderen Ende dran war.
Leicht verwirrt, versenkt sie ihr Smartphone in ihrer großen Tasche und macht sich auf den Heimweg.
Sie kauft noch ein paar Dinge fürs Abendessen ein, sie war diese Woche mit Kochen dran und Annchen würde sicher mächtig Hunger haben.
Yvi wundert sich immer wieder, wo Annchen die Unmengen hin essen konnte, ohne auch nur den Hauch eines Figurproblems zu bekommen. Yvi nahm schon zu, wenn sie Annchen beim Essen zusah.
Auch ein bunter Strauß mit Herbstblumen hüpfte in den Einkaufswagen und schon hatte Yvi die ominöse Nachricht auf ihrem Smartphone vergessen.
Erst als sie ihren Einkauf verstaut hatte, die Blumen in die Vase gestellt hat, fallen ihr die beiden Nachrichten wieder ein und sie wirft noch mal einen Blick darauf und schon war wieder eine neue Antwort gekommen.
„Es tut mir leid, ich hab tatsächlich eine falsche Nummer eingetippt. Liebe Grüße Patrick“
Nun wusste Yvi zumindest mal, dass es ein Mann war, der Patrick heißt und der offenbar jemanden zum Reden brauchen würde.  Fand sie ja sehr nett, dass er sich nicht einfach aus ihrem Telefon stehlen will, sondern ihr eine Erklärung zukommen hat lassen.
„Schon ok, es ist ja nichts passiert. Hoffentlich findet sich die richtige Nummer bald. Liebe Grüße Yvonne“
Ganz schnell hat sie das Yvi zu Yvonne ausgebessert. und abgeschickt.
„Yvonne, was für ein schöner Name, LG Patrick“ kam postwendend zurück. Oh, endlich jemand der Yvonne schön fand.
Langsam bekam Yvi Spaß an der kleinen anonymen Unterhaltung.

„Leider wird er von allen Leuten rund um mich, immer abgekürzt, LG Yvonne“
„Würde ich niemals machen, dazu ist Yvonne viel zu schön, LG Patrick“
Die beiden scheiben noch einige ganz nebulose Nachrichten an diesem Abend, bis sie sich gegen 22 Uhr „Gute Nacht, Yvonne“ und „Gute Nacht, Patrick“ schreiben.
Anna, die Cousine und Mitbewohnerin von Yvi wundert sich bis dahin still, was denn mit Yvi los sei und fragt sie dann ob sie denn eine neue Bekanntschaft gemacht hätte, was Yvi mit einen ehrlichen „Nein“ beantwortet, denn diese kleine anonyme Plauderei konnte man ja wahrlich nicht als neue Bekanntschaft bezeichnen, aber wer weiß was daraus noch werden könnte.
Am nächsten Morgen, der Benachrichtigungston ihres Messengers erklang und da stand „Hast du heute Zeit, wir müssen reden“ – wieder mit Patricks Nummer.
Yvi schüttelt den Kopf, was war das denn für ein Depp, der hatte offenbar wieder die falsche Nummer erwischt.
Und sie schreibt ihm mit einem Smily zurück „Wer bist denn du ?“

Mal sehen wie es weiter gehen wird…….