Herr Jakob braucht einen Geschenketipp

herrjakob_klHerr Jakob sitzt gerne am Fenster seiner Wohnung im Erdgeschoss und beobachtet das Geschehen auf der Straße.
Mit der Frau Matzner, die das Blumengeschäft vis a vis führt, hat er sehr guten persönlichen Kontakt.
Sie kommt ab und zu am Tag zu ihm ans Fenster um eine Zigarette zu rauchen.
Nun weiß der Herr Jakob, dass die Frau Matzner demnächst Geburtstag hat und er würde ihr gerne eine Kleinigkeit schenken.
Nur weiß er leider nicht was. Blumen wären in dem Fall wohl nicht so angebracht.
Viel Geld kann Herr Jakob auch nicht ausgeben, denn seine Pension ist nicht ganz so üppig.
Er hat zwar genug zum Leben, kann sich auch die eine oder andere kleine Freude leisten, aber großartige Geschenke sind da eher nicht drinnen.
Zu Weihnachten bäckt der Herr Jakob immer ein Früchtebrot, in kleinen handlichen Wecken, die er dann nett verpackt verschenkt.
Da hat der Herr Jakob zwei Mal was davon, einmal, weil er das Früchtebrot gerne bäckt und dann wenn er es verschenkt und die Leute Freude damit haben.
Aber jetzt zum Geburtstag da hat er keinen Schimmer, was er besorgen soll.
Und fragen kann er leider auch niemanden, denn der Herr Jakob lebt ja allein.
Er überlegt, dass er ca. 15-20 Euro ausgeben würde können.
Ob sich die Frau Matzner über ein buntes Tuch freuen würde ?
Erst vor ein paar Tagen hat er bei einem Stand am Markt einen Ständer mit vielen bunten Tüchern und Schals gesehen.
Dieser Stand ist ihm grad eben eingefallen. Er hat aber vergessen zu schauen, was diese Tücher kosten würden.
Am Nachmittag macht sich Herr Jakob auf den Weg zum Markt.
Er hatte Glück, der Stand war offen und die Tücher standen an ihrem Platz.
Herr Jakob lässt ein paar Tücher durch seine Finger gleiten und entscheidet sich dann für einen pinkfarbigen Schal.
Der Verkäufer verpackt den Schal in einem Papiersäckchen und knöpft dem Herrn Jakob dafür 10 Euro ab.
Sehr erfreut, dass er sogar unter seinem Budget geblieben ist und dennoch ein nettes Geschenk ergattert hat, macht sich der Herr Jakob auf den Heimweg.
Am Zeitschriftenladen bleibt er kurz stehen und möchte eine Zeitschrift kaufen, in der viele nette Ideen für Weihnachtskekse und Kuchen sind. Er hofft, da ein paar neue Ideen für seine Weihnachtsüberraschungen zu finden.
Dabei fällt sein Blick auf einen Stapel Geschenkpapier. Davon nimmt er noch einen Bogen und auch noch eine Rolle Geschenkband, womit er den Schal der Frau Matzner verpacken möchte.
Es macht ihm richtig Spaß ein hübsches Präsent herzustellen, das er dann auf die Fensterbank legen wird.
Er hofft sehr, dass sich die Frau Matzner freut, über die kleine Überraschung Zum Geburtstag.

Und wir dürfen uns auf die nächste Geschichte freuen, wenn der Herr Jakob erzählt, wie die Übergabe war.
Hättet ihr dem Herrn Jakob einen anderen Tipp für ein Geschenk geben können ?

Der Herr Jakob, am Fenster zur Straße (9)

