Herr Jakob und der Eiermann

Nun kommt wieder die Zeit, wo Herr Jakob am offenen Fenster sitzen kann um sich am Treiben der kleinen Straße zu erfreuen.
Die Leute, die ihn kennen, gehen mit einem Lächeln im Gesicht an ihm vorbei und die Frau Matzner kommt wieder oft um eine zu rauchen ans Fenster des Herrn Jakobs.
Da ja nun, wie wir schon wissen, der Würstelstand jetzt weg ist, hat er auch wieder mehr Ausblick von seinem Fenster aus.

Gestern Morgen blieb ein weißer Lieferwagen stehen, auf dem an der Seite ein großes Ei mit wunderbar gelbem Dotter aufgemalt war.
Ein beleibter Mann, mit einer großen weißen Schürze, stieg aus und läutete mit einer überdimensional großen Glocke.
“Der Eiermann ist da ”  – “Der Eiermann ist da ” – rief er mit lauter Stimme und gleich flogen einige Fenster im Haus und auch gegenüber auf und die Hausfrauen riefen erfreut “Ich komm gleich”.
Und tatsächlich bildete sich schnell eine Schlange von Damen und auch Herren vor dem Lieferwagen des Eiermanns.
Der stand auf der Rampe des Autos und verkaufte “frische Eier direkt vom Bauernhof”.
Fast alle Kunden nahmen eine Eierpalette mit 30 Stück und zogen frohen Mutes davon.
Nur drei alleinstehende Frauen baten um kleine Packungen mit 10 Stück.
“Bin ja allein, da brauch ich nicht so viel” meinte die Frau Fanny vom Haus vis a vis und der Eiermann versprach nächste Woche wieder zu kommen, da gibt es dann ohnehin wieder ganz frische Eier.
Herr Jakob überlegte hin und her, ob er nicht auch so eine kleine Packung Eier nehmen sollte.
Zückte dann seine Geldbörse und sah nach wie viel Geld er noch zu Hause hatte.
Die letzte Hausfrau hat sich eben auf den Heimweg gemacht, der Eiermann erblickte den Herrn Jakob am Fenster und nickte ihm fragend zu.
“Ja, gebens mir auch 10 Stück” bat der Herr Jakob.
“Sehr gut, das sind meine letzten 10. Nachschub gibts nächste Woche”, mit diesen Worten sprang der dicke Mann, dem man das gar nicht zugetraut hätte von seinem Wagen und stapfte über die Straße um die letzten Eier dem Herrn Jakob zu verkaufen.

Heute gibts Eierspeise, denkt der Herr Jakob.
Dazu braucht er aber unbedingt frisches, knuspriges Brot und das holt er sich aus der kleinen Bäckerei gegenüber.
Die junge Bäckerin fragt den Herrn Jakob, was es denn bei ihm heute Gutes geben würde.
Er erzählt ihr, die Geschichte mit dem Eiermann und dass er jetzt im Besitz von 10 Eiern war, ganz frisch vom Bauernhof.
Da gibt ihm die Bäckerin den Tipp, zur Frau Matzner in den Blumenladen zu gehen, die hat auch Schnittlauch im Töpfchen im Angebot, der würde sich hervorragend auf der Eierspeise machen.

Guten Appetit, Herr Jakob !

