Plauderei im Cafe – Der geheimnisvolle Herr Moser II

Der Jo war echt neugierig was die geschwätzige Frau Winter mit dem Herrn Moser zu tun hatte, aber er verkniff es sich, sie zu fragen.
Er merkte zwar an ihrem lauernden Blick, dass sie förmlich drauf wartete, aber es machte ihm einen unheimlichen Spaß nicht drauf einzugehen.
Also verschwand die Frau Winter mit bösem Blick.
Am nächsten Tag erschien der Herr Moser wieder, diesmal ohne Frau Winter im Schlepptau, dafür mit einer großen grauen Mappe unter dem Arm.
Er nahm am Fenster Platz und bestellte einen Kaffee und ein Glas Wasser.
Der Jo musste lächeln, denn er dachte, dass das Glas Wasser für die Frau Winter gehören würde, aber von der war weit und breit nichts zu sehen.
Der Jo brachte dem Herrn Moser seinen Kaffee samt Wasser und fragte ihn auch gleich nach dem Verbleib der Frau Winter.
Da rollte der Herr Moser mit den Augen und sagte, dass er hoffe, dass sie nicht wirklich gleich auftauchen würde.
„Eine schrecklich neugierige Person“ war seine Antwort.
Ja da konnte der Jo ihm nur recht geben.
Er wollte sich schon umdrehen und wieder an seinen Tresen gehen, da bat ihn der Herr Moser, sich doch ein paar Minuten zu ihm zu setzen, er würde gern was mit ihm besprechen.
Da grad sehr wenig los war im Cafe. nahm der Jo vis a vis vom Herrn Moser Platz. Die kleine Serviererin brachte dem Jo auch ein Glas Wasser und schon konnte der Herr Moser erzählen was er auf dem Herzen hat.
Er sei Fotograf, schon im Ruhestand und fotografiere nur noch hobbymäßig.
Umständlich öffnet er seine Mappe und zeigt dem Jo einige wunderschöne Aufnahmen von Blumen, von Tieren und Bauwerken, von den Städten die er bereist hatte.
Jo war sehr beeindruckt.
Die letzten Aufnahmen zeigten einige Mädchen und Frauen, leicht bekleidet in erotischen Posen.
„Gefallen ihnen meine Fotos ? fragt der Herr Moser und Jo nickt begeistert und nimmt einen großen Schluck Wasser.
Man hätte meinen können, der Mund wäre ihm trocken geworden beim Anblick der erotischen Bilder.

Herr Moser kam nun auf den Punkt, er fragte ob er seine Fotos beim Jo im Cafe ausstellen dürfe.
Jo kratzte sich am Kinn und war etwas verlegen, also die Blumen und Tiere und Bauwerke, ja das konnte er sich gut vorstellen, aber die halbnackten Mädels?
Jo war nicht prüde und bei Gott kein Kind von Traurigkeit, aber er kannte ja seine Klientel.
Da war er sich doch sehr unsicher, ob das gut für sein Geschäft wäre.

Und es waren ja nur erotische Posen, keine Pornos.

Er bat sich erst Mal Bedenkzeit aus, versicherte dem Herrn Moser aber, dass seine Fotos wirklich sehenswert seien.
Dabei sah er sich in seinem Lokal um, wo er denn die Bilder hinhängen könnte.

Was meint ihr, wird der Jo die Bilder aufhängen ?

Plauderei im Cafe – Der geheimnisvolle Herr Moser

Der Jo, der Besitzer, des Lokals hat sein Cafe grad aufgesperrt, da stürmt die geschwätzige  Frau Winter herein und schaut sich suchend um.
„Wo ist denn der Herr Moser ?“ fragt sie laut schnaufend, man muss wissen die Frau Winter ist eine ziemlich beleibte Dame, mit einem außerordentlich lauten Organ.
Der Jo schaut ziemlich konfus, denn er kennt keinen Herr Moser, zuckt mit den Achseln und stellt der Frau Winter statt einer Antwort ein großes Glas Wasser auf den Tisch.