herrjakob_klLang ist es her, dass ich euch vom Herrn Jakob erzählt habe.
Er sitzt immer noch gerne am Fenster und schaut den Leuten zu, wie sie durch den Tag hetzen.
Vis a vis ist ja nun der Würstelstand. Alle haben befürchtet, dass es ganz schlimm werden wird, aber irgendwie gehört das Standel jetzt schon zum Alltag. Und gar so uninteressant ist es gar nicht, denn es sind eine Menge neuer Leute in die Straße gekommen.
Zuerst die, die nur schauen wollten, dann die die, mal eine Wurst gekostet haben und dann die die jeden Tag kommen.
Einer davon ist der Pepe. Pepe dürfte Alkoholiker sein, denn er kauft schon am frühen Morgen die erste Dose Bier am Stand.
Da hat der Supermarkt am Ende der Straße noch nicht offen, daher kommt er zum Würstelstand und da trifft er auch meist einige seiner Freunde, die ebenfalls schon am Morgen Bier trinken.
Der Charly, das ist der Verkäufer am Stand, der sorgt aber dafür, dass die Herren mit dem Bier leise sind, sonst verscheucht er sie vom Platz, denn Randale kann er sich nicht leisten.
Der Pepe kommt auch manchmal zum Herrn Jakob ans Fenster. Zuerst hat er ihm auch wollen eine Dose Bier andrehen, aber der Herr Jakob trinkt unter Tags keinen Alkohol, höchstens mal am Abend zum Essen ein Glas, also hat er dankend abgelehnt, sich aber mit dem Pepe ganz nett unterhalten.
Pepe ist über 60 und schon in Pension, seine Frau ist mit einem jüngeren Mann abgehauen, erzählt er so zumindest und seither ist ihm stinklangweilig. Irgendwann hat das mit dem Biertrinken angefangen. Pepe weiß, dass ihm das eigentlich nicht gut tut, aber er kann nicht aufhören, sagt er zumindest.
Dabei war der Pepe mal ein fescher, ehrgeiziger Mann, der einen guten Job hatte, ein großes auto und eine schöne Wohnung.
Alles weg, sagt der Pepe, alles nur weil seine Frau mit einem jüngeren Mann abgehauen ist.
Na ja, Schuld ist also die Frau vom Pepe.
Der Herr Jakob schüttelt manchmal den Kopf, wenn der Pepe so über seine Exfrau herzieht. Er wird schon auch seinen Teil beigetragen haben, meint der Herr Jakob, aber das streitet der Pepe natürlich ab.
Die Frau Matzner, die wieder mal vorbei gekommen ist um Eine zu rauchen, findet es auch nicht gut, dass der Pepe so viel trinkt. Sie kennt ihn von früher, als er für seine Frau noch Blumen bei ihr gekauft hat. Nur seine Frau hat sie nie zu Gesicht bekommen. Das fand sie immer schon etwas komisch.
Gegen Mittag verschwindet der Pepe meistens, da hat er dann schon seine 3 oder 4 Dosen Bier intus und geht heim, eine Siesta machen, wie er lautstark verkündet. Und so gegen 16.00 Uhr kommt er noch mal, da scheint er wieder nüchtern zu sein, nachdem er ein paar Stunden geschlafen hat.
Wenn dann die meisten Geschäfte in der Straße zusperren verschwindet auch der Pepe wieder. Wie und wo er seine Abende verbringt weiß niemand.
Irgendwie ein armer Teufel, der Pepe, sagt der Herr Jakob zur Frau Matzner.
Die nimmt einen tiefen Zug an ihrer Zigarette und sagt auch „Bis Morgen, Herr Jakob“ und geht heim.

Ja der Alkohol……….

Herr Jakob, am Fenster zur Straße

herrjakob_klIhr erinnert euch sicher, dass vor einiger Zeit der Gemüsehändler, vis a vis vom Fenster des Herrn Jakobs verstorben ist. Seine Frau hat unmittelbar danach das Geschäft aufgegeben.
Die Leute in der Straße waren gespannt was denn nun für ein Laden in das kleine Geschäft einziehen würde.
Lange passierte gar nichts und man hatte sich schon an den leeren, kahlen Laden gewöhnt, als eines Tages die Fensterscheiben mit Packpapier zugeklebt waren und man aus dem Inneren Klopf- und Bohrgeräusche hörte.
Und bald darauf stand eine Art Wohnwagen vor dem früheren Gemüsegeschäft.
Der Herr Jakob fand das sehr seltsam, aber keiner der anderen Geschäfteinhaber wusste Bescheid, was da vor sich ging.
Doch dann kam die Frau Matzner vom Blumengeschäft und klopfte ans Fenster vom Herrn Jakob.
Sie zündet sich unter Räuspern eine Zigarette an und machte ein verschwörerisches Gesicht.
Endlich weiß man was es mit dem Wohnwagen und dem leeren Geschäft auf sich hat.
Der Wohnwagen ist nämlich gar kein Wohnwagen, sondern ein Würstelstand. Und in dem kleinen Geschäft, das früher eine Gemüseladen war, da soll dasa lager für den Stand hinkommen.
Eröffnung wird am nächsten Tag sein und der Würstelstand darf sogar 2 kleine Tische mit Sesseln auf dem Gehsteig aufstellen.
Der Herr Jakob ist darüber aber gar nicht amüsiert, denn der Wohnwagen, der ein Würstelstand werden soll, steht ja verkehrt zu seinem Fenster und die Tische und Sesseln werden von dem Wohnwagen verstellt, also er wird davon nichts zu sehen bekommen.
Auch die anderen Geschäftsleute sind nicht grad begeistert, vor allem die Bäckerei nicht, die den Gestank von den gebratenen Würsteln fürchtet.
Inzwischen sind eine Horde von Männern aufgetaucht, mit Aktenkoffern und Laptop, die rund um den neuen Würstelstand gehen, da und dort einen Kontrollblick werfen und dann wieder verschwinden.
Der andere Pulg an Männern verschönert den Wohnwagen, befestigt Luftballons und Lautsprecher auf dem Dach, hängt Kunstblumen an die Fenster und räumt einen Lieferwagen aus, Kartons und Kisten mit Bierflaschen, Pakete mit Würsten und Gläser mit Gürkchen, eingelegte Paprika und Kübeln mit Senf und Mayonaise.
Der Herr Jakob kommt aus dem Staunen nicht heraus. Und es steigt auch ein wenig Ärger in ihm hoch, denn er befürchtet, vermutlich zu recht, dass der morgige Tag laut und lang werden könnte.
Als die Frau Matzner das nächste Mal zum „eine rauchen“ – es ist heute schon die fünfte – vorbei kommt, klagt er ihr sein Leid und erntet nur Zuspruch, denn auch die Frau Matzner fürchtet um ihr Blumengeschäft, wenn da jede Menge Leute am Würstelstand ihr Bier konsumieren wird, weil Blümchen für die Frau Gemahlin wird diese Klientel sicher nicht kaufen wollen.