Der Herr Jakob und die neue Aussicht

Der Herr Jakob war einige Tage krank, eine Verkühlung hat ihn ereilt und er konnte wenig bis gar nicht am Fenster sitzen.
Es war aber Gott sei Dank nicht gar so schlimm, ein wenig Husten und Schnupfen und erhöhte Temperatur. Aber er war doch ein paar Tage im Bett. Jetzt nach einigen Tagen hat er seinen Sessel wieder ans Fenster stellen können und da war er dann sehr überrascht über den ungewohnten Ausblick.
Denn in seiner Abwesenheit ist das Würstelstandel vis a vis weg gekommen.
Erst dachte er ja, er sehe nicht richtig, aber als die Frau Matzner den Herrn Jakob am Fenster erblickte, hat sie schnell ihr Zigarettenpackerl und das Feuerzeug geschnappt, ist in ihren Mantel geschlüpft und zum Herrn Jakob geeilt. Das Blumengeschäft hat sie inzwischen abgesperrt und das Schild mit Komme gleich angehängt.
“Na was sagen sie dazu ? Das Würstelstandel ist weg” schnauft die Frau Matzner zwischen zwei Zügen an ihrer Zigarette.
Der Herr Jakob war erst mal sprachlos. Was nicht so alles geschehen kann, wenn er nur ein paar Tage nicht am Fenster zur Straße sitzt.
Er fragt die Frau Matzner, was denn da passiert ist, aber genau weiß sie es auch nicht.
Angeblich hat der Besitzer sich irgendwie übernommen und hat Konkurs anmelden müssen.
Und deswegen ist das Standel abgebaut worden.
Nun ja, der Herr Jakob begann sich daraufhin etwas zu freuen, denn nun hatte er wieder mehr Ausblick und er hoffte außerdem dass jetzt die launigen Biertrinker, die gern beim Würstelstand waren und sich oft sehr lautstark unterhalten haben, weg sind.
Die Frau Matzner erzählt auch noch, dass die Bäckersleute auch sehr froh sind, denn die hoffen ja nun, dass wieder mehr Leute in ihr Geschäft kommen.
Den Herrn Jakob aber interessiert ob die Frau Matzner schon eine neue Floristin eingestellt hat.
Da erinnert sich die gute Frau daran, dass sich ja gleich eine Frau vorstellen kommen wird. Sie drückt schnell ihre Zigarette aus, packt sie in ihren Miniaschenbecher und eilt in ihr Geschäft.
Vielleicht ist das ja ihre neue Kollegin und die möchte sie nur ungern warten lassen.
Am Eingang winkt sie dem Herrn Jakob noch schnell zu. Denn nun sieht er ja wieder zum Blumengeschäft der Frau Matzner.
Und er freut sich schon, wenn es Frühling wird und vor dem Geschäft wieder die Kübeln mit den bunten Blumen stehen werden.
Eine schöne wiedergewonnene Aussicht.

 

Herr Jakob am Fenster zur Straße und die neue Welt

Zeichnung @ Dominik Voss

Es ist Winter geworden und der Herr Jakob muss sein Fenster meist geschlossen halten, weil es ihm sonst zu kalt in der Wohnung werden würde. Aber wenn die Frau Matzner zum Rauchen an sein Fenster kommt, dann öffnet er es natürlich gerne, dabei lüftet er gleich, meint er immer.
Obwohl sich dabei natürlich der Rauch von den Zigaretten der Frau Matzner auch in seine Wohnung zieht.
Grad aber hat die Frau Matzer große Probleme mit ihrem Personal. Die junge Floristin mit dem dicken Zopf, die dem Herrn Jakob so gut gefällt, die wird immer unzuverlässlicher, sie kommt oft zu spät, geht 100 mal am Tag aufs WC, da hat die Frau Matzner schon gedacht, dass sie vielleicht krank wäre, aber dann ist sie drauf gekommen, dass die junge Frau immer am WC telefoniert oder am Smartphone tippt.
Her Jakob meint, die ist verliebt, vielleicht hat sie einen neuen Freund.
“Ja das kann schon sein, aber deswegen darf doch die Arbeit nicht leiden.” Die Frau Matzner hat da wenig Verständnis.
Und dann kam die nächste Hiobsbotschaft, die Angestellte will kündigen. Grad jetzt, im Advent, wenn so viel zu tun ist, will die von einem Tag auf den anderen, ohne Kündigungszeit einfach weg.
Die Frau Matzner ist echt am Verzweifeln, wo soll sie denn so schnell Ersatz her bekommen ?
Nur kann ihr der Herr Jakob da leider auch nicht wirklich helfen, er hört sich aber ihre Sorgen gern an.
Und stellt ihr seinen Aschenbecher dabei zur Verfügung.
Beim Würstelstand vis a vis ist jetzt nur sehr wenig los, den Leuten ist wohl zu kalt zum Herumstehen.
Aber der Herr Jakob hat auch gehört, dass der Verkäufer, der immer die Nachmittagsschicht macht sehr unfreundlich sein kann und vor allem viel Schimpf für die Ausländer auf den Lippen hat.
Manche Gäste schimpfen dann mit, aber es gibt auch welche die reden dagegen bzw sind Fürsprecher für die Menschen die hier Zuflucht suchen und dann gibt es Streit.
Der Besitzer des Standels, der mag es gar nicht wenn es solche Streits gibt, denn die Bewohner des Hauses unter dem der Würstelstand steht, die haben schon mehrmals die Polizei geholt und das tut seinem Geschäft nicht gut.