„Ich möcht aber den Herrn Moser sprechen“ entgegnet ihm die Frau Winter aufgebracht.
„Ist ja noch kein Mensch da, wie sie sehen“ – der Jo mag die Frau Winter nicht besonders, aber sie ist halt Gast in seinem Cafe, obwohl sie konsumiert ohnehin nur sehr selten was, meist trinkt sie nur ein Glas Wasser. Hin und wieder gibt sie dem Jo dafür ein paar Euro. Also lässt er sie gewähren.
Mit einem Plumps lässt sich Frau Winter in einen der Sessel fallen und schaut sehnsüchtig zur Tür.
Der Jo tut als ob es ihn nicht interessieren würde, wer der Herr Moser ist und was die Frau Winter von dem Herrn Moser möchte. Aber insgeheim hofft er doch, dass es sich offenbaren würde, worum es denn da geht.

Langsam kommen die Stammgäste zum Frühstücken, aber immer noch kein Herr Moser.
Die kleine Serviererin mit dem langen Zopf bedient die Leute schnell und freundlich und ignoriert die Frau Winter ebenfalls.
Da wird es der Frau Winter zu dumm und sie schickt sich an das Cafe zu verlassen, nicht ohne dem Jo aufzutragen, dass er den Herrn Moser, wenn er denn kommt, aufhalten möge. Sie geht nur schnell was einkaufen.
Der Jo grinst in sich hinein, denn er weiß ja gar nicht wie der Herr Moser ausschaut, aber er will sich auf keine Diskussion mit der Frau Winter einlassen und nickt nur geduldig hinter seinem Tresen.
Es kommen bald ein paar fremde Herren, bei jedem überlegt der Jo ob das der geheimnisvolle Herr Moser sein könnte, aber keiner fragt nach der Frau Winter.
Einer der Herren nimmt am Fenster Platz, bestellt einen Kaffee und kramt eine Zeitung raus.
Das ist er sicher nicht, denkt der Jo – oder doch ?
Der Mann trägt einen Anzug, Krawatte und hat beim Hereinkommen einen dunklen Hut abgenommen, den er neben sich auf die Fensterbank gelegt hat.
Jetzt ist er in seine Zeitung vertieft und rührt dabei schon länger in seinem Kaffee herum, dabei hat er nicht mal Zucker rein getan.
Schnell hat der Jo den Mann vergessen und ist dabei die Spülmaschine einzuräumen.
Da kommt die Frau Winter zurück und schnauft wie immer, ihr Kopf ist hochrot und sie schleppt eine Einkaufstasche, aus der Obst und Gemüse rausschauen.
„Ist er da ?“ fragt sie aufgeregt, der Jo zuckt wie immer nur mit den Schultern. Frau Winter schaut sich im Lokal um und geht dann tatsächlich auf den zeitungslesenden Mann zu und ruft mit ihrer lauten Stimme: „Ja Herr Moser, da sind sie ja“
Sie reicht ihm ihre etwas verschwitzte Hand und dreht sich zum Jo um und keift ihn an: „warum sagst mir denn nichts ?“
Der Jo sagt nur: „Kenn ihn ja nicht “ und seufzt, weil er wieder mal merkt, dass die Frau Winter nur bis zur Nasenspitze denkt.
Ohne auf eine Aufforderung zu warten setzt sie sich zum Herrn Moser an den Tisch, der umständlich seine Zeitung zusammen lagt und irgendwie gar nicht so erfreut drein schaut.
Die Frau Winter redet nun, in einer für sie ganz ungewöhnlichen Art, nämlich sehr leise, auf den Herrn Moser ein.
Der nickt nur ab und zu oder schüttelt den Kopf, aber leider kann der Jo nicht verstehen worum es geht.
Macht ihn ein wenig unrund, aber er denkt, spätestens am nächsten Tag wird ihm die Frau Winter sicher ausführlich von dem Gespräch erzählen.

Jetzt dürfen wir gespannt sein, was die geschwätzige Frau Winter mit dem Herrn Moser besprechen hat müssen.

Fortsetzung folgt……

Plauderei im Cafe – 08.01.2017

Zeichnung@ Dominik Voss

Ein neues Jahr und viele neue Besucher und neue Geschichten denen wir lauschen dürfen, im Cafe.
Der Jo hat die Weihnachts- und Silvester-Deko weg geräumt und kleine Kleestöckchen auf die Tische gestellt.
Da es draußen ziemlich kalt ist, kommen die meisten Besucher sehr durchgefroren ins Lokal und freuen sich, dass es hier schön warm und gemütlich ist.