Urheberrechte © Andrea Voss

Der Herr Jakob – Wir schaffen das

herrjakob_klHerr Jakob sitzt wieder an seinem Fenster, am geschlossenen Fenster, denn es ist ziemlich kalt draußen. Aber er sieht ja auch durch die Scheiben, was sich in seiner Straße tut.
Am Fensterbrett steht eine große Tasse Milchkaffee, eine Packung Kekse hat er auch bereit gelegt und die Zeitung, die ihm Mohamed gebracht hat, liegt ebenfalls bereit. Darin schmöckert er noch ein wenig, wenn sich draußen grad nichts tut.
Wenn jemand mit dem Herrn Jakob plaudern möchte, dann klopft er einfach an die Scheibe. So macht das die Frau Anna aus dem 3. Stock heute.
„ich zieh um, Herr Jakob“ ohne zu grüßen sprudelt es aus der Frau Anna heraus.
Dazu muss man wissen, dass die Frau Anna im 3. Stock wohnt und das Haus keinen Lift hat. Frau Anna ist schon eine etwas betagte Dame und das Stiegen steigen fällt ihr von Tag zu Tag schwerer.
Sie hat sich schon vor Jahren bei der Gemeinde um eine seniorengerechte Wohnung angemeldet und jetzt ist der Bescheid gekommen, dass sie dort einziehen kann.
Ganz aufgeregt ist die Frau Anna und der Herr Jakob freut sich mit ihr.
Obwohl er auch ein wenig traurig ist, denn immer mehr Leute, die er lieb gewonnen hat und die zu ihm zum Plaudern kommen, verschwinden aus der Straße.
Entweder sie sterben, wie der Herr Dorner oder sie ziehen weg.
Das Geschäft von den Dorners steht immer noch leer, die Frau Dorner kann es allein nicht weiter führen und bis jetzt hat sich noch niemand gefunden der es haben hätte wollen.
Alle Leute laufen jetzt in den Supermarkt an der Ecke um ihr Obst und Gemüse zu holen.

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Der Herr Jakob – Mein Beileid

herrjakob_klDer Herr Jakob sitzt am Fenster und liest die Zeitung, die ihm der Mohamed in der Früh gebracht hat.
Bei manchen Meldungen schüttelt der Herr Jakob verständnislos den Kopf – schon ein Wahnsinn was da so in der Welt vor sich geht.
Aber viel mehr würde ihn interessieren, warum das Gemüsegeschäft heute noch nicht aufgesperrt hat.
Das Ehepaar Dorner, das das Geschäft schon so lange betreibt, ist sonst immer schon sehr zeitig da, die fahren ja vorher auf den Großmarkt und kaufen dort ein, was sie dann unter Tags in ihrem Geschäft anbieten. Am Vormittag kommen dann auch noch zwei Bauern vorbei und bringen Ware aus ihren Höfen.
Heute ist es schon 8.00 Uhr vorbei, aber der Rollladen ist immer noch unten. Das kommt dem Herrn Jakob ganz komisch vor.

Er überlegt grad ob er raus gehen soll und vis a vis in der Bäckerei nachfragen soll, ob da was passiert ist, da kommt die Clara, die Bäckersfrau auch schon ganz aufgeregt gelaufen und erzählt atemlos:“Herr Jakob, stellen sie sich vor, der Herr Dorner ist heute Nacht gestorben, Herzinfarkt !“ Die Frau Dorner hat sie grad angerufen und die Bäckersfrau gebeten einen Zettel an den Rollladen zu kleben, dass wegen eines Todesfalls das Geschäft geschlossen bleibt.

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