So ist dem Herrn Jakob jetzt manchmal langweilig, wenn er am Fenster sitzt. Das ist im Winter leider oft so, er kennt das ja schon.
Und so hat er sich überlegt, dass er sich heuer zu Weihnachten selbst ein Geschenk machen wird und er hat sich ein Smartphone gekauft.
Gar nicht so einfach damit zurecht zu kommen.
Aber da nahte Hilfe – der Mohamed, der ägyptische Student, der ihm immer die Zeitung ans Fenster bringt, der kennt sich super aus mit so einem Ding und der hat ihm geholfen das Smartphone einzurichten. Und er hat ihm auch vieles erklärt, was so nicht in der Beschreibung steht.
Für den Herrn Jakob hat sich damit eine ganz neue Welt aufgetan. Unglaublich welche Informationen er da heraus holen kann.

Und wir dürfen gespannt sein, wie es dem Herrn Jakob mit seinem Smartphone weiter gehen wird.
Da wird bestimmt die eine oder andere nette Geschichte dabei sein.

Herr Jakob braucht einen Geschenketipp

herrjakob_klHerr Jakob sitzt gerne am Fenster seiner Wohnung im Erdgeschoss und beobachtet das Geschehen auf der Straße.
Mit der Frau Matzner, die das Blumengeschäft vis a vis führt, hat er sehr guten persönlichen Kontakt.
Sie kommt ab und zu am Tag zu ihm ans Fenster um eine Zigarette zu rauchen.
Nun weiß der Herr Jakob, dass die Frau Matzner demnächst Geburtstag hat und er würde ihr gerne eine Kleinigkeit schenken.
Nur weiß er leider nicht was. Blumen wären in dem Fall wohl nicht so angebracht.
Viel Geld kann Herr Jakob auch nicht ausgeben, denn seine Pension ist nicht ganz so üppig.
Er hat zwar genug zum Leben, kann sich auch die eine oder andere kleine Freude leisten, aber großartige Geschenke sind da eher nicht drinnen.
Zu Weihnachten bäckt der Herr Jakob immer ein Früchtebrot, in kleinen handlichen Wecken, die er dann nett verpackt verschenkt.
Da hat der Herr Jakob zwei Mal was davon, einmal, weil er das Früchtebrot gerne bäckt und dann wenn er es verschenkt und die Leute Freude damit haben.
Aber jetzt zum Geburtstag da hat er keinen Schimmer, was er besorgen soll.
Und fragen kann er leider auch niemanden, denn der Herr Jakob lebt ja allein.
Er überlegt, dass er ca. 15-20 Euro ausgeben würde können.
Ob sich die Frau Matzner über ein buntes Tuch freuen würde ?
Erst vor ein paar Tagen hat er bei einem Stand am Markt einen Ständer mit vielen bunten Tüchern und Schals gesehen.
Dieser Stand ist ihm grad eben eingefallen. Er hat aber vergessen zu schauen, was diese Tücher kosten würden.
Am Nachmittag macht sich Herr Jakob auf den Weg zum Markt.
Er hatte Glück, der Stand war offen und die Tücher standen an ihrem Platz.
Herr Jakob lässt ein paar Tücher durch seine Finger gleiten und entscheidet sich dann für einen pinkfarbigen Schal.
Der Verkäufer verpackt den Schal in einem Papiersäckchen und knöpft dem Herrn Jakob dafür 10 Euro ab.
Sehr erfreut, dass er sogar unter seinem Budget geblieben ist und dennoch ein nettes Geschenk ergattert hat, macht sich der Herr Jakob auf den Heimweg.
Am Zeitschriftenladen bleibt er kurz stehen und möchte eine Zeitschrift kaufen, in der viele nette Ideen für Weihnachtskekse und Kuchen sind. Er hofft, da ein paar neue Ideen für seine Weihnachtsüberraschungen zu finden.
Dabei fällt sein Blick auf einen Stapel Geschenkpapier. Davon nimmt er noch einen Bogen und auch noch eine Rolle Geschenkband, womit er den Schal der Frau Matzner verpacken möchte.
Es macht ihm richtig Spaß ein hübsches Präsent herzustellen, das er dann auf die Fensterbank legen wird.
Er hofft sehr, dass sich die Frau Matzner freut, über die kleine Überraschung Zum Geburtstag.