Der Jo hat einen Freund, den Guido und der ist ein Garant für immer lustige und unterhaltsame Geschichten, die er lautstark im Cafe zum Besten gibt.
Der Guido hat eine sehr tiefe, aber auch sehr laute Stimme und wenn er anfängt zu erzählen, lauschen ihm alle gebannt zu.
Guido sitzt meist an der Theke. Böse Zungen behaupten ja, das macht er damit er das Lokal gut übersehen kann und er sicher sein kann, dass ihm alle zuhören.
Diesmal erzählt er von seinem Weihnachtsurlaub auf den Seychellen.
Er braucht nämlich den ganzen Weihnachtsschnickschnack nicht, lieber fliegt er mit der jeweiligen Freundin in die Sonne und erholt sich unter Palmen.
Das allein ist schon eine Erzählung wert, denn man hat bei den Schilderungen vom Guido wirklich das Gefühl, man wäre dabei.
Aber diesmal hat das Ganze eine Pointe, denn dem Guido ist beim Heimflug das Gepäck abhanden gekommen.
Er hat bei der Gepäckausgabe gewartet und gewartet, aber irgendwann waren alle Koffer und Reisetaschen vom Band genommen und sein Koffer war nicht dabei.
Beim Lost and Found Schalter war man bestürzt, dass sowas passiert ist und hat versprochen das Gepäck zu suchen und ihn dann zu verständigen, wo und wann er seinen Koffer abholen wird können.
Da ging die Kuriosität aber weiter, denn am nächsten Tag hatte er auf seinem, auf lautlos gestellten Handy eine fremde Nummer, als er die zurück gerufen hat, ist ihm das Herz in die Hose gerutscht, denn da hat sich ein Bestattungsunternehmen gemeldet und er hat ganz schnell wieder aufgelegt.
Rasch hat er die Nummer seiner Mutter gewählt, die war grad mit ihren Freundinnen im Bus auf der Fahrt zu einem Mädelsabend.
Man muss wissen die Mutter vom Guido ist eine echt taffe Frau, die viel unterwegs ist. Sie war ganz verwundert, dass der Guido so außer der Reihe angerufen hat. Er hat ihr aber schwer erzählen können, dass er das nur getan hat um sich zu vergewissern, dass sie noch lebe.
Also dann nochmal den Bestatter angerufen und der hat ihm dann gesagt, dass er die Koffer verwechselt hat und erst daheim gemerkt hat, dass er den Koffer vom Guido an sich genommen hat.
Er wollte sich einen Termin zum Austausch der Gepäckstücke ausmachen. Tja, nun der Guido hatte nichts zum tauschen. Aber er war erleichtert, dass nicht sein Koffer weg war, sondern der des Bestatters.
Also wieder Anruf bei der Airline, da war man etwas verwirrt, aber cooperativ.
Jetzt wird der Bestatter verständigt, wenn der Koffer auftaucht.
Der Guido hat ja seinen wieder.
Mit leicht geröteten Wangen meinte der dann zum Abschluss, dass er sehr froh war, dass er eine ziemlich komplizierte Zahlenkombi gewählt hat und der Fremde seinen Koffer nicht hat aufmachen können, denn da waren ein paar delikate Sachen im Koffer, die dem Herrn Bestatter vielleicht erröten hätten lassen.

Der Jo fragte dann nur nach, wie der Bestatter denn wusste wen er anrufen hat müssen.
Der Guido hat auf dem Namensschild das er am Koffer angebracht hatte, auch seine Mobilnummer angegeben.
Der Jo meinte nur: „Mit dem Datenschutz hast du es wohl nicht wirklich. Hauptsache man hat dein Sexspielzeug nicht gefunden.“
Der Guido hat dann sein Bier ausgetrunken und ist abgedampft zum Bestatter, seinen Koffer abholen.

 