Und wir dürfen uns auf die nächste Geschichte freuen, wenn der Herr Jakob erzählt, wie die Übergabe war.
Hättet ihr dem Herrn Jakob einen anderen Tipp für ein Geschenk geben können ?

Der Herr Jakob, am Fenster zur Straße (9)

herrjakob_klLang ist es her, dass ich euch vom Herrn Jakob erzählt habe.
Er sitzt immer noch gerne am Fenster und schaut den Leuten zu, wie sie durch den Tag hetzen.
Vis a vis ist ja nun der Würstelstand. Alle haben befürchtet, dass es ganz schlimm werden wird, aber irgendwie gehört das Standel jetzt schon zum Alltag. Und gar so uninteressant ist es gar nicht, denn es sind eine Menge neuer Leute in die Straße gekommen.
Zuerst die, die nur schauen wollten, dann die die, mal eine Wurst gekostet haben und dann die die jeden Tag kommen.
Einer davon ist der Pepe. Pepe dürfte Alkoholiker sein, denn er kauft schon am frühen Morgen die erste Dose Bier am Stand.
Da hat der Supermarkt am Ende der Straße noch nicht offen, daher kommt er zum Würstelstand und da trifft er auch meist einige seiner Freunde, die ebenfalls schon am Morgen Bier trinken.
Der Charly, das ist der Verkäufer am Stand, der sorgt aber dafür, dass die Herren mit dem Bier leise sind, sonst verscheucht er sie vom Platz, denn Randale kann er sich nicht leisten.
Der Pepe kommt auch manchmal zum Herrn Jakob ans Fenster. Zuerst hat er ihm auch wollen eine Dose Bier andrehen, aber der Herr Jakob trinkt unter Tags keinen Alkohol, höchstens mal am Abend zum Essen ein Glas, also hat er dankend abgelehnt, sich aber mit dem Pepe ganz nett unterhalten.
Pepe ist über 60 und schon in Pension, seine Frau ist mit einem jüngeren Mann abgehauen, erzählt er so zumindest und seither ist ihm stinklangweilig. Irgendwann hat das mit dem Biertrinken angefangen. Pepe weiß, dass ihm das eigentlich nicht gut tut, aber er kann nicht aufhören, sagt er zumindest.
Dabei war der Pepe mal ein fescher, ehrgeiziger Mann, der einen guten Job hatte, ein großes auto und eine schöne Wohnung.
Alles weg, sagt der Pepe, alles nur weil seine Frau mit einem jüngeren Mann abgehauen ist.
Na ja, Schuld ist also die Frau vom Pepe.
Der Herr Jakob schüttelt manchmal den Kopf, wenn der Pepe so über seine Exfrau herzieht. Er wird schon auch seinen Teil beigetragen haben, meint der Herr Jakob, aber das streitet der Pepe natürlich ab.
Die Frau Matzner, die wieder mal vorbei gekommen ist um Eine zu rauchen, findet es auch nicht gut, dass der Pepe so viel trinkt. Sie kennt ihn von früher, als er für seine Frau noch Blumen bei ihr gekauft hat. Nur seine Frau hat sie nie zu Gesicht bekommen. Das fand sie immer schon etwas komisch.
Gegen Mittag verschwindet der Pepe meistens, da hat er dann schon seine 3 oder 4 Dosen Bier intus und geht heim, eine Siesta machen, wie er lautstark verkündet. Und so gegen 16.00 Uhr kommt er noch mal, da scheint er wieder nüchtern zu sein, nachdem er ein paar Stunden geschlafen hat.
Wenn dann die meisten Geschäfte in der Straße zusperren verschwindet auch der Pepe wieder. Wie und wo er seine Abende verbringt weiß niemand.
Irgendwie ein armer Teufel, der Pepe, sagt der Herr Jakob zur Frau Matzner.
Die nimmt einen tiefen Zug an ihrer Zigarette und sagt auch “Bis Morgen, Herr Jakob” und geht heim.

Ja der Alkohol……….