Plauderei im Cafe – Christkind oder Weihnachtsmann

Zeichnung @ Dominik Voss

Es war wenige Tage vor Weihnachten.
Der Jo hat mit Hilfe der kleinen Serviererin das Lokal weihnachtlich geschmückt. Auf jedem der Tische stand ein kleines Gesteck mit einer dicken Kerze und mit bunten Kugeln verziert. Die Polster auf den Stühlen hatten neue Bezüge bekommen, mit Sternen bestickt und im Einangsbereich hat Jo noch einen Christbaum aufgestellt.
Im ganzen Lokal duftet es herrlich nach Punsch und Keksen.
Die Kekse hat Jo in der Bäckerei am Ende der Straße bestellt und jeder Gast bekam ein kleines Tellerchen mit Keksen als Aufmerksamkeit zum Kaffee oder Tee gestellt. Auch wenn ein Besucher ein Bier oder Wein bestellte, hat die kleine Servierein den Keksteller dazu gestellt.
An einem der Tische haben zwei jüngere Frauen Platz genommen, wie sich schnell heraus stellte, zwei Mütter, die noch auf der Suche nach Geschenken für ihre Kinder waren. Auch die Lebensmitteleinkäufe mussten sie noch organisieren.
Die Frauen dürften schon länger befreundet sein, sie duzten sich und unterhielten sich über ihre Kinder, die etwa im gleichen Alter sein dürften. Beide Kinder gehen noch in die Grundschule und haben verständlicherweise einige Wünsche zu Weihnachten.
Das eine Kind, ein Mädchen, hat ihren Wunschzettel ans Christkind geschrieben, der Junge, das Kind der anderen Mutter, hat an den Weihnachtsmann geschrieben.

Die Mütter rätseln, woher dieser Unterschied wohl kommen würde.
Ist das ein Problem der Geschlechter ? Wollen Jungs eher den Weihnachtsmann und Mädchen lieber das Christkind ?
Bei uns in Österreich kommt ja traditionell das Christkind, in Deutschland kommt der Weihnachtsmann.
Aber diese beiden Kinder leben in Österreich.
Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass die Familie des Jungen, Freunde in Deutschland hat und die Kinder dieser Familie ihre Wunschbriefe an den Weihnachtsmann geschickt haben. Wahrscheinlich hat sich der Bub sich das von eben diesen Freunden abgeschaut.
Die Mädchenmutter meinte dazu, dass man ihm das aber schon nahe bringen müsste, dass hier eben das Christkind käme, was die Bubenmama aber ablehnt, denn sie ist der Meinung, dass es sich ihr Kind aussuchen darf, wer ihm die Geschenke bringt.

Während dieser Unterhaltung ist die geschwätzige Frau Winter ins Lokal gekommen und hat sich lautstark beim Jo bedankt, dass er das Lokal so nett geschmückt hat, beim früheren Besitzer hätte es das nicht gegeben. Das stimmt zwar nicht wirklich, aber wenn die Frau Winter, mit ihrem lauten Organ das behauptet, dann widerspricht lieber keiner der Gäste, denn sonst gibt es gleich eine Auseinandersetzung, denn die Frau Winter meint ja, dass sie immer recht habe.
Die Frau Winter hat ausgerechnet am Nebentisch der beiden Mütter Platz genommen, die sie gar nicht wahrgenommen haben, in ihrer Unterhaltung. Und die beiden Frauen natürlich belauscht.
Und wie kann es anders sein, sogleich mischt sie sich dann auch ein.
Sie will wissen warum die Mütter ihren Kindern überhaupt diese Märchen auftischen, von wegen Christkind und Weihnachtsmann.
Die Mütter schauen sich ziemlich entgeistert an, man will den Kindern doch den Zauber der Weihnacht nicht in so jungen Jahren nehmen.
Frau Winter meint dann nur, na dann lügt halt eure Kinder weiter an.
Die beiden Mütter schauen etwas betreten drein, ganz unrecht hat die Frau Winter ja nicht, aber für heuer ist es ohnehin zu spät und vielleicht würden sie ihre Kinder im nächsten Jahr aufklären, dass es weder Weihnachtsmann noch Christkind gibt.
Obwohl sie es schon schade finden werden, wenn es keine Wunschbriefe mehr geben wird.

Ein bisschen Weihnachtszauber sollte doch schon noch sein, die reale Welt erwischt die Kinder ja noch früh genug, aber vielleicht kann man ja einen Kompromis finden und den Kindern dabei den wahren Hintergrund von Weihnachten nahe bringen.

Plauderei im Cafe – 02.12.

geplauder11Kalt ist es geworden und es regnet und schneit abwechselnd, eher ungemütlich das Wetter.
Die Gäste die ins Cafe kommen schauen recht durchgefroren aus und freuen sich, ein warmes, ruhiges Plätzchen zu finden.
So auch Clara, eine junge Frau, die öfter mal ihre Mittagspause im Cafe verbringt. Heute jedoch möchte sie sich hier mit Marie, ihrer besten Freundin treffen. Aber Marie ist chronisch unpünktlich, das weiß Clara seit Jahren und so hat sie sich ein nettes Buch mit gebracht, in dem sie lesen möchte, bis Marie aufkreuzt.
Sie bestellt einen Früchtetee beim Kellner und lehnt sich in die Kissen der gemütlichen Bank am Fenster und vertieft sich in ihr Buch, dabei bemerkt sie nicht mal, dass der Tee schon eine Weile vor ihr steht und dass Marie immer noch nicht da ist.
Als ihr bewusst wird, dass das ihr Tee ist, der so verführerisch duftet, nimmt sie einen großen Schluck aus der runden Tasse.
„Ist hier vielleicht ein Platz frei“ – eine tiefe Stimme reißt sie aus der Vertiefung ihres Buches.
Vor ihr steht nicht Marie, die immer noch nicht zum Treffen gekommen ist, sondern ein hübscher, junger Mann mit dunklen Augen und einer Nickelbrille auf der Nase.
Clara nickt und der junge Mann setzt sich zu Clara an den Tisch.
Inzwischen ist auch die geschwätzige Frau Winter gekommen. Sie sitzt an einem der vorderen Tische, wie immer.
Hat einen Kaffee und ein Glas Soda bestellt. Eigenartig, dass immer wenn Frau Winter kommt, der Tisch den sie haben möchte, wie reserviert da steht.
Damit war es aber leider mit der Ruhe im Cafe vorbei. Frau Winter hat ein sehr lautes Organ und spricht alle Leute an, ob sie nun mit ihr sprechen wollten oder auch nicht.
Heute wollte sie es mit Politik versuchen und schwafelt laut von einem Minister, den sie absolut unmöglich findet.
Keiner gibt ihr wirklich Antwort, manche heben irritiert den Kopf oder schütteln auch jenen, aber niemand geht auf das Thema ein.
Das gefällt der Frau winter, die immer auf Konfrontation aus ist, gar nicht.
Und sie hält für wenige Minuten den Mund.

Da stürmt auch schon Marie zur Tür herein, ziemlich außer Atem, weil sie so gelaufen ist. Sie kennt doch ihre Freundin Clara, die immer so pünktlich ist.
Marie reißt sich die Mütze vom Kopf und öffnet mit Schwung ihre Jacke und begrüßt dann Clare überschwänglich.
Frau Winter grinst und versucht das Thema zu ändern und schwadroniert nun über die heutige Jugend. Wiederum bekommt sie keine Antwort.
Clara freut sich, dass Marie endlich da ist, zieht ihr einen Stuhl an den Tisch und macht ein Eselsohr in ihr Buch, damit sie später weiß wo sie aufgehört hat zu lesen.
Der junge Mann am Tisch zieht etwas die Augenbrauen hoch und will eben was sagen, da ruft Frau Winter quer über die Tische: „Also das macht man doch nicht, junge Frau. In ein Buch macht man kein Eselsohr. Legens doch einen Zettel rein oder das Papier vom Zucker, dann wissen sie auch wo sie aufgehört haben zu lesen“
Dass in dem Papier vom Zucker noch Zucker drinnen war, hat sie geflissentlich übersehen.
Clara war rot geworden, ihr war es überaus peinlich, dass Frau Winter sie so dreist ansprach, wenn sie ihr im Geheimen auch recht geben musste.
Und schon hatte Frau Winter ein neues Thema, keiner würde mehr auf seine Sachen acht geben, es gehe eben allen viel zu gut ect. ect.
Der junge Mann am Tisch von Clara und Marie erhob sich, packte seine Zeitschrift zusammen und sah Frau Winter streng an.
„Können sie nicht mal für ein paar Minuten still sein, ist ja unerträglich was sie hier für einen Markt machen“
Und weg war er.
Frau Winter schnappte kurz nach Luft, meinte dann „so eine Frechheit“, legte aber 5 Euro für ihren Kaffee und das Glas Soda auf den Tisch und marschierte aus dem Cafe.
Ein erleichtertes Raunen geht durch das Lokal, jeder ist froh, wenn diese geschwätzige Frau mit dem lauten Organ das Lokal verlässt.
Clara und Marie können sich nun endlich fröhlich unterhalten.
Heimlich hat Clara das Eselsohr aus ihrem Buch weg gefaltet und einen Kassenbon, den sie noch in ihrer Tasche hatte, als Lesezeichen eingelegt.
Ganz unrecht hatte die Frau Winter ja nicht, wenn sie nur nicht so laut und so geschwätzig wäre.

Macht ihr Eselsohren in eure Bücher